Sich selbst treu geblieben

Gastwirtin verfolgt auch zu Corona-Zeiten ihr ganz persönliches Konzept

Wie Udo Zeller, der Behindertenbeauftragte im Landkreis Potsdam-Mittelmark, warten von Montag bis Freitag viele auf die vegetarische Kost aus den Töpfen und Pfannen von Gasthausbetreiberin Hanna Präger.Foto: fdk

Frohnsdorf. Das Hotel- und Gaststättengewerbe steckt seit Monaten im Lockdown-Dilemma. Geschlossene Gasthäuser und Kurzarbeit bestimmen das Prozedere. Vielerorts halten sich die Betreiber mit „To go-Angeboten“ oder einem Speisenlieferservice über Wasser.

Auch bei Hanna Präger, die die Waldgaststätte „Zur alten Eiche“ in Frohnsdorf  betreibt, ist das nicht anders.  Vor neun Jahren hat sie das Haus von ihren Eltern übernommen und setzt in ihrer Arbeit auf regionale, nachhaltig produzierte und vor allem gesunde Kost. Letzteres war auch der Grund dafür, dass sie sich in einer der schlimmsten Krisen, die die Branche je erlebte, zu einem mutigen Schritt entschied. Sie lehnte einen Großauftrag des Johanniter-Krankenhauses ab, und nimmt stattdessen hunderte Fahrkilometer in Kauf, um ihre Speisen von Montag bis Freitag zu Familien und Behörden zwischen Treuenbrietzen und Bad Belzig zu fahren. „Täglich Fleisch in allen möglichen Variationen zu essen ist nicht gesund. Ich möchte so auch nicht kochen oder den Menschen liefern. Ich setze  in meinem Gasthaus seit Jahren auf hausgemachte biologische und vor allem vegetarische Kost“, so die  35-Jährige und zweifache Mutter, die zu ihrer Entscheidung, einen großen Auftrag abzulehnen, sagt: „Ich denke, dass es auch in schweren Zeiten wichtig ist, sich selbst und seinen Vorstellungen von gesundem Essen treu zu bleiben.“

Und das scheint anzukommen, auch und wohl gerade zu Zeiten, in denen viele Mittelmärker im Homeoffice oder aber unter besonderen Bedingungen in Büros oder Werkhallen arbeiten. „Ich höre immer wieder, dass dank unserer leichten Kost die Menschen auch nach dem Essen leistungsfähig bleiben. Satt aber nicht pappesatt ist das Motto, das vorwiegend Frauen aber zunehmend auch Männer gesundes vegetarisches Essen nachfragen lässt“, so Präger, die zudem für viele ihrer Kunden mehr als Köchin und Lieferfahrerin ist. „Sie ist ein Mensch, der dafür lebt, was sie macht. Sie ist das Bindeglied zwischen jenen, die sich im Lockdown nicht treffen dürfen. Und dabei hat sie mit ihrem Lieferservice eine Nische entdeckt, um vielen Menschen, die oftmals allein im Homeoffice arbeiten, ein Stückchen Normalität und Austausch zu geben“, sagt Udo Zeller, der als Behindertenbeauftragter des Landkreises PM weiß, wie wichtig dies gerade in Zeiten begrenzter Sozialkontakte ist. „Menschen mit Behinderung, sie sind nicht zu sehen, nicht zu hören, aber sie sind da und sehnen sich wie alle anderen auch nach ganz einfachen Dingen, wie menschliche Kontakte zum Beispiel“, so Zeller, der sich, egal ob im Homeoffice oder in der Landkreisverwaltung, jedes Mal auf die kulinarischen Kreationen aus Frohnsdorf freut. Dabei ist er nur einer von vielen und jede Woche werden es mehr, die in einer schweren Zeit auf leichte Kost setzen.

Dennoch, Hanna Präger macht sich Sorgen, wie es in der Gastronomie weitergehen soll: „Eine ganze Branche unter Generalverdacht zu stellen und bei den angeordneten Schließungen nicht die individuellen Veraussetzungen der einzelnen Häuser zu prüfen, ist absurd. Anders als in großen Städten oder Touristenhochburgen wie der Ostsee funktioniert Tourismus im Fläming meist sehr kleinteilig. Ich befürchte, dass wenn nicht endlich wieder halbwegs normale Arbeitsbedingungen eintreten, dann viele Betreiber auf der Strecke bleiben und sich noch mehr Beschäftigte aus der Gastronomie beruflich gänzlich neu orientieren werden. Das würde den Fachkräftemangel der Branche extrem beschleunigen. Es ist viel Frust da und offene Fragen. Was zum Beispiel, wenn vielen kein Geld mehr bleibt, um dann, nach dem Lockdown, neu anzufangen oder aber für den Neustart einfach keine Kraft mehr haben.“ fdk

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