Förderverein Märkische Ziegelei Glindow sucht dringend neue Mitglieder

Förderverein Märkische Ziegelei Glindow sucht dringend neue Mitglieder

Vor dem Ziegeleiturm, der heute als Museum dient: Christine Sellner (links) und Claudia Winter (rechts) sind die neuen Vorsitzenden des Vereins. Bei ihnen stehen Barbara Czycholl und der zweite Vorsitzende Dieter Schultz. Foto: Anja Rütenik

Viele Ideen, aber zu wenig Helfer | Ziegeleimuseum an drei Tagen pro Woche geöffnet

Einzigartiges Denkmal: Barbara Czycholl blickt vom Ziegeleiturm auf den historischen Ringofen der benachbarten Ziegelei. Foto: Anja Rütenik

Glindow.

"Was Werder für den Obst-Consum der Hauptstadt ist, das ist Glindow für die Ziegel-Consum", schrieb Theodor Fontane einst im Dritten Teil seiner "Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Der Romancier hatte im Juli 1869 mit seinem Sohn Theo die Glindower Ziegelei besucht. Zu Fontanes Zeiten wurde nicht nur ein großer Teil Berlins mit Ziegeln aus Glindow erbaut, sondern durch den Tonabbau auch die Glindower Alpen geformt. Über die Hochzeit des Handwerks, in der es rund um Werder 23 Ziegeleien gab, informiert heute das Ziegeleimuseum Glindow.

Der denkmalgeschützte Ziegeleiturm, indem die Ausstellung beheimatet ist, erinnert zunächst an einen Leuchtturm. Erbaut wurde das Gebäude um 1890 vom damaligen Besitzer der Ziegelei. Er diente zu Präsentationszwecken, um zu zeigen, was mit Ziegeln alles möglich war, berichtet Barbara Czycholl vom Förderverein Historische Ziegelei Glindow e.V. "Innen war er ein hohler Vogel", fügt sie schmunzelnd hinzu.

Ein Denkmal, das für Denkmäler produziert

Heute sind in dem Turm eine ständige sowie eine Sonderausstellung zu finden. Von oben bietet sich in alle Himmelsrichtungen ein sehenswerter Ausblick, etwa auf Werder, den Glindower See oder die benachbarte Ziegelei, die auch heute noch in Betrieb ist. Dort steht auch der einzige in Europa noch originalgetreu erhaltene, kreisrunde Ringofen, wie er in der Hoffmannschen Patentschrift festgehalten ist. Der zweite, größere Ringofen wurde in den 1960er-Jahren rekonstruiert und ist seither wieder in Betrieb. Vor allem für den Denkmalschutz arbeitet die Neue Ziegel-Manufaktur Glindow inzwischen. Noch heute wird dort mit Kohlegrieß gebrannt, jeder Stein ist ein Unikat.

Das Museum und die rund Zwei- bis Dreitausend Besucher pro Jahr betreut der Förderverein. Zwölf Mitglieder hat dieser zur Zeit - viel zu wenig, sagt Barbara Czycholl, die sich bereits seit 2007 für das Museum engagiert, nachdem sie im Wald alte Ziegelsteine gefunden und anschließend Spaß an der Recherche dazu gefunden hatte. Die 83-Jährige und ihre Mitstreiter wünschen sich, dass der Verein neue Mitglieder aufnehmen kann. "Spezialkenntnisse sind nicht nötig", sagt Barbara Czycholl. "Es reicht schon das Interesse." Zwar wäre es schön, wenn jedes Vereinsmitglied auch die Besucher betreuen könnte, eine "moralische Unterstützung" sei aber auch stets willkommen.

Die Vereinsmitglieder arbeiten ehrenamtlich, finanzielle Unterstützung gibt es vom Landkreis. Den Rest bestreitet der Verein durch das Eintrittsgeld und Mitgliedsbeiträge. Von der Stadt Werder fühle man sich aber stiefmütterlich behandelt, so Barbara Czycholl.

Zwei Frauen bilden die neue Spitze des Vereins

Zumindest einen neuen Vorsitz hat der Förderverein inzwischen gefunden. Zwei Frauen haben die Nachfolge des 2018 verstorbenen Leiters Wolfgang Firl übernommen: Zum Einen die Keramikerin Claudia Winter, die ursprünglich aus Sachsen kommt, durch Zufall in Glindow gelandet ist und die Beschäftigung mit der Ziegelei als schöne Ergänzung zu ihrer eigenen Arbeit ansieht. Zum Anderen Christine Sellner, die zunächst vom Heimatverein Glindow gebeten wurde, bei Führungen auszuhelfen.

Viele neue Ideen haben die beiden Frauen, ob Ausstellungen, Symposien oder Angebote im Bereich Museumspädagogik. Doch dafür braucht es erst einmal neue Mitglieder, betonen sie. Die Überarbeitung der Homepage steht ebenfalls an. Und auch eine räumliche Erweiterung wünscht sich der Verein, um noch mehr Ausstellungsfläche zu haben.

Derzeit ist der Platz sehr begrenzt, und doch hat der Verein es geschafft, anlässlich des Fontanejahrs eine neue Schautafel aufzuhängen, auf der die Ziegeleien in der Region aus der Sicht des Schriftstellers beschrieben sind.

Museum ist dreimal wöchentlich geöffnet

Geöffnet ist das Ziegeleimuseum inzwischen wieder mittwochs, samstags und sonntags jeweils von 10 bis 16 Uhr oder auf Anfrage. Wer an einem Mittwoch vorbeikommt, erlebt bei der etwa einstündigen Führung die Ziegelei während der Produktion. Am Wochenende gibt es zwar auch Führungen, die Ziegelei arbeitet dann aber nicht.  rue

Märkisches Ziegeleimuseum Glindow, Alpenstraße 44, Tel. 03327/669395

www.ziegeleimuseum-glindow.de, info@ www.ziegeleimuseum-glindow.de

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