Stadtbäume brauchen Hilfe: Aktion "Stahnsdorf gießt" startet am Dienstag

Stadtbäume brauchen Hilfe: Aktion "Stahnsdorf gießt" startet am Dienstag

Junge Bäume können mithilfe von Baumtaschen nachhaltig bewässert werden. Der Sack fasst bis zu 70 Liter Wasser, die dann nach und nach ins Erdreich abgegeben werden. Doch die Anschaffung der Taschen ist teuer. Bei älteren Bäumen lohnt sich zudem die Auflockerung der Baumscheiben. Wer regelmäßig gießt, sieht schon im Folgejahr deutliche Erfolge, auch bei großen Bäumen. Foto: Sabine Gottschalk

Straßenbäume leiden in ganz Brandenburg unter der anhaltenden Trockenheit

Stahnsdorf. Um die Stahnsdorfer Straßenbäume bei der anhaltenden Trockenheit zu schützen, ruft die Gemeinde ein neues Projekt ins Leben. Die Aktion mit dem Titel "Stahnsdorf gießt" startet am Dienstag, 4. August um 17 Uhr offiziell auf dem Dorfplatz. Vor allem junge Straßenbäume, die mit ihren Wurzeln noch nicht das Grundwasser erreicht haben, sind gefährdet. Schnelles Handeln ist wichtig.

Mit 70 Litern pro Woche kann ein junger Baum gerettet werden. Alle Stahnsdorfer sind deshalb aufgerufen, sich an der Gießaktion zu beteiligen und ein Zeichen zu setzen. Wer mag, kann mit Gießkannen ausgestattet am Dienstagnachmittag zum Dorfplatz kommen. Mit Unterstützung durch die Freiwillige Feuerwehr und den Wirtschaftshof wird vor Ort eine ausreichende Menge Wasser zum Gießen zur Verfügung stehen. Mitarbeiter der Gemeinde erläutern zudem die Gefahren, die Bäumen durch die Hitze drohen und erklären, wie die Bäume am besten vom Gießwasser profitieren. Dazu sollte auch die Erde der Baumscheiben aufgelockert werden.

Obwohl es in diesem Sommer mehr geregnet hat als in den beiden vergangenen, konnten die Niederschläge das eklatante Defizit aus dem Frühjahr nicht ausgleichen. Nur etwa die Hälfte der durchschnittlichen Regenmenge kam in den Monaten März bis Mai zusammen. In den oberen Bodenschichten zeigen sich deshalb bereits deutliche Dürreerscheinungen.


Schutzgemeinschaft Deutscher Wald warnt schon länger vor Dürreschäden in Städten

Bäume in Städten sind in einer ähnlichen Stresssituation wie die Bäume im Wald. Sie leiden unter den geringen Niederschlägen und haben meist mit Schädlingen zu kämpfen. Viele gewohnten Stadtbaumarten wie Kastanie, Ahorn oder Platane halten die Trockenheit auf Dauer nicht aus. Viele Kommunen haben sich bereits darauf eingestellt und gießen vor allem bei junge Bäume bis zum siebten Jahr öfter. Bei Neuanpflanzungen wird vermehrt bereits auf neue Baumarten, beispielsweise aus dem südeuropäischen Raum, gesetzt.

Nach Ansicht der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) muss jedoch noch mehr für das Überleben der Stadtbäume getan werden. Die Kommunen müssen die Rahmenbedingungen für die Bäume verbessern, sonst werden die meisten Stadtbäume nicht überleben. Möglichkeiten sind die Vergrößerung von Baumscheiben, die dauerhafte Bepflanzung mit Bodenbedeckern, die vor Verdunstung schützen, und die Entsiegelung von Wegen und Plätzen zur besseren Wasserspeicherung.

Außerdem fordert die SDW mehr Bäume in der Stadt. Gerade um Neubauten werden immer noch die Flächen zugepflastert und keine neuen Bäume gepflanzt. In Zeiten des Klimawandels mit steigender Hitzebelastung in den Stadtzentren sind Stadtbäume und innerstädtische Grünflächen jedoch als natürliche Klimaanlagen überlebensnotwendig für die Bevölkerung. Bäume haben den größten positiven Einfluss auf das urbane Mikroklima. Laubbäume kühlen durch Verdunstung ihre Umgebung um etwa fünf Grad ab und sind effektive Schattenspender. Mit gerade einmal 15 Meter Kronendurchmesser schafft es ein einziger Laubbaum, eine Fläche von 160 Quadratmetern mit seinem Schatten zu kühlen.


Knappe Wasserversorgung lässt Bäume langsam sterben

Bei knapper Wasserversorgung der Bäume fällt der Druck, mit dem das Wasser von den Wurzeln in die Kronen transportiert wird, ab. Ein erstes Anzeichen für diesen Druckabfall sind hängende Blätter. Um eine weitere Austrocknung zu vermeiden, schließen die Bäume daraufhin die Spaltöffnungen ihrer Blätter. Sie verlieren dadurch weniger Wasser, können aber gleichzeitig auch nur weniger Kohlendioxid, ihren wichtigsten Energieträger, aufnehmen. Der Baum fährt seinen Stoffwechsel runter.

Um die Verdunstung zu reduzieren, werfen die Bäume Blätter und Früchte ab. Besonders radikal sind Birken, die dann alle Blätter abwerfen und ihre Transpiration damit um 95 Prozent verringern. Untersuchungen aus dem Trockenjahr 2003 zeigen, dass bereits im August Nadelstreumengen viermal so hoch waren wie in normalen Jahren. Bei Buchen wurde etwa ein Drittel des gesamten Laubs abgeworfen. Eichen, Weiden und Pappeln trennen sich im Notfall gleich von ganzen Ästen. Abgeworfen werden die untersten Seitenzweige eines Jahrestriebes. Dieses Phänomen nennen Botaniker Absprünge, auf die sich die Pflanzen gut vorbereiten. Bevor sie die Zweige abwerfen, haben sie in der Trennungszone Korkgewebe gebildet, so dass die Wunde bereits verheilt ist. Der Astabwurf kann jedoch vor allem in Parks und auf Straßen zu einer Gefahr für Passanten werden.

Eine weitere Reaktion auf Trockenheit ist verändertes Wachstum. Während der oberirdische Blätter- und Nadelzuwachs abnimmt, investieren die Bäume in neue Wurzeln, um die Wasseraufnahme zu verbessern. Bleibt es weiterhin trocken, sinkt der Druck, mit dem das Wasser durch die Leitbahnen in die Kronen transportiert wird, weiter, und es bilden sich Gasblasen. Diese lassen die Wasserfäden reißen und verstopfen die Gefäße. Gefährlich wird es für die Bäume, wenn die Wasserleitfähigkeit unter 40 Prozent sinkt. Ab diesem exakten Grenzwert verdurstet der Baum am Wassermangel und die Wurzeln und Blätter verhungern. sg

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