Beratungsstelle „Pflege in Not Brandenburg“ hilft seit 10 Jahren

Sozialministerin Golze: Bewusstsein für Konflikte in der Pflege schärfen – Hilfe frühzeitig suchen

Potsdam. Vor dem Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen (15. Juni) sagt Sozialministerin Diana Golze: „Die Pflege von Angehörigen ist eine äußerst verdienstvolle, aber auch eine sehr anstrengende Aufgabe. Wenn man tagtäglich für jemanden sorgen muss und will, kann man an seine Grenzen kommen. So können Konflikte entstehen. Durch Überforderung kann es zu Überreaktionen und Gewaltanwendungen kommen. Niemand muss sich dafür schämen, niemand soll an den Pranger gestellt werden. Wichtig ist, Brücken für die Betroffenen zu bauen und Bewältigungsstrategien aufzuzeigen. Wir haben mit der Beratungsstelle ‚Pflege in Not Brandenburg‘ seit zehn Jahren ein sehr kompetentes und niedrigschwelliges Angebot, das bei Konflikten in der Pflege mit wertvollen Tipps erfolgreich unterstützen kann. Und wir müssen die Öffentlichkeit für dieses Thema immer wieder sensibilisieren und darüber informieren.“

Die Beratungsstelle „Pflege in Not Brandenburg“ (Abkürzung: PiN) unterstützt seit 2008 landesweit sowohl pflegende Angehörige als auch professionelle Pflegekräfte bei ihrer wichtigen Arbeit. Das PiN-Beratungstelefon ist unter der Nummer 0800 265 55 66 kostenfrei zu erreichen (Sprechzeiten: Montag und Freitag: 9 bis 12 Uhr, Mittwoch: 14 bis 18 Uhr, Anrufbeantworter rund um die Uhr). Alle Gespräche werden vertraulich behandelt und bleiben auf Wunsch anonym. PiN berät unabhängig von Behörden und Kassen.

PiN-Beraterin Claudia Gratz erklärt: „Ein Pflegefall tritt in der Familie manchmal langsam, aber oft auch unverhofft auf. Angehörige werden dann unvorbereitet mit den Belangen häuslicher Pflegearbeit konfrontiert, gefordert – und auch überfordert. Die häusliche Pflege eines Angehörigen ist ein 24-Stunden-Job, auf dessen Ausmaß die Betroffen oft nicht vorbereitet sind. Situationen, in denen sich Überforderung und sogar Aggressionen zeigen, werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst und sind von Einzelfall zu Einzelfall verschieden.“
PiN-Beraterin Helga Zeike ergänzt: „Das Zurückstellen eigener Bedürfnisse und Gefühle sowie das Aufzehren eigener Kräfte von Pflegenden spielen häufig eine große Rolle. Dieses Thema zu tabuisieren wäre aber der absolut falsche Weg! Es wäre gut, wenn wir hinzugezogen würden, bevor ein Konflikt eskaliert. Dann sind die Chancen größer, eine zufriedenstellende Lösung zu finden. Bei uns finden Betroffene ein offenes Ohr. Gemeinsam suchen wir Entlastungsmöglichkeiten im Pflegealltag und helfen bei der Klärung von Konflikten.“

Die beiden hauptamtlichen Beraterinnen werden von geschulten Ehrenamtlichen unterstützt. In den letzten zehn Jahren, seit der Gründung von „Pflege in Not Brandenburg“ am 1. Juli 2008, haben sie rund 1.800 Fälle bearbeitet, in denen Gepflegte, pflegende Angehörige, aber auch ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen Hilfe der Beratungsstelle gesucht haben. Außerdem wurden 120 Fortbildungen angeboten, mit denen rund 1.500 Pflegekräfte aus dem ambulanten und stationären Bereich geschult wurden.
Die Unterstützung besteht nicht nur aus praktischen Angeboten, dem Gespräch und der Situationsklärung vor Ort. Zu der Arbeit von PiN gehören auch die Netzwerkarbeit in allen Regionen Brandenburgs, die Qualifizierung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren vor Ort (z.B. Beschäftigte in den Pflegestützpunkten und Beratungsstellen) sowie Fortbildungen und Schulungen im ambulanten und stationären Pflegebereich.

Das Sozialministerium hat in Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle „Pflege in Not“ die Broschüre „Ich kann nicht mehr – Konflikte und Gewalt in der Pflege älterer Menschen“ veröffentlicht. Sie bietet pflegenden Angehörigen und professionellen Pflegekräften Informationen, um Überlastungen frühzeitig zu erkennen und so Aggressionen und Gewalt besser vorbeugen zu können.
Die Broschüre erklärt die Entstehung von Aggressionen, thematisiert Konflikte und Belastungen in der häuslichen und professionellen Pflege. Außerdem werden rechtliche Aspekte sowie Adressen mit Hilfsangeboten aufgeführt. Die Broschüre enthält auch ein Interview mit den hauptamtlichen PiN-Beraterinnen Claudia Gratz und Helga Zeike. Die Broschüre kann kostenfrei unter www.masgf.brandenburg.de (Menü-Punkt: Publikationen) bestellt werden.

Die Beratungsstelle „Pflege in Not“ (pflege-in-not-brandenburg.jimdo.com/) wurde im Jahr 2008 als ein Projekt der Pflegeinitiative des Landes Brandenburg initiiert und mit Unterstützung des Sozialministeriums aufgebaut. Träger ist das Diakonische Werk Potsdam, gefördert wird die Arbeit vom Sozialministerium und von der AOK Nordost.
Seit 2006 erinnert der Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen jährlich am 15. Juni an die Situation und Lebensbedingungen Betroffener in unserer Gesellschaft. Der Welttag soll das Bewusstsein für bestehende Probleme schärfen, für einen sensiblen Umgang mit kritischen Situationen werben und auf vorhandene Präventions- und Unterstützungsangebote hinweisen. red

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