Kunst-Geschoss: Das Geheimnis um den unbekannten Künstler ist gelüftet

Kunst-Geschoss: Das Geheimnis um den unbekannten Künstler ist gelüftet

Am Mittwochabend wurde im Werderaner Kunst-Geschoss die Ausstellung mit Werken des bislang unbekannten Künstlers Karlheinz Grabitzky eröffnet. Foto: Stadt Werder (Havel) | Henry Klix

Werderaner Maler hat mehr als 600 Werke hinterlassen

Eines der Werke von Karlheinz Grabitzky, die in der Retrospektive der Stadtgalerie zu sehen sind. Foto: Frank W. Weber

Werder (Havel).  Vor zwei Jahren wurde der Kurator des Kunst-Geschosses, Frank W. Weber, gebeten, einen künstlerischen Nachlass in Werder zu begutachten. Das passiert zwar immer wieder ma, aber meist handelt es sich nicht um einen schlüssigen Bestand. Diesmal war alles anders. Weber traf auf den Nachlass eines nicht nur ihm bis dahin völlig unbekannten Künstlers. Am Mittwochabend wurde unter dem Titel "unbekannt verkannt" eine Ausstellung mit Werken des Verstorbenen, dessen Namen bis dahin nicht genannt wurde, im Kunst-Geschoss eröffnet.

Und das Geheimnis wurde gelüftet: Es handelt sich um Karlheinz Grabitzky. Er lebte seit 2005 in Werder, wo er im Juli 2018 auch verstarb. Sein Jugendwunsch, Kunst zu studieren, wurde dem 1940 in Brandenburg (Havel) Geborenen von seiner Familie verwehrt. Das Leben verlief in anderen Bahnen. Seine Lehrausbildung und der Abschluss als Dekorateur waren eine gute Grundlage für seine spätere individuelle Beschäftigung mit der Bildenden Kunst. An verschiedenen Lebensstandorten richtete er sich kleine Ateliers ein, so auch in seiner letzten Wahlheimat.

Aus seinem 604 Werke umfassenden Nachlass sind jetzt 74 in der Stadtgalerie im Schützenhaus zu sehen. Die ausgestellten figürlich-formalistischen Bilder wollen Botschaften vermitteln. Doch wie der Name des Künstlers zunächst unbekannt blieb, so geben auch die intensiven Werke ihr Geheimnis nicht ohne Weiteres preis.

"Da Karlheinz Grabitzky seine Werke in den seltensten Fällen selbst betitelte, bleibt uns einiges verborgen. Genau darin liegt der Reiz seines Gesamtwerkes. Der Rezipient fühlt sich durch Titelvorgaben nicht ,bevormundet' und kann sich vorurteilsfrei der Betrachtung hingeben. Wie Geheimcodes müssen seine Bilder jetzt dechiffriert werden", so Frank W. Weber. Sein Interesse an Politik und Weltgeschehen seien in die Themen eingeflossen. Zwischenmenschliche Beziehungen, Gefühl zum Körper und Sexualität prägen sein Werk. Die Prüderie der Gesellschaft zu solchen Themen war sicherlich ein ausschlaggebender Punkt, sich nicht mit seinen Bildern der Öffentlichkeit zu stellen, meint Weber.


Der Künstler mied Kritik von fachkundigem Publikum

Im Gespräch mit seiner Frau Heide Grabitzky erfuhr der Kurator, dass der verkannte Künstler den kritisierenden Kontakt zu anderen Menschen und erst recht vor fachkundigem Publikum scheute. Als er nach seinem Tod die Arbeiten von Karlheinz Grabitzky das erste Mal sah, so Weber, sei ihm sofort das ausgezeichnete Form- und Farbgefühl aufgefallen. Ein echter Autodidakt mit Ausdauer und dem Wunsch, Lösungen zu finden. Die künstlerischen Techniken hat er sich selbst angeeignet. Beim Betrachten des Werkumfanges von über 600 Arbeiten auf Leinwand und Papier wurde Weber schnell klar, dass Karlheinz Grabitzky in der Lage war, sein Werk selbstkritisch zu bewerten und daraus Schlussfolgerungen für künftige Arbeiten zu ziehen. Eine Fähigkeit, die selbst dem ein oder anderen Berufskünstler schwer falle, sagt Weber.

Zweifel an der eigenen künstlerischen Arbeit und stetes Hinterfragen kennzeichneten Grabitzky ganz offensichtlich. In einigen der Arbeiten hat er das Sujet durch Sätze und Worte ergänzt. Ein wenig erinnert das an ein Tagebuch, in demder Künstler seinen seelischen Zustand offenbart. Denn Grabitzky litt nach Auskunft seiner Frau, an Depressionen. Viele seiner Themen können zur Bewältigung des inneren Gemütszustandes beigetragen haben. Die Kunst war das Medium, um seine inneren Konflikte, Gedanken und Gefühle zum Ausdruck zu bringen.

Nur in seiner künstlerischen Anfangszeit signierte Karlheinz Grabitzky mit seinem Nachnamen. Später nutzte er Wortkombinationen aus seinem familiären und örtlichen Umfeld. So sind die Arbeiten mit dem Namen "Schönkow" signiert, eine Kombination aus dem Familiennamen seines verehrten Großvaters "Schönfeld" und dem Namen des Heimatdorfes seiner Großeltern, Roskow bei Brandenburg, wo er seine Kindheit erlebte. Der gesamte Bestand wurde im vergangenen Jahr von der Familie in einem Werksverzeichnis dokumentiert. Das Gesamtwerk verdient unbedingte Beachtung, die Ausstellung im Kunst-Geschoss sei ein Anfang auf lokaler Ebene, betont Frank W. Weber. Eine späte, aber wohlverdiente Ehrung für das Schaffen von Karlheinz Grabitzky sei das.  red/sg


Stadtgalerie Kunst-Geschoss
Uferstraße 10
14542 Werder (Havel)

Ausstellung vom 16. Juli bis 30. August, öffentliche Vernissage am 15. Juli um 19 Uhr
donnerstags, samstags und sonntags von 13 bis 18 Uhr
Eintritt frei

www.kunst-geschoss.de

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