Neue Waldorfkita für Werder

Neue Waldorfkita für Werder

Ganz aus Holz und mit viel überdachtem Freiraum, damit die Kinder auch bei Regen draußen spielen können, so sieht der Siegerentwurf von Weberbrunner Architekten Berlin für Werders neue Waldorfkita aus. Fotos (2): Sabine Gottschalk

Jury wählt Entwurf von Weberbrunner Architekten aus Berlin und Zürich

Etwas zurückgesetzt von der Elsastraße (vorne) und vom Kreisverkehr, liegt das dreieckige Gebäude gut geschützt zwischen der bereits vorhandenen Wohnbebauung. Modelle: Weberbrunner Architekten Berlin

Werder (Havel). Platzmangel kennt die Freie Waldorfschule Christian Morgenstern in den Werderaner Havelauen schon seit Jahren. Denn ihre Beliebtheit ist ständig gewachsen. Waren es anfangs häufig Familien, die eine lange Anfahrt in Kauf nahmen, weil sie gerade dieses pädagogische Konzept für ihre Kinder favorisierten, so hat der Zuzug nach Werder mittlerweile dazu beigetragen, dass die Schule bei weitem nicht alle Interessierten aufnehmen kann. In diesem Jahr gab es für 24 Plätze in der ersten Klasse 64 Bewerbungen.

Ähnlich ist es bei den Kitaplätzen. "Wir können kaum alle Geschwisterkinder aufnehmen", erklärt Schul-Geschäftsführer Dieter Dörflinger. Deshalb hat der Trägerverein bereits vor einigen Jahren ein rund 6.000 Quadratmeter großes Grundstück zwischen Elsastraße, Seniorenheim und dem ehemaligen Militärcasino, das mittlerweile in Wohnungen umgewandelt wurde, gekauft. Auf dem dreieckigen Grundstück ist Platz für 4.000 Quadratmeter bebaute Fläche, was einen großzügigen Kindertagesstättenbau mit viel überdachtem Freiraum für rund 100 Kinder zulässt.

Der Gewinnerentwurf besteht aus einzelnen "Satelliten", in denen die Kitagruppen untergebracht sind. Jede Gruppe bekommt zudem eine Art Wandelgang, wo auch bei schlechtem Wetter Aktivitäten an der frischen Luft möglich sind. Die Konstruktion ist als Holzständerwerk mit den bei Waldorf üblichen Naturmaterialien geplant und lässt sich somit relativ schnell umsetzen, sobald alle Genehmigungen vorliegen.

Der gesamte Bau ist ebenerdig und barrierefrei. Am Eingang zu den Gruppenräumen gibt es Garderoben, die als Schmutzschleusen dienen, so dass ein Wechsel zwischen draußen und drinnen problemlos möglich ist. Die Schlafbereiche liegen auf der anderen, ruhigeren Seite der Räume und verfügen jeweils auch über einen Sanitärbereich. Hierher können sich die Kinder nach dem Spielen und Toben zurückziehen. Gebaut werden soll die Kita mithilfe einer zum Waldorf-Verbund gehörigen Stiftung, die das Gebäude nach seiner Fertigstellung an die Stadt vermieten soll. Denn nach dem Brandenburger Kitagesetz müssen die Kommunen auch freien Trägern die Räumlichkeiten für die vorschulische Kinderbetreuung zur Verfügung stellen.

Zur Elsastraße und zum Kreisverkehr ist das Grundstück durch einen üppigen Buschbewuchs geschützt, direkt am Kreisverkehr trennt zudem ein städtisches Regenwasserrückhaltebecken das Gelände vom Straßenverkehr. Die bislang für den Kitabereich genutzten Räume sollen nach der Eröffnung des Neubaus für die Grundschule genutzt werden, die dringend weitere Räume benötigt. Denn die Schule wächst weiter, ab dem kommenden Jahr soll es auch eine 13. Klasse geben, so dass Oberstufenschüler nicht mehr nach Potsdam wechseln müssen, um das Abitur ablegen zu können. Grundsätzlich will man in Werder aber mit 24 Kindern pro Klasse aber einzügig bleiben, betont Dörflinger. Es habe keinen Sinn, endlos weiter zu wachsen, stattdessen seien Neugründungen an anderen Orten vorzuziehen, so der Geschäftsführer. Lediglich an zwei Waldorfschulen in Berlin-Zehlendorf und -Kreuzberg gibt es zwei Züge pro Jahrgang, wobei die Zehlendorfer Schule die erste Waldorfschule überhaupt in der Region war, bereits 1923 gegründet wurde und mehrmals innerhalb der Stadt umgezogen ist. Die Kreuzberger Schule hat vor 16 Jahren einen zweiten integrativen Zweig eingeführt.

Das ist auch in der Tatsache begründet, dass die Waldorfpädagogik gerade für Kinder, die mit anfänglichen Lernschwächen zu kämpfen haben, viele Vorteile bietet. Hier werden alle dort abgeholt, wo sie sich befinden, ein Ansatz, der auch in staatlichen Schulen immer mehr Anklang findet. Damit ist auch die Zahl derer, die in diesen Schulen das Abitur bestehen, obwohl sie zunächst vielleicht eine Empfehlung für einen anderen Abschluss bekommen haben, erstaunlich hoch, erklärt Dieter Dörflinger. Zudem sei die Schulbewegung, die im kommenden Jahr ihren 100. Geburtstag feiert und auf eine Gründung der Stuttgarter Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria mit dem Reformpädagogen Rudolf Steiner zurückgeht, ganz und gar nicht für eine bürgerliche Elite gedacht. Ganz im Sinn des Zigarettenfabrikanten Emil Molt, der die erste Schule für die Kinder seiner Arbeiter ins Leben gerufen hat. Von Stuttgart aus hat die anthrosposophische Bewegung einen Erfolgszug um die ganze Welt gemacht. Kein Wunder, dass sich auch die kindgerechte Werderaner Schule immer größerer Beliebtheit erfreut!   sg

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