Erste Brandenburger Elektro-Kleinbus-Linie bedient ab Dienstag Werders Insel

Erste Brandenburger Elektro-Kleinbus-Linie bedient ab Dienstag Werders Insel

Der wendige Kleinbus fährt einen Rundkurs durch die engen Straßen der Werderaner Inselstadt und bedient nicht nur das Alte Rathaus, sondern auch entlegenere Ecken. Fotos (2): Henry Klix | Stadt Werder (Havel)

Regiobus-Linie 630 fährt nicht mehr bis zum Marktplatz

Großer Bahnhof für den kleinen Bus am Freitag auf dem Marktplatz der Insel: Staatssekretär Rainer Genilke (hinten links) im Gespräch mit VBB-Geschäftsführerin Susanne Henkel und dem Stellvertretenden Landrat von Potsdam-Mittelmark, Christian Stein.

Werder (Havel). Ab Dienstag führt die neue Buslinie E30 ohne Lärm und Schadstoffe über Werders Insel. Ein E-Vito wird für die umweltfreundliche Verbindung vom Plantagenplatz zum Markt und weiter im Rundkurs durch die Altstadt der Blütenstadt eingesetzt. Es ist die erste regulär betriebene E-Buslinie der mittelmärkischen Verkehrsgesellschaft regiobus. An dem Projekt sind außerdem der Landkreis Potsdam-Mittelmark und die Stadt Werder beteiligt.

Fahrgäste können die neue batteriebetriebene Linie bis zum 31. Dezember dieses Jahres kostenfrei nutzen. Ab 1. Januar 2021 wird der reguläre VBB-Fahrpreis fällig. Das Gemeinschaftsprojekt ist zunächst auf zwei Jahre befristet und wird von der Stadt und dem Landkreis jeweils zur Hälfte finanziert. Vorangegangen war eine Evaluation aus dem Powerbus-Projekt, das Potsdam und Werder bereits seit einigen Jahren verbindet. Ein Jahr lang haben die Partner an der neuen Linie gearbeitet. Denn die Werderaner Insel sollte weiter per ÖPNV erschlossen werden und die Strecke durch die kleinen Straßen der Inselstadt ist perfekt für den Einsatz eines elektrisch betriebenen Kleinbusses. Störender Lärm und Emissionen werden vermieden, schmalere Straßen können mit dem Minibus gut genutzt werden.

Die Linie E30 bedient unter anderem das Alte Rathaus, den Sportplatz, den Ruderclub und das Schützenhaus und fährt von dort wieder zurück zum Plantagenplatz. Der bislang eingesetzte Linienbus 630 konnte nur bis zum Markt fahren. Die anderen Straßen der Insel sind für den großen Bus zu eng. Mit der neuen Linie soll vor allem eine attraktive Alternative zum motorisierten Individualverkehr geschaffen werden, um die Insel zunehmend von Autos zu befreien. Zusätzlich bietet die Linie Touristen und Besuchern der Stadt, die längere Spaziergänge scheuen, die Möglichkeit, die Insel zu erkunden.

Auch für Regiobus ist die Projektpartnerschaft durchaus attraktiv: Die Verkehrsgesellschaft erhofft sich nützliche Erfahrungen beim Umgang mit dem E-Bus. Dazu wird der Betrieb der Linie im Rahmen einer Studie von Studierenden der TU-Dresden wissenschaftlich begleitet. Neben der Erfassung von Bedarf und Potential soll hierbei auch die Eignung der Linie für eine spätere Bedienung durch autonom fahrende Busse ausgelotet werden.


Bürgermeisterin hofft auf bessere touristische Erschließung

Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) ist begeistert von dem neuen Projekt. Nach der Einweihung der E-Ladesäulen auf dem Altstadtparkplatz und der Ausstattung der städtischen Fahrzeugflotte mit zwei E-Autos sei dieses Pilotprojekt im Land Brandenburg ein nächster Schritt zur Elektromobilität in der Region. Der wendige, leise und emissionsfreie E30 passe zudem hervorragend in die touristische Erschließung der Insel. "Gäste, die nicht so gut zu Fuß sind, können vom Busknoten und der Tourist-Information am Plantagenplatz nun schnell und im kurzen Takt das Herz der Altstadt erreichen", so Saß.

Auch Infrastruktur-Staatssekretär Rainer Genilke (ebenfalls CDU) sieht die innovativen Angebote in den Regionen des Landes als zukunftsweisend an. "Elektromobilität ermöglicht einen leisen und sauberen ÖPNV und bietet damit eine gute Ergänzung zu herkömmlichen Antriebsarten. Davon profitieren besonders die Innenstädte", so Genilke. Der mittelmärkische Landrat Wolfgang Blasig (SPD), will den ÖPNV in seinem Landkreis weiter voranbringen. Im neuen Nahverkehrsplan sei das Themenfeld elektrisches und autonomes Fahren mit dem Testfeld Altstadtinsel Werder noch als eine zukünftige Maßnahme aufgenommen. Deshalb sei der Landkreis besonders stolz, diese Maßnahme bereits jetzt umsetzen zu können. "Gerade Werder ist als wachsende, innovative Region für das Modellprojekt prädestiniert", so Blasig.


Alternative Antriebe auf dem Vormarsch

VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel freut sich vor allem, dass alternative Antriebe nun endlich auf dem Vormarsch sind, allen voran die Elektrifizierung. Und natürlich gehe es im ÖPNV nicht nur um die emissionsfreie Schiene, auch der Busverkehr müsse mit seinen Fahrzeugen mitziehen. "Oft sind es die regional gestarteten Pilotprojekte, die große Ausstrahlung haben", so Henckel. Für regiobus sei dieser Schritt folgerichtig auf dem Weg zum weiteren Ausbau einer nachhaltigen Mobilität, betonte der Geschäftsführer des Verkehrsunternehmens, Hans-Jürgen Hennig. Dabei gehe es um sinnvolle, der jeweiligen Aufgabe angemessene Lösungsansätze. "Unser Erfolgsprodukt powerbus wird so fortgeführt und verspricht in Kooperation mit der TU Dresden ein interessantes Prüflabor für autonomes Fahren unter realen Bedingungen zu werden."

Der Einsatz des umweltfreundlichen Elektro-Kleinbusses bringt auch Fahrplanänderungen mit sich. Die neue regiobus-Linie E30 übernimmt die Bedienung der Insel von Montag bis Samstag jeweils von 9.10 Uhr bis 12.40 Uhr und von 13.40 Uhr bis 16.40 Uhr im 30-Minuten-Takt in einem Rundkurs mit acht Haltestellen von der Post durch die Altstadt auf der Insel und zurück. An der Start- und Endhaltestelle vor der Post gibt es Anschlussmöglichkeiten in Richtung Bahnhof sowie von und nach Potsdam, Glindow und Beelitz. Neben der vorhandenen Haltestelle am Markt werden auf dem Linienweg sechs neue Haltestellen bedient. Gleichzeitig fährt die Linie 630 nicht mehr zum Inselmarkt. Stattdessen fährt sie an Samstagen über die Haltestelle Wachtelwinkel. Der Abschnitt von Am Gutshof bis zur Strengbrücke wird samstags nicht mehr von der Linie 630 bedient.  sg


Der Kleinbus ist nicht barrierefrei und hat nur sechs Sitzplätze.

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