Passgenaues Matching ist schwierig

Passgenaues Matching ist schwierig

Christoph und Julia werden bei Diehl Metal Applications in Teltow zu Werkzeugmachern ausgebildet. Mit ihrem Wissen haben sie später beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Fotos (2): Sabine Gottschalk

Immer noch zu wenig betriebliche Ausbildungen in Brandenburg

Die Firma Diehl bildet in erster Linie für den eigenen Bedarf aus. Die meisten Auszubildenden werden übernommen.

Teltow. In Brandenburg gibt es nach wie vor zu wenig betriebliche Ausbildung. Dabei braucht das Land dringend neue Fachkräfte im handwerklich-technischen Bereich. Doch das Verhältnis von angebotenen Stellen und Interessenten sei noch zu unausgewogen, hieß es am Mittwoch bei der Vorstellung der aktuellen Ausbildungsbilanz 2018/19 in Teltow.

Zwar ist die Zahl der angebotenen Lehrstellen seit 2014 stetig gestiegen, doch nicht alle Angebote wurden angenommen und nicht alle Jugendlichen konnten mit Ausbildungsplätzen versorgt werden. Im vergangenen Jahr haben sich rund 14.200 Schulabsolventen an die Jugendberufsagenturen der Bundesagentur für Arbeit gewandt, ihnen standen 13.750 freie Stellen gegenüber. Noch immer zeige sich jedoch, dass viele Unternehmen die demografische Entwicklung schlicht "verschlafen" haben. In den kommenden zehn Jahren werden etwa 200.000 Beschäftigte das Rentenalter erreichen und aus den Betrieben ausscheiden, erklärte der Vorsitzende der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Arbeitsagentur, Bernd Becking beim Besuch des Unternehmens Diehl Metal Applications auf dem ehemaligen Teltomat-Gelände, zu dem auch Wirtschafts- und Arbeitsminister Jörg Steinbach (SPD) sowie Vertreter von Unternehmensverbänden und Gewerkschaften gekommen sind.

Das weltweit agierende Unternehmen mit zwei Standorten in Brandenburg und einem in Berlin bildet in Brandenburg in neun unterschiedlichen Berufen für den eigenen Bedarf aus. In Teltow beschäftigt es zurzeit acht Auszubildende, die Hälfte davon sind junge Frauen, die Mechaniker-Berufe erlernen.


Bessere Bedingen durch neues Gesetz

Minister Steinbach lobte das neue Bundesgesetz zur Modernisierung und Stärkung der beruflichen Bildung, das zum 1. Januar in Kraft treten soll. Es sei ein gutes Reformpaket, das nicht nur eine Mindestvergütung während der Ausbildung garantiere, sondern auch Weiterbildungsmaßnahmen in Form von sogenannten Bachelor- und Master-Professional-Programmen vorsehe. Damit eröffnen sich für Absolventen dualer Ausbildungsgänge attraktive Aufstiegsperspektiven in Brandenburg.

Sollte sich Tesla tatsächlich in Grünheide ansiedeln sei es zudem wahrscheinlich, dass Fachkräfte aus anderen Betrieben abgeworben würden, die ihrerseits dann wieder neue Mitarbeiter benötigen. Auch die geplante Ansiedlung des amerikanischen Batterieherstellers Microvast in Ludwigsfelde schaffe zahlreiche neue Arbeitsplätze und schließlich würden auch am Flughafen BER gut ausgebildete Mitarbeiter benötigt.


Schülerpraktika und Schnuppertage

Wichtig sei nun, junge Menschen für mathematisch-technische Bereiche zu motivieren, so Bernd Becking von der Arbeitsagentur. Bei Diehl sucht man den Kontakt zu zukünftigen Azubis schon frühzeitig in Form von Schülerpraktika oder Schnuppertagen, erklärte Geschäftsführer Dieter Landgraf. Durch den persönlichen Kontakt sei es leichter Interessenten zu finden. Dabei legt Diehl den Fokus keineswegs ausschließlich auf Abiturienten, die sich oft nach einer abgeschlossenen Ausbildung doch noch für ein Studium entscheiden würden, so Landgraf. Schüler mit guten Mittleren Schulabschlüssen seien hier ebenso willkommen.

Landgraf bemängelte jedoch die unzureichenden Informationen über duale Ausbildungen. Hier müsse die neue Landesregierung deutlich nachbessern. Auffallend seien in Brandenburg zudem starke regionale Unterschiede nicht nur zwischen dem Berliner Speckgürtel und dem ländlichen Raum, sondern beispielsweise auch zwischen der Prignitz und der ebenso ländlichen Uckermark. Allein die Strecke zur Berufsschule könne aus diesen Regionen ohne weiteres 100 Kilometer betragen, da sei eine bessere Ausstattung mit Wohnheimen dringend erforderlich.

Während der Ausbildungsmarkt in der Prignitz gesättigt ist, finden Unternehmen in der Uckermark kaum Bewerber. Der DGB-Vorsitzende Christian Hoßbach ist dennoch überzeugt, dass in Anbetracht der demografischen Situation Brandenburgs noch mehr Unternehmen Ausbildungsplätze anbieten müssen.

Der Geschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), Alexander Schirp, hob neben den Berufsorientierungsmöglichkeiten, die schon in den Schulen gegeben sein müssen, auch die Bedeutung der Berufsschulen hervor und begrüßte die neue Ausbildung von Berufsschullehrern an der Uni Potsdam. Entscheidend sei neben den Gesetzesänderungen durch den Bund auch mehr Transparenz in Bezug auf vorhandene Wohnheimplätze in der Nähe von Oberstufenzentren, da die langen Wege ansonsten abschreckend wirken können. sg

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