Kontra „Karate forst flüssig“

Insektizid schädigt die Umwelt und gefährdet ein Einwohner

Karl Tempel vor einem Insektenhotel.Foto: ako

Brück. Das Vorhaben des Landesforst, das Insektizid „Karate forst flüssig“ gegen den Schädling „Nonne“ zwischen Borkwalde, Borkheide und Fichtenwalde einzusetzen, wird auch vom Tourismusverein Zauche-Fläming kritisch gesehen. „Wir fühlen uns und unsere Tiere in Borkwalde bedroht“, betont Steffi Freyler. Das Vorstandsmitglied des TZF wohnt in der Waldsiedlung. Ihre Nachbarn sind ebenso entsetzt wie die Bürger von Fichtenwalde und Borkheide. Denn sie befürchten, dass nicht nur der Schädling sondern auch andere Insekten getötet werden und die Menschen, vor allem Kinder akut bedroht sind. „Der Wald soll dann für zwei Tage nicht betreten werden dürfen, das sagt doch alles“, sagt Frau Freyler.

Zwei Tage lang werden die Wälder dann für Menschen gesperrt. 56 Tage nach dem letzten Sprüheinsatz dürfen keine Waldfrüchte, Kräuter und Pilze in den Wäldern gesammelt werden. Falls es in dieser Zeit nicht oder nicht viel regnet, dürfte sich diese Frist noch verlängern. Der Landeswald besteht hauptsächlich aus Kiefern, anders der Wald von Karl Tempel. Der private Waldbesitzer betreibt seit mehreren Jahren aktiv einen Waldumbau. Karl Tempel setzt sich nicht nur für Bäume, von denen er mehr als 60.000 inzwischen neu gepflanzt hat, ihm liegt auch die Fauna am Herzen.  „Zum Naturschutz im Wald gehören auch Vögel, Fledermäuse, Rote Waldameise“, sagt Tempel. In einem umzäunten Stück hat er 60 Bienenkästen für die Waldbiene aufgestellt.

Schon vor 24 Jahren hat er die ersten zehn Hektar Wald erworben, mittlerweile sind es 80 Hektar. Im Jahr 2003 begann er mit dem Waldumbau, lichtete die Kiefernbestände aus und pflanzte Laubgehölze. Ahorn, Rot- und Traubeneiche, Hasel, Vogelkirsche, Esche und Wildbirne sowie Marone wachsen seitdem unter den mächtigen Kiefern.  Auch ein Insektenhotel hat in seinem Wald Platz gefunden, dazu hat er 30 Nistkästen aufgehängt. Mit dem Beelitzer Stadtförster wurde  vereinbart, dass falls Ameisenhaufen umgesetzt werden müssen, diese in seinem Wald willkommen sind.

„Ich stelle gern entsprechende Plätze zur Verfügung“, lädt Tempel ein. An den Zäunen der Schonungen erklären kleine Tafeln das Vorhaben. In Zusammenarbeit mit dem Kompass e.V. aus Elsholz und der Werkgemeinschaft Berlin-Brandenburg hat er größere Erklärungstafeln aus Holz aufstellen lassen. „Mir sind die Spaziergänger und Wanderer sehr willkommen, in der Saison auch die Pilzsucher, ich habe nur die Bitte, dass auf die Neupflanzungen Acht gegeben wird“, lädt er alle ein und bittet gleichzeitig um Vorsicht. Ein Rundweg ist ausgeschildert und wird gern von Besuchern aus Nah und Fern angenommen. Durch den Tempelwald verläuft auch der „Spargelwanderweg“ zwischen Brück und Klaistow.

„Durch die Sprühaktion gefährden wir nicht nur die Insekten und die in der Umgebung wohnenden Menschen sondern schädigen auch dauerhaft die touristische Entwicklung“, befürchtet der TZF-Vorsitzende Andreas Koska. Die Sprühaktion soll am 06.Mai beginnen. Der TZF ruft deshalb ebenfalls zu der für Freitag, 26.04. um 15.00 Uhr geplanten Demonstration gegen die Sprühaktion auf. Treffpunkt Ernst-Thälmann-Str./Siebenbrüderweg. ako

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