Rund 36 Millionen Euro für Denkmale in Brandenburg

Förderprogramme und sanierte Denkmale präsentiert

Potsdam. Kulturministerin Martina Münch und Infrastrukturministerin Kathrin Schneider haben kürzlich in Potsdam gemeinsam mit Landeskonservator Thomas Drachenberg, Andreas Heinrich, 2. Beigeordneter der Stadt Prenzlau, Thomas Müller, Investor des Prenzlauer Kettenhauses, und Natascha Heid vom Schäferhof in Frehne eine Bilanz zur Denkmal-Förderung 2018 im Land Brandenburg präsentiert. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt rund 36 Millionen Euro aus Mitteln des Kulturministeriums und des Infrastrukturministeriums in die Sicherung, Sanierung und Restaurierung von Denkmalen investiert.
 
Kulturministerin Martina Münch: „Das Europäische Kulturerbejahr 2018 hat eindrucksvoll das enorme Interesse der Bürgerinnen und Bürger an unserem kulturellen Erbe gezeigt: Allein in Deutschland gab es mehr als 400 Projekte mit 1.500 Veranstaltungen und mehr als 100.000 Besucherinnen und Besuchern. Es ist mit vielfältigen und facettenreichen Aktionen, Events und Veranstaltungen eindrucksvoll gelungen, das europäische Kulturerbe sichtbarer zu machen, das Verbindende unserer gemeinsamen kulturellen Wurzeln und zugleich die kulturelle Vielfalt des Kontinents in den Blickpunkt zu rücken – und damit auch wieder ‘Lust‘ auf Europa zu machen. Das ist angesichts aktueller Herausforderungen in Europa und weltweit ein wichtiges Signal“, so Münch. „Gleichzeitig wurde auch der Stellenwert der Denkmalpflege gestärkt. Ich freue mich, dass es – neben der beträchtlichen Denkmalförderung von historischen Ensembles wie den preußischen Schlössern und Gärten – gelungen ist, die Mittel für die Denkmalhilfe zur Sicherung von kleineren Denkmalen und beweglichem Kulturgut im kommenden Jahr von bislang 1 auf 1,5 Millionen Euro zu erhöhen. Das ist ein gutes Signal an die vielen Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich in der Denkmalpflege engagieren, und ein wichtiger Schritt zur Sicherung unseres kulturellen Erbes. Die zahlreichen Gutshäuser, Kirchen, Industriebauten und Wohnhäuser sind nicht nur herausragende und einmalige Zeugnisse – sie tragen auch maßgeblich zur Identitätsstiftung bei und locken zahlreiche Touristen ins Land.“
 
Infrastrukturministerin Kathrin Schneider: „Die Städtebauförderung stellt erneut den größten Posten für die Sicherung und Wiederherstellung von historischen Gebäuden, Straßen, Plätzen und Parkanlagen: 24 Millionen Euro Bundes- und Landesmittel kommen allein aus dem Programm ‘Städtebaulicher Denkmalschutz‘. Stadtentwicklung muss sich immer auch auf die historischen Wurzeln beziehen. Gute Beispiele sind die Quandtsche Tuchfabrik in Pritzwalk, das Kettenhaus in Prenzlau oder der Lennépark in Frankfurt (Oder). So entstehen einzigartige Ensembles und neue Nutzungen, die die Innenstädte beleben und Identität schaffen.“
 
Landeskonservator Thomas Drachenberg: „Es ist in den letzten Jahren gelungen, die Denkmalhilfe des Landes zu installieren und über die letzten Jahre zu steigern. Eine kontinuierlich wirkende und für die Denkmaleigentümer auch in den kommenden Jahren verlässliche Förderung und kompetente denkmalfachliche Beratung sind Grundvoraussetzungen für nachhaltige Strategien zur Bewahrung der Denkmallandschaft im Land Brandenburg.“
 
Andreas Heinrich, 2. Beigeordneter der Stadt Prenzlau: „Die Rettung des so genannten Kettenhauses in Prenzlau, dem letzten barocken Profangebäude in der Stadt, gelang nur durch eine sehr kooperative und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem Infrastrukturministerium, dem Kulturministerium, den Denkmalbehörden und dem Landesamt für Bauen und Verkehr. Die Gespräche nach dem Abrissantrag der Stadt sowie ein überaus engagierter und der Stadt eng verbundener Unternehmer trugen dazu bei, dass dieser ‘dicke Brocken der Stadtentwicklung‘ eine neue zukunftsorientierte Nutzung erhielt und die Stadt ihre städtebaulichen Ziele am Nordufer des Unteruckersees umsetzen konnte.“
 
Thomas Müller, Geschäftsführer der Baudenkmalpflege Prenzlau GmbH und zugleich privater Investor: „Aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, lässt sich was Schönes bauen – sagte schon Goethe.“
 
Natascha Heid vom Schäferhof in Frehne: „Nachdem, wir das Haus bereits 2008 vom Land Brandenburg erworben hatten, konnten wir – dank der Hilfe durch das Denkmalförderprogramm des Kulturministeriums – endlich mit der umfassenden und denkmalgerechten Sanierung des alten Herrenhauses beginnen. Das Haus, geprägt durch die unterschiedlichsten Nutzungsphasen, wird nun mit viel Behutsamkeit und Liebe zur alten Bausubstanz saniert. Wir freuen uns, dass uns dabei nicht nur versierte Fachfirmen unterstützen, sondern dass wir mit unserer Ingenieurin und der unteren Denkmalbehörde Perleberg Menschen gefunden haben, denen das Gebäude und seine Geschichte ebenso am Herzen liegen wie uns. In diesem Jahr soll bereits die Außenhülle geschlossen werden, so dass wir das Haus bald mit neuem Leben füllen können.“
 
Das Kulturministerium hat die Erhaltung und Sanierung von Denkmalen im Jahr 2018 mit rund 12 Millionen Euro unterstützt. Davon flossen rund 2 Millionen Euro in die Denkmalförderprogramme des Ministeriums:

    Mit rund 1 Million Euro wurde das Bundesprogramm zur Erhaltung national wertvoller Kulturdenkmale kofinanziert. Damit wurden Sanierungen an der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack, am Brauhaus in Himmelpfort, an der Friedenskirche in Potsdam, an der Kirche St. Nikolai in Jüterbog, an der Borsighalle in Eberswalde und am Südwestkirchhof in Stahnsdorf gefördert.
    Zudem standen im Rahmen der Denkmalhilfe 1 Million Euro zur Sicherung von bedrohten Denkmalen zur Verfügung. Damit konnten 34 dringende Projekte gefördert werden, darunter Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen an der Dorfkirche Grieben, am Potsdamer Theaterschiff, am Bahnhof Wiesenburg, an der ehemals königlich-preußischen Oberförsterei Tauer, an der Gutshofbrennerei Cöthen und am Erbbegräbnis in Oranienburg. Im kommenden Jahr stehen 1,5 Million Euro für die Denkmalhilfe bereit. Zusätzlich fließen 2019 insgesamt 4,1 Millionen Euro in die weitere Instandsetzung der barocken Klosteranlage Neuzelle sowie 800.000 Euro in die Sanierung der Rennbahn Hoppegarten.

 
Die Stiftungen erhielten rund 6,1 Millionen Euro für den Erhalt ihrer Bausubstanz:

    Rund 5 Millionen erhielt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten für den Erhalt ihrer historischen Bauten und Gartenanlagen.
    Rund 624.000 Euro flossen an die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten für die Sanierung des historischen Baubestandes.
    Insgesamt 500.000 Euro gingen an die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz.

 
Mit rund 3,73 Millionen Euro wurden Kirchen, Religionsgemeinschaften und Kommunen im vergangenen Jahr bei der Sanierung von sakralen Gebäuden und Jüdischen Friedhöfen gefördert:

    Der Großteil der Mittel – rund 2,14 Millionen Euro – ging im Rahmen des Staatskirchenvertrages an die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Damit konnten 30 Kirchensanierungen gefördert werden. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland erhielt 138.000 Euro. Rund 973.000 Euro gingen an den Brandenburger Dom.
    Die Katholische Kirche erhielt rund 83.000 Euro für zwei Einzelvorhaben im Erzbistum Berlin sowie ein Einzelvorhaben im Erzbistum Görlitz.
    Für die Sanierung Jüdischer Friedhöfe erhielten drei Kommunen Fördermittel in Höhe von rund 306.000 Euro sowie der Landesverband der Jüdischen Gemeinden im Land Brandenburg rund 70.000 Euro für ein Einzelvorhaben.
    Die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche erhielt rund 22.000 Euro für zwei Einzelvorhaben.

 
Das Infrastrukturministerium hat allein aus dem Bund-Länder-Programm ‘Städtebaulicher Denkmalschutz‘ im vergangenen Jahr insgesamt knapp 24 Millionen Euro bewilligt. Damit werden 30 Kommunen unterstützt. Im Rahmen dieses Programmes wurden seit 1991 für die Erhaltung und Sanierung historischer Stadtkerne und anderer bedeutender Ensembles etwa 802 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln zur Verfügung gestellt. Dank der verschiedenen Programme der Städtebau- und Wohnraumförderung konnten große Teile der historischen Gebäudesubstanz in den brandenburgischen Städten gerettet und saniert  werden. Dies ist auch dem Engagement von privaten Investoren, Wohnungswirtschaft, Landkreisen und Kommunen sowie vielen Engagierten vor Ort zu verdanken.
 
Das Kettenhaus in Prenzlau (Landkreis Uckermark) wurde Mitte des 18. Jahrhunderts als repräsentatives Gutshaus errichtet und diente später lange Zeit als Wohnhaus. Es befindet sich am westlichen Eingang zur Prenzlauer Innenstadt. Seit Ende der 1980er Jahre stand das Gebäude leer und verfiel schließlich zusehends. 2010 erwarb die Stadt Prenzlau das Gebäude inklusive der umliegenden Grundstücke. Der Weg bis zur Rettung dieses Einzeldenkmales gestaltete sich jedoch weiterhin schwierig. Selbst ein Abriss des Gebäudes war zwischenzeitlich vorgesehen. Im Jahr 2014 wurde das Gebäude zu einem symbolischen Preis an einen neuen Eigentümer verkauft. Mit dem Verkauf wurde die Verpflichtung zur Investition in eine denkmalgerechte Sanierung geregelt. Mit 700.000 Euro aus dem Bund-Länder-Programm Stadtumbau konnte die denkmalgerechte Sanierung des Kettenhauses ermöglicht werden. Die Gesamtkosten lagen bei rund 1,5 Millionen Euro. Nach etwa drei Jahren Bauzeit wurde das sanierte und modernisierte Kettenhaus Anfang 2018 feierlich übergeben. Im Kettenhaus sind sechs zeitgemäße Wohnungen mit rund 440 Quadratmeter Wohnfläche entstanden. Weitere Beispiele für Projekte, die mit Mitteln der Städtebauförderung gefördert wurden, gibt es im Anhang.
 
Der Schäferhof in Frehne (Landkreis Prignitz) ist ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit Walmdach aus der Zeit um 1716. Bei dem Denkmal haben sich die Binnenstruktur des Hauses und baugeschichtlich wichtige Ausbauelemente fast vollständig erhalten. Der Schäferhof gehörte ursprünglich zum adligen Gut der Familie von Graevenitz in Frehne. Er wurde 2001 in das Denkmalverzeichnis des Landes Brandenburg aufgenommen. Nach langem Leerstand und Verfall hat Familie Heid im vergangenen Jahr mit der denkmalgerechten Instandsetzung und Sanierung begonnen. Die Restaurierung des Schäferhofs wurde 2017 und 2018 mit insgesamt rund 114.000 Euro aus der Denkmalhilfe gefördert. Mit den Fördermitteln wurde das einsturzgefährdete Haus gesichert und es wurden die Fassade und das Dach saniert.
 
Landesweit gibt es rund 24.500 Baudenkmale im Land Brandenburg, davon sind etwa 13.700 in der Denkmalliste des Landes verzeichnet. Von mehr als 40.000 archäologischen Fundplätzen sind etwa 11.000 als flächenmäßig abgegrenzte Bodendenkmale eingetragen. Die ältesten Bodendenkmale sind Feuersteinwerkzeuge aus der Zeit des Neandertalers vor rund 130.000 Jahren, gefunden im Braunkohletagebau bei Jänschwalde (Landkreis Spree-Neiße).

Das jüngste Bodendenkmal ist ein Fluchttunnel – der so genannte Aargard-Tunnel – unter den DDR-Grenzanlagen von 1961 in Glienicke-Nordbahn (Landkreis Oberhavel). Die ältesten Baudenkmale reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, so etwa die Klöster in Lehnin (Landkreis Potsdam-Mittelmark), Zinna (Landkreis Teltow-Fläming) und Doberlug-Kirchhain (Landkreis  Elbe-Elster) oder der um 1200 entstandene Burgturm in Stolpe (Landkreis Uckermark). Eins der jüngsten Baudenkmale ist die Förderbrücke F60 in Lichterfeld (Landkreis Elbe-Elster) aus dem Jahr 1988. Jedes Jahr werden etwa 150 neue Baudenkmale unter Schutz gestellt. Im vergangenen Jahr gehörte dazu unter anderem ein Küster- und Schulhaus aus dem Jahr 1835 in Burg (Landkreis Spree-Neiße). Rund 15 Baudenkmale müssen jährlich aus der Denkmalliste gestrichen werden, weil sie nicht gerettet werden konnten. Dazu gehörte im vergangenen Jahr unter anderem das Offizierskasino in Rathenow (Landkreis Havelland) von 1910. red
 

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