Nur eine Frage der Zeit...

Totholz in den Straßenbäumen / Anwohner warnt und mahnt zur Pflege

Die L 73 von Luckenwalde nach Berkenbrück. Entlang dieses Straße, so Ulrich Hafer aus Berkenbrück, gibt es viele Bäume, in denen Totholz zur Gefahr für die Autofahrer werden könnte.Foto: fdk

Berkenbrück. Brandenburg hat zahlreiche Alleen und vielerorts ziehen sie sich wie ein grünes Band durchs Land. Doch wie und warum entstanden sie einst? Das Baumpflegeportal erklärt: „Sie waren früher ein beliebtes Mittel im Wegebau. Die zu beiden Seiten der Straße gepflanzten Bäume boten den Reisenden viele Vorteile. Ihre Wurzeln sorgten auch bei nassem Wetter für ausreichend Bodenstabilität und die eng zusammenstehenden Kronen boten Schutz vor Regen und Wind. Im Sommer erhöhte der Schatten auf den Straßen die Ausdauer von Pferd und Mensch. Im Winter boten die Stämme Orientierungshilfe und vereinfachten die Wegfindung. Später, im 19. Jahrhundert galten Alleen als Zeichen von Reichtum und Besitz. Die Zufahrt zu Herrschaftshäusern säumten mächtige Bäume und zeigten die Hoheitsgewalt des Menschen über die Natur.“ Heute polarisieren die Bäume längs der Straße - manche mögen sie, andere nicht - und dies aus unterschiedlichsten Motiven.

Einer, der sie im Fall diverser Astabbrüche als Gefahr für Autofahrer und Anrainer sieht, ist der 66-jährige Ulrich Hafer aus Berkenbrück. Der gebürtige Luckenwalder erfüllte sich  dort mit Haus und Grundstück einen Lebenstraum, wurde sesshaft in jenem Ort, den er schon als junger Mann regelmäßig ansteuerte - per pedes oder auf dem Rad, hin zum Tanz, in die Gaststätte „Zur Erholung“.
Erholung von einem arbeitsreichen Leben findet er auch heute dort, wenn auch nicht ganz ungetrübt. „Ich beobachte in den vergangenen Jahren mehr und mehr Totholz in den Bäumen der Straßenalleen, außerhalb und innerhalb des Ortes“, so Hafer, der nach eigenen Erfahrungen mit fallenden Ästen sicher ist: „Es ist nur eine Frage der Zeit, ehe es zu einem Unglück kommt!“

Was er meint ist die Gefahr, die von unvermittelt herabfallenden Ästen ausgeht - auch ganz ohne Sturm und einfach dem Zahn der Zeit geschuldet. „Der Grünastabbruch aufgrund anhaltender Trockenheit, wie der Landesbetrieb für Straßenwesen jüngst vermeldete, ist doch nicht das eigentliche Problem. Sicher, durch die Trockenheit im letzten und diesem Jahr gibt es diese Gefahr schon, doch die vielen trockenen, teils armdicken Äste in den Straßenbäumen halte ich für die viel größere Gefahr. Ich wünsche mir, dass zu unser aller Sicherheit, darauf ein noch größerer Fokus gelegt wird. Und zwar, ehe die ersten Herbststürme kommen“, so Hafer, der nach eigenen Aussagen seit zwei Jahren immer wieder im Landesbetrieb und der Straßenmeisterei in Luckenwalde auf das Problem hinweist. „Sicher“, so Hafer, „reagiere man, schicke Fachleute vorbei, die auf Hinweise aus der Bevölkerung agieren. Doch was ist dort, wo niemand Hinweise gibt und überhaupt, wer haftet im Fall eines, durch herabfallende Äste, verursachsten Schadens“, fragt er.

Der BlickPunkt fragte nach im Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg, wo man zuständig ist für hunderttausende Bäume entlang 800 Kilometer Autobahnen, 5.800 Kilometer Landes- und 2.800 Kilometer Bundesstraßen, sowie den dort angelegten Radwegen. Dr. Cornelia Mitschka von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit dazu: „Totholz ist ein generelles Problem,  denn es muss kontinuierlich entfernt werden. Daher gibt es ja auch die gesetzliche Pflicht zu zwei Baumschauen im Jahr. Das wird getan, meist auch im Beisein der Unteren Naturschutzbehörde. Gibt es Hinweise aus der Bevölkerung, kann man sich über das Kontaktformular des Landesbetriebes melden“, so Mitschka, die in dem Zusammenhang von einem fast schon menschlichen Problem berichtet: „Die Vorstellung, dass wir nach Hinweisen innerhalb von Stunden reagieren können, ist schon deshalb abwägig, da es mindestens so viele Leute gibt, die die Bäume verteidigen - wenn sie nicht gerade vor ihrer eigenen Haustür stehen - wie es Leute gibt, die sie weg haben wollen.“

Offenbar schon ein Interessenkonflikt per se, mit dem die Behörde täglich konfrontiert wird. „Da gibt es echte Aufstände, wenn Menschen selbst nach Planfeststellungsbeschluss noch die Fällung von Bäumen verhindern wollen. Die Art und Weise uns gegenüber grenzt an Mobbing“, was zeigt, dass auch der Landesbetrieb bei der Abwägung der Interessen immer irgendwie zwischen Baum und Borke „sitzt“.
Doch was, wenn ein herabfallender Ast einen Schaden verursacht - beispielsweise an einem auf einer Landesstraße fahrenden Pkw. Dr. Cornelia Mitschka dazu: „Dann haftet das Land Brandenburg. Meist kommt es zu einer Gerichtsverhandlung. Sobald das Land jedoch nachweisen kann, dass Baumschauen regelmäßig stattgefunden haben und grobe Fahrlässigkeit ausscheidet, kann es sein, dass eben kein Schadensersatz an die Betroffenen fließt.“

Ein ganz anderes Problem in diesem Zusammenhang schildert Guido Gütling, Leiter der Straßenmeisterei in Luckenwalde, die für mehr als 17.000 Straßenbäume zuständig ist: „Der Sachverhalt der L73 bei Berkenbrück ist bekannt. Das Problem sind die Bäume. Teils 100 Jahre alt sind sie einfach am Ende. Zwei trockene Jahre, keine Waserreserven im Boden und der Stress durch Emmisionen sorgen dafür, dass sich die geschwächten Bäume selber schützen. Die Folge: Äste trocknen ab.“, so Gütling, der bestätigt, dass für die laufenden Pflege- und Sicherungsmaßnahmen an den Straßenbäumen in der Region lediglich eine Firma noch existiert. Es ist die Fa. Packroff mit Sitz in Elsterwerda. „Der Fachkräftemangel ist auch in dieser Branche angekommen“, so Gütling, der ergänzt: „Aktuell laufen intensive Arbeiten, auch in Vorbereitung der für September geplanten Baumschau. Aber Stürme der jüngsten Vergangenheit haben vielerorts ungeplante Arbeiten nötig gemacht, so dass wir wohl eher mit einer Baumschau im Oktober rechnen können.
Angesichts der aktuellen Lage um Klima und Brandenburgs Straßenbäume, meinte der Fachmann abschließend: „Von Alleen entlang der Straßen, wie wir sie aus unserer Kindheit noch kennen, werden wir uns wohl künftig ganz sicher verabschieden können!“ fdk

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