Spezialasphalt für besseres Klima

Spezialasphalt für besseres Klima

Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) lässt sich von TPA-Projektleiter Martin Muschalla (rechts) und dem Regionalleiter des Landesstraßenbetriebs, Frank Schmidt, das neue Abstreuverfahren erklären. Foto: Sabine Gottschalk

B1 in Geltow wird zweite Versuchsstrecke in Deutschland

Geltow. Zwei Wochen ging nichts mehr in Geltow. In einer Rekordzeit hat die Strabag im Auftrag des Landesbetriebs Straßenwesen die B1 zwischen dem Ortseingang aus Richtung Potsdam und dem Abzweig zur Caputher Fähre saniert. Dafür gab es eine Vollsperrung und Umleitungen, die manchem Kopfzerbrechen bereiteten.

Aber: Die Arbeiten sind im Zeitplan fertig geworden. Am Freitag wurde die letzte Deckschicht mit einem neuartigen Asphalt fertiggestellt. Dazu kam Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) nach Geltow und informierte sich vor Ort gemeinsam mit Bürgermeisterin Kerstin Hoppe. Denn mit der Sanierung hat eine Innovation in Geltow Einzug gehalten, die das Klima im staatlichen Erholungsort deutlich verbessern soll. Der HighTech-Asphalt, der in Zusammenarbeit mit mehreren Universitäten entwickelt wurde, soll Luftschadstoffe wie Stickoxid binden und in unschädliche Nitrate umwandeln, die dann in Kläranlagen abgebaut werden. Hauptbestandteil ist ein spezielles Abstreumaterial, das fest in den Asphalt eingewalzt wird. Es besteht aus gebrochenem Beton, dem Titandioxid zugesetzt wurde, das ansonsten vor allem als Pigment in fast allen Lebensbereichen eingesetzt wird. Da dieses Material mit UV-Strahlung reagiert, muss es die oberste Schicht des Straßenbelags bilden.

In Geltow kann man es gut erkennen: Die Straße ist in diesem Bereich deutlich heller als herkömmlich asphaltierte Abschnitte. Zehn Jahre soll der Belag halten, so Projektleiter Martin Muschalla von der TPA GmbH, die in Zusammenarbeit mit der Strabag den neuartigen, photokatalytischen Asphalt entwickelt hat. Bislang habe man nur eine Versuchsstrecke im stark mit Luftschadstoffen belasteten Stuttgart gebaut, Geltow biete jedoch ideale Vergleichsmöglichkeiten, weil die Ortsdurchfahrt nicht in ganzer Länge mit dem neuen Asphalt versehen wurde. So könne die Wirksamkeit noch besser gemessen werden. Um bis zu 26 Prozent soll der "Clean Air Asphalt" die Stickstoffdioxidbelastung reduzieren. Begleitet wird der Versuch von Wissenschaftlern der Unis Darmstadt und Wuppertal.

Die B1 sei die am meisten befahrene Straße der Gemeinde Schwielowsee, betonte Kerstin Hoppe. Da sei die Luftverbesserung noch wichtiger als die ohnehin mit dem neuen Asphalt einhergehende Lärmreduzierung. Gewerbetreibende hätten durch die Vollsperrung zwar Verluste in Kauf nehmen müssen, aber größere Beschwerden seien im Rathaus nicht eingegangen. Das bestätigt auch der Seniorchef der Fleischerei Bothe, die normalerweise von Kunden auf dem Arbeitsweg angesteuert wird. Sie seien dennoch froh, noch einen zweiten Laden in Werder zu haben, der sie während der Bauzeit über Wasser hielt, so Horst Bothe.

Verkehrsministerin Schneider freute sich über die geringen Mehrkosten, die der "Clean Air Asphalt" mit sich bringt. Mit sechs Euro pro Quadratmeter entsprechen sie etwa der generellen Baupreissteigerung. Für das einen Kilometer lange Teilstück in Geltow, dessen Erneuerung im regulären Straßenbau rund 700.000 Euro gekostet hätte, ergeben sich Mehrkosten von etwa 40.000 Euro. Am Dienstagnachmittag wird die Straße mit neuen Fahrbahnmarkierungen für den Verkehr wieder freigegeben. Dann können auch diejenigen, die es besonders eilig hatten und laut Frank Schmidt vom Landesbetrieb Straßenwesen trotz Absperrungen und deutlicher Beschilderung über den frischen Asphalt gefahren sind, die Straße wieder gefahrlos nutzen. sg

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