Mitten in Beelitz: Ein Museum für das weiße Gold

Mitten in Beelitz: Ein Museum für das weiße Gold

Museumsgründer Manfred Schmidt mit der heutigen Betreuerin des Museums in der Mauerstraße 12, Natalia Myuller aus Jekaterinburg. Fotos (2): Sabine Gottschalk

Manfred Schmidt und das deutsch-deutsche Spargelwirtschaftswunder

Bei dieser Schale für das Edelgemüse hat sich die Keramikwerkstatt erheblich vom Aussehen der Stangen beeinflussen lassen ... Eine Leihgabe aus dem Europäischen Spargelmuseum im bayerischen Schrobenhausen.

Beelitz. Manfred Schmidt ist ein unermüdlicher Sammler - wenn es um das weiße Gold, den Beelitzer Spargel geht. Das Edelgemüse hat den Maschinenbauingenieur und Gärtner so sehr in seinen Bann gezogen, dass er nach der Wende die Chance nutzen und den stolzen Stangen zu neuem Ruhm verhelfen wollte. Schon zu DDR-Zeiten baute Schmidt auf dem eigenen Grundstück in Schlunkendorf Spargel an und brachte ihn in Berlin meistbietend unters Volk. "Dabei kam jedes Jahr ein Trabi zusammen", erzählt er bildlich gesprochen und fast triumphierend, denn das ganze war auch noch steuerfrei.

Seit 1861 wird in Beelitz Spargel angebaut. Der erste, der sich an das außergewöhnliche Gemüse heranwagte, war der Glasermeister und Ackerbürger Karl Friedrich Wilhelm Herrmann. Seine Büste ziert mittlerweile die Stadt, die sich längst "Spargelstadt" nennt. Schon bald verkaufte sich der Spargel auch in der Hauptstadt gut, die Bauern begannen sich zu organisieren und gründeten bereits 1889 den ersten Gartenbauverein. Ab 1908 kümmerte sich eine eigene Vereinigung um die Vermarktung des Gemüses, vor allem, um dem Preisdruck der Großhändler widerstehen zu können. Rund 150 Spargelbauern produzierten 1910 bereits 15.000 Zentner Spargel in und um Beelitz - eine stolze Zahl.

Manfred Schmidt hat die Geschichte des Edelgemüses aufgearbeitet, zusammengetragen, was es zu erzählen gibt. Einzelne Tafeln dienen zur Illustration, zahlreiche Originaldokumente wurden dafür gesammelt und reproduziert. So auch das Foto eines der ersten Umzüge zum Spargelfest, das seit 1934 stattfand. Auf diesen Bildern ist auch die Spargelpyramide zu erkennen, die nach der Wende neu erfunden werden musste, denn zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der Wiedervereinigung erlebte die Spargelproduktion in Beelitz traurige Zeiten. "In der DDR gab es einfach keine Spargelstecher", sagt Schmidt, denn jeder hatte ja seinen Job, Saisonarbeiter wie es sie heute gibt, waren im Kommunismus Mangelware.


Renaissance nach 1990

In den 1990er Jahren sah das schon ganz anders aus. Zudem gab es in Westdeutschland zahlreiche Landwirte, die Erfahrung mit dem Spargelanbau hatten, aber neues Terrain suchten, weil, wie bei den Jakobs-Brüdern, nur einer den elterlichen Hof übernehmen konnte. Manfred Schmidt sorgte dafür, dass diesen Interessenten der Weg geebnet wurde. Und so kamen sie alle, die Buschmanns und Winkelmanns aus Ostwestfalen, die Jakobs vom Niederrhein, die Semianers aus Baden-Württemberg und die Thiermanns aus Niedersachsen. Gleichzeitig begannen auch Ur-Beelitzer wieder, das Star-Gemüse ihrer Heimat anzubauen. Schon 1991 gründete Schmidt mit neun Landwirten den Beelitzer Spargelverein. Ihm sollten bald ebenso viele Zugezogene wie Einheimische angehören und Schmidt erläuterte dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl 1997 stolz das Beelitzer Spargelwirtschaftswunder, das Ost- und Westdeutsche gemeinsam erschaffen hatten. Gelegenheit dazu hatte er bei einem Empfang der CDU im Berliner Grunewald, bei dem - natürlich - Beelitzer Spargel serviert wurde.

In den ersten Jahren des neuen Vereins zog der Umzug, den man heute nur noch vom Beelitzer Spargelfest kennt, noch mitten durchs Brandenburger Tor in Berlin. Auch das belegen Fotos, die Schmidt sorgsam hütet. Mit dem Umzug der Bundesregierung und der Einrichtung der Bannmeile im Regierungsviertel wurde es dann aber schwer, den Umzug in der Hauptstadt zu organisieren.

Sein kleines privates Spargelmuseum hat Manfred Schmidt gemeinsam mit seiner Frau 1998 in einem Schlunkendorfer Privathaus eingerichtet und 20 Jahre dort betrieben. Seit diesem Jahr ist es in ein Haus in der Beelitzer Altstadt umgezogen und zeigt nun die erste Ausstellung am neuen Ort. Bislang ist nur ein Raum fertig eingerichtet, ein weiterer muss noch umgebaut werden und hinter dem Haus soll im kommenden Jahr auch eine Terrasse für Besucher eröffnet werden. Dann soll es auch Spargelsuppe zum Verkosten geben.


Umzug in die Mauerstraße

Schon jetzt können Besucher ganz besondere Raritäten in verschiedenen Ausstellungsvitrinen bewundern. Kaum zu glauben, wie der Spargel Keramikwerkstätten beeinflusst haben muss: Von Servierschalen, bei denen man nicht recht weiß, ob das Gemüse echt oder Dekoration ist über kuriose Servierschüsseln in Form eines Spargelbundes bis hin zu vermeintlich praktischen, versilberten Spargelzangen der Pariser Silbermanufaktur Christofle aus dem Jahr 1911 ist alles dabei. Viele Ausstellungsstücke sind Leihgaben des Europäischen Spargelmuseums aus dem bayerischen Schrobenhausen. So hat sich über das Edelgemüse auch eine bayerisch-preußische Freundschaft entwickelt. Ob sich die Zangen, die mit drei Fingern gegriffen werden müssen, sich für den Genuss der Stangen wirklich eignen, kann man vor Ort leider nicht ausprobieren.

Gezeigt wird auch das Kleid der ersten Spargelkönigin Monika Falkenthal von 1997 sowie eine Auswahl der Gewänder ihrer Nachfolgerinnen. Die Kleider sind ein echter Blickfang, der der Betreuerin des neuen Museums, Natalia Myuller, besonders am Herzen liegt. Manfred Schmidt beteiligt sich zwar noch an der Ausstattung der Räume, möchte sich aber nach und nach von den Vereinsaktivitäten zurückziehen. Den Vorsitz des Vereins hat er im vergangenen Jahr an Jürgen Jakobs übergeben. Bis zum Ende durchgeboxt hat er jedoch vor seinem Rücktritt den europäischen Markenschutz für den Beelitzer Spargel. Das Gütesiegel gehört seit 2018 dem Verein und kann nicht von einzelnen Spargelbauern beansprucht werden. Sechs Jahre lang hat sich Schmidt darum bemüht, nachdem er bereits 1995 den deutschen Markenschutz erlangt hatte.

Dennoch gibt es immer wieder fliegende Händler, die Großmarktware als Original Beelitzer Spargel anpreisen. Wer echten Spargel aus Beelitz kaufen möchte, sollte zum Landwirt seines Vertrauen gehen, rät Schmidt. Dort sei man, auch bei den mittlerweile überall verteilten Verkaufsständen, auf der sicheren Seite. sg


Beelitzer Spargelmuseum, Mauerstraße 12, 14547 Beelitz, Telefon: 0151 / 11640934

Das Spargelmuseum hat während der Saison täglich außer montags von 11 bis 16 Uhr geöffnet, im Juli und August dienstags und donnerstags von 13 bis 16 Uhr, sowie mittwochs und freitags von 13 bis 15 Uhr. Auch Terminabsprachen sind möglich.

Eintritt 2,50 Euro, Gruppen ab neun Personen 2 Euro pro Person.  

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