Schnelltest-Studie

Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen testet eine neue Generation von Corona-Schnelltests

Dr. Martin Spielhagen hat die ersten neuartigen Schnelltests erhalten. Er hat sich darum gekümmert, dass die Studie am Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen durchgeführt werden kann.Foto: Johanniter/Ina Tessnow

Treuenbrietzen. Am heutigen Dienstag, 19. Januar, ging ein Testplatz für eine Corona-Schnellteststudie im Johanniter- Krankenhaus Treuenbrietzen in Betrieb. So können die Mitarbeitenden auf freiwilliger Basis einen neuen Antigen-Schnelltest erproben, der viel leichter gerade für medizinische Laien anwendbar ist und nach bisheriger Datenlage im klinischen Gebrauch eine hohe Sensitivität besitzt. Hohe Sensitivität bedeutet hier, dass ein Infizierter auch positiv im Schnelltest erfasst werden muss. Diese Faktoren sind ausschlaggebend für die Ergebnisgenauigkeit. Bisherige AG-Schnelltests benötigen Material aus tieferen Bereichen des Rachen- und Nasenraumes, die häufig unangenehme Reize bei Abstrich auslösen und deshalb u. U. nicht genügend
Material in der Selbsttestung hergeben.

Der neue Test „NowCheck Covid-19 Ag Test nasal swab“ soll nur noch im normalen Nasenbereich angewendet werden und damit für breite Bevölkerungsschichten sicher anzuwenden sein. Mit dem neuen Testkit, das bereits vom Bfarm zugelassen wurde, gibt es nun einen Schnelltest, der Alltags- und massentauglich ist.

Wie testet das Krankenhaus bisher?
Den Mitarbeitern des Krankenhauses und der Tochtergesellschaften stehen seit Ende November / Anfang Dezember marktübliche Ag-Schnelltests zum regelmäßigen Selbstabstrich zur Verfügung. Inzwischen wurde schon mal der Hersteller ausgetauscht, um Tests mit einer höheren Genauigkeit anzubieten (von 70-80 % auf 80-90 %). Mindestens 2 x wöchentlich erfolgen die Selbsttestungen. Positive Ergebnisse werden durch einen herkömmlichen PCR-Test in einem Labor überprüft.

Wie funktioniert die Studie?
Für die beginnende Studie wird nun neben dem zu erprobenden „NowCheck® COVID-19 Antigen Schnelltest nasal swab“in jedem Fall ein zweiter Abstrich für einen laborbestätigten PCRTest genommen, dieser dann als Nase-RachenAbstrich. Die PCR ist der Goldstandard in der Coronatestung. Das soll genaue Erkenntnisse darüber bringen, wie oft der neue Schnelltest falsch oder richtig positiv ist (Sensitivität) bzw. auch falsch oder richtig negativ ist (Spezifität). Dabei soll nach Rückfrage beim Hersteller in Südkorea das Testkit auch Mutationen des Sars-Cov-2-Virus (Typ GB und Typ Südafrika) nachweisen. Die Ergebnisse fließen alle anonymisiert in die Auswertung ein. Dafür sorgt das Büro des Ärztlichen Direktors Dr. Martin Spielhagen. Für den Fall eines positiven Abstriches muss natürlich wie bisher auch das Gesundheitsamt informiert werden.

Warum ein neuer Test?
Es muss viel mehr und schneller in breiten Bevölkerungsschichten getestet werden können. Studien zeigen, dass Kinder und Jugendliche viel häufiger als angenommen das Corona-Virus übertragen, ohne selbst zu erkranken oder Symptome auszubilden. Dafür werden massentaugliche, hygienisch vereinzelbare, preiswerte und vor allem ergebnissichere Testkits benötigt. Die bisherigen Schnelltests sind nur für Fachpersonal handelbar. Der Neue soll nun unter wissenschaftlicher Begleitung „laienfähig“ werden.

Wo kommt der Test her?
Der Test wird von Bionote, der koreanischen Schwesterfirma des Pharmaunternehmens Roche, hergestellt. Damit ist das Johanniter-Krankenhaus zurzeit das erste im Land Brandenburg, das sich mit dieser Studie in den Dienst der Forschung stellt.

Wie lange dauert die Studie?
Die Studie dauert so lange, bis 50 positive Schnelltests angefallen und überprüft sind. Man geht davon aus, dass das bis Mitte/Ende März sein könnte. Dabei arbeiten wir mit dem Laborinstitut Professor Frey des Städtischen Klinikums Brandenburg/H. zusammen, das bereits lange Partner des Krankenhauses ist.

Was kostet der Test?
Die Tests stellt der Hersteller dem Krankenhaus kostenlos zur Verfügung. Auch für die Auswertung
der Kontrollabstriche im Labor entstehen dem Krankenhaus keine Kosten. Bei Überführung in die massenhafte Produktion können aktuell Preise von unter 5 EUR im Einkauf erreicht werden, der im Idealfall bis auf 1 EUR sinken müsste. Dieser Preis würde einer massenhaften Anwendung zugutekommen.

Zitat Dr. Martin Spielhagen: „Wir müssen viel mehr testen, testen, testen – am besten flächendeckend
– unabhängig von Ort und Fachpersonal. Trotzdem darf man die Hygieneregeln nicht vernachlässigen. Nur so können wir langfristig die Pandemie eindämmen und mehr Nähe und Lebensqualität zurückbekommen. Deshalb stellen wir uns gern in den Dienst von Wissenschaft und Forschung zur Bekämpfung der Pandemie.“ red

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