Hilfe für missbrauchte Kinder

Hilfe für missbrauchte Kinder

Mithilfe eines selbst gebauten Modell-Gerichtssaals erklären die Opferhelfer des Stibb e.V. kleinen Kindern die Abläufe während eines Prozesses. Foto: Sabine Gottschalk

Stibb e.V. in Kleinmachnow zieht Anfang September in neue Räume

Kleinmachnow.

Kleinmachnow. Hell, freundlich und einladend wirken die neuen Räume des Sozialtherapeutischen Instituts Berlin-Brandenburg (Stibb) im Kleinmachnower Driftkamp. Nach mehr als 25 Jahren hat der Kinderhilfsverein hier sein neues Zuhause gefunden. Das alte Haus am Zehlendorfer Damm wird zurzeit leergeräumt, nachdem es von der Eigentümerin verkauft wurde. Den Sommer haben die Mitarbeiter mit der Renovierung der neuen Räume verbracht, denn Geld für Handwerker gibt es nicht. Fast alles ist in Eigenarbeit fertig geworden, hinzu gekauft wurden teils gebrauchte Möbel, andere wurden aufgearbeitet und sehen wieder wie neu aus.

Stibb-Leiterin Annelie Dunand, die das Institut vor mehr als 25 Jahren ins Leben gerufen hat, freut sich über die in sich abgeschlossenen Beratungsräume, in denen Kinder und Familien jetzt empfangen werden können. Alles ist liebevoll dekoriert, zumeist mit Bildern, die Kinder während einer Therapie angefertigt haben. Denn eine der wichtigsten Aufgaben des Stibb ist die Unterstützung von minderjährigen Opfern sexueller Gewalt. Besonders für kleine Kinder sei es erschreckend, in einem Gerichtssaal nicht nur dem Richter gegenüber zu sitzen, sondern auch noch den Täter sehen zu müssen. Um sie darauf vorzubereiten, gibt es im Stibb einen Miniatur-Gerichtssaal mit kleinen Püppchen, mit dessen Hilfe den Kindern die Abläufe erklärt werden. Hilfsmittel wie dieses oder auch selbst entwickelte Gesellschaftsspiele leisten gute Dienste in der Therapie, denn die Opfer werden seit Jahren immer jünger, erklärt Annelie Dunand. Und selbst in den Ferien, als die Therapeuten auf ein Sommerloch hofften, um das neue Haus einrichten zu können, riss der Strom der Hilfesuchenden nicht ab. "Wenn Familien mehr Zeit miteinander verbringen, erkennen die Eltern leichter, dass etwas nicht stimmt und entdecken Spuren eventueller Misshandlung", sagt der stellvertretende Leiter Robert Müller.

Das Sozialtherapeutische Institut ist das einzige seiner Art in Brandenburg. Anfragen kommen deshalb auch aus entfernten Orten wie Wittenberge, Herzberg oder Schwedt. In akuten Fällen fahren die Mitarbeiter direkt zu den Betroffenen und versuchen, sie in einem ersten Gespräch vor Ort zu unterstützen. Da geht eine Menge Zeit allein durch die Anfahrt verloren, sagt Annelie Dunand. Für die Opferhilfe werden zwei halbe Stellen vom Justizministerium gefördert. Das reicht jedoch hinten und vorne nicht, um die notwendige Arbeit zu leisten. Fördergelder gibt es immer nur für ein Jahr, dann muss ein neuer Antrag gestellt werden.

Zwar sagte Brandenburgs Justizminister Stefan Ludwig bei einem Besuch vor Ort am vergangenen Freitag weitere finanzielle Unterstützung für die wichtige Arbeit zu, aber dafür müsse erst der nächste Doppelhaushalt verabschiedet werden. Im Gepäck hatte Ludwig dann auch nur das Geld für das nächste halbe Jahr: rund 34.000 Euro. Annelie Dunand würde sich eine dauerhafte und regelmäßige Finanzierung wünschen, doch das erlaube das brandenburgische Haushaltsrecht für externe Institutionen nicht, so Ludwig. Es wird also auch nach dem Umzug weiterhin ein Ringen um jeden Cent bleiben.  sg

Kontakt und Spendenmöglichkeit: www.stibbev.de

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