Denkmal des Monats steht Unter den Linden

Denkmal des Monats steht Unter den Linden

Potsdams Baudezernent Bernd Rubelt (links) hat die Urkunde für das 251. Denkmal des Monats an HGW-Geschäftsführer Thomas Lück und Bürgermeisterin Manuela Saß übergeben. Fotos (2): Sabine Gottschalk

Nach der Sanierung müssen die Städte weitergedacht werden

Wunderschön restauriert präsentiert sich die Fassade des gebäudes Unter den Linden 14.

Werder (Havel). Zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie konnte die Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen am Montag wieder ein Denkmal des Monats vor Ort und mit Gästen auszeichnen. Geehrt wurde das Haus Unter den Linden 14 in Werder. Das Gründerzeit-Gebäude von 1890 hat eine bewegte Geschichte. Seit 2015 ist es von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft HGW umfangreich saniert worden und beherbergt heute drei Wohnungen im Dachgeschoss sowie Büroräume in den darunter liegenden Etagen.

Das Gebäude sehe heute deutlich besser aus als vor Beginn der Sanierungsarbeiten vor fünf Jahren, betonte HGW-Geschäftsführer Thomas Lück. Es handele sich zudem um einen der wenigen Altbauten, die die städtische Gesellschaft in ihrem Bestand habe. Zeitweilig war es Sitz der städtischen Sparkasse, deshalb sei bei den Sanierungsarbeiten auch ein massiver Tresorraum entdeckt worden, der bis heute vorhanden ist.

In ihren Anfängen hatte die HGW selbst kurzzeitig ihre Büroräume in dem Gebäude. Mittlerweile ist dort längst eine Einheit der Polizei eingezogen, erzählte Lück. Die Stadt hatte das Gebäude bereits 2008 übernommen, musste jedoch mit der Instandsetzung warten, bis die letzte Mieterin 2015 aus dem damals in einzelne Zimmer aufgeteilten, gemeinschaftlich genutzten Dachgeschoss ausgezogen war. Erst als das Haus leer war, kamen auch die wirklichen Schäden zum Vorschein, so Lück. Die Dachbalken seien stark von Holzschädlingen befallen gewesen. Als dann die abgehängten Decken in den Büros der inzwischen umquartierten Polizei entfernt wurden, kam mit einem lauten Knall der gesamte Deckenputz gleich hinterher. Er hatte sich abgelöst und lag auf der Verkleidung.


Denkmalgerecht sanierte Fassade und große Gauben

Am Ende der Arbeiten konnten sich die Mieter über größere Dachgauben, Fußbodenheizung und Südbalkone an der rückwärtigen Fassade des Gebäudes freuen. Zur Straße wurde die im Verhältnis zur Straßenflucht zurückgesetzte Schmuckfassade beispielhaft instand gesetzt und ist seit einigen Jahren Kulisse für die Terrasse des indischen Restaurants im Nachbarhaus. Rund 600.000 Euro wurden in die Sanierung investiert, davon stellte der Sanierungsträger 80.000 und weitere 200.000 Euro kamen von Brandenburgs Investionsbank ILB. Die Gesamtsumme sei mit etwa 1.500 Euro pro Quadratmeter relativ gering, betonte Lück, das Gebäude sei jedoch das schönste im Bestand der HGW.

Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) erklärte, dass die Instandsetzung im Werderaner Sanierungsgebiet, das vor allem die Inselstadt umfasst, inzwischen fast abgeschlossen ist, ab 2021 gehe es nur noch um die Erhaltung. Die Insel sei mittlerweile ein touristisches Kleinod, was allerdings auch Benachteiligungen für die Bewohner vor allem an Wochenenden mit sich bringe. Das Engagement der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, das sich in erster Linie auf die Instandsetzung von Mehrfamilienhäusern aus DDR-Zeiten oder den Neubau städtischer Gebäude ausrichtet, lobte die Stadtchefin und erinnerte an Auszeichnungen wie das Label "Gewohnt gut" des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen BBU, das die HGW 2015 für ein Ensemble am Markt erhalten hat.

Potsdams Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos), der als Vorsitzender der Regionalgruppe Süd-West der Arbeitsgemeinschaft die Urkunde für das Denkmal des Monats an Thomas Lück überreichte, betonte die Bedeutung erlebbarer Orte im Stadtraum auch im Zusammenhang mit dem diesjährigen Motto der Denkmalauswahl "75 Jahre Zerstörung". Viel Entwicklung sei in den 28 Jahren seit der Gründung der AG vorangebracht worden, aber eine Sanierung allein reiche nicht aus. "Die Städte müssen weitergedacht werden", so Rubelt.  sg

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