Neuer Partner für die Therme

Neuer Partner für die Therme

Die Blütentherme wird zur "Havel Therme" und bekommt eine zusätzliche Seesauna. Eröffnung wäre 2021, fast elf Jahre nach dem ursprünglich geplanten Start. Die neuen Pläne sind allerdings noch deutlich teurer als die von "Bäderkönig" Heinz Steinhart, sollen aber zu einer besseren Wirtschaftlichkeit und vor allem zu mehr Familienfreundlichkeit führen. In der Stadt regt sich mittlerweile Unmut, weil viele Bürger befürchten, der Bau gehe auf Kosten anderer Investitionen in die kommunale Infrastruktur. Visualisierung: Schauer & Co.

Städtische Investititionen von fast 30 Millionen Euro verärgern viele Bürger

Werders Bürgermeisterin Manuela Saß mit Alexander Schauer bei der Präsentation für die Presse am Donnerstagnachmittag auf der Thermen-Baustelle. Foto: Sabine Gottschalk

Werder (Havel). Nach langem Stillstand soll es endlich weitergehen auf Werders Dauerbaustelle. Am Donnerstag hat Bürgermeisterin Manuela Saß den Bestbieter der europaweiten Ausschreibung, Schauer & Co. aus Überlingen am Bodensee vorgestellt. Für rund 28,3 Millionen Euro will das Unternehmen die Therme fertig bauen und 2021 eröffnen.

Bekommt Alexander Schauer den Zuschlag durch die Stadtverordneten, soll noch in diesem Sommer der Vertrag für Bau und Betrieb unterschrieben werden. Damit könnten bis Ende des Jahres alle erforderlichen Baugenehmigungen eingeholt werden. Den Baubeginn plant Schauer im Frühjahr 2019, fertiggestellt werden soll die Therme innerhalb von anderthalb Jahren. Denn Schauer muss im Fall des Zuschlags nicht nur erhebliche Baumängel seines Vorgängers Kristall Bäder AG beseitigen, sondern will auch einen großen Familienbereich mit zusätzlichen 200 Quadratmetern Wasserfläche auf der Nordseite in Richtung Marina anbauen. Dieser Bereich, getrennt in einen Kleinkinderberich für Nichtschwimmer und einen Bereich für Schwimmer, werde über ein auffahrbares Glasdach in der warmen Jahreszeit zu einer Art Freibad, erklärte der Unternehmer am Donnerstagabend vor dem mit Werderaner Bürgern gut gefüllten Saal der Ausflugsgaststätte auf der Bismarckhöhe. Weiteres Highlight und damit förderlich für die Wirtschaftlichkeit des Bades soll eine in den Zernsee hineingebaute Seesauna werden, deren Becken mit Havelwasser gefüllt wird.


Seesauna mit Havelwasserbecken und kleinem Stichkanal


Um die Seesauna realisieren zu können, soll ein zweiter kleiner "Stichkanal" entstehen, der die Havel näher an das bereits existierende Sprudel-Außenbecken bringt, erklärte Architekt Rolf Böker am Nachmittag bei einem Pressetermin auf der Baustelle. Über einen Steg soll die Saunaanlage dann bequem zu erreichen sein. Schauer und Böker haben bereits mehrmals erfolgreich zusammengearbeitet. Beide sind auf Bäder spezialisiert, darunter auch Thermen, die ein ähnliches Schicksal wie die in Werder erlebt haben. Als Beispiel wurde die Solymar Therme im fränkischen Bad Mergentheim genannt, die Schauer ebenfalls "gerettet" hat und nun auch selbst betreibt.

Aus der "Blütentherme" soll künftig die "Havel Therme" werden, der alte Name sei zu sehr mit der unerfreulichen Kooperation mit der Kristall Bäder AG verbunden. Auf ausdrücklichen Wunsch der Stadtverordneten soll sich die Therme durch Familienfreundlichkeit auszeichnen. Das allerdings hat auch seinen Preis, denn allein der Anbau schlägt mit mehr als 7,1 Millionen Euro zu Buche. Für die Seesauna fallen noch einmal rund 1,5 Millionen Euro an. In den insgesamt rund 28,3 Millionen Euro, die die Stadt zusätzlich investieren muss, wenn es zu einem Vertrag mit Schauer kommt, seien sämtliche Bau- und Planungskosten sowie ein Puffer von zwei Millionen Euro für eventuelle, nicht sofort erkennbare Baumängel enthalten. Nach Abschluss der Arbeiten ist vorgesehen, dass Schauer die Therme von der Stadt pachtet und für mindestens 30 Jahre betreibt. In dieser Zeit muss das Unternehmen für sämtliche Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnamen aufkommen. Das bedeutet, dass auch immer wieder neue Attraktionen auf Kosten des Betreibers hinzukommen.


Familienfreundlich mit moderaten Preisen


Dabei bleiben die Eintrittspreise für den Familienbereich auf Wunsch der Stadt sozial verträglich. Kinder können für zwei, Erwachsene für drei Euro drei Stunden baden, erklärte Schauer. Die Preise für den Thermen- und Saunabereich liegen zwischen 15,50 und 17,50 Euro, je nach genutzen Angeboten. Tagespreise wollte Schauer am Donnerstag noch nicht nennen. Er verdeutlichte jedoch, dass die Preise gut durchkalkuliert sind und sich an anderen Bädern orientieren, die wirtschaftlich betrieben werden. Vertraglich ausgeschlossen ist in jedem Fall ein Betriebskostenzuschuss durch die Stadt, wie er beispielsweise dem Potsdamer "blu" gewährt wird.

Schauer kann mit 300 Mitarbeitern unterschiedlicher Disziplinen und 20 Jahren Erfahrung punkten und leitet unter anderem die größte Therme der Schweiz, das "Aquabasilea" in Pratteln bei Basel sowie das kleine, luxuriöse Liquidrom im Berliner Tempodrom. In Lindau am Bodensee baut er ebenfalls gerade eine neue Therme. In Werder sollen Genuss und Gesundheit im Mittelpunkt stehen: Mit zwölf Saunen und einem riesigen Spa mit Hamam soll der Wellnessbereich einer der größten in der Region werden. Zudem sind viele Wasserattraktionen sowie ein Sportbecken mit vier Bahnen vorgesehen. Im Sportbad sollen die Werderaner Kinder dann endlich auch schwimmen lernen können, ein Versprechen, das ihnen schon vor sieben Jahren bei der Grundsteinlegung der Therme gegeben wurde. Eine ganze Generation hat seither zum Schwimmen lernen in andere Bäder oder in die umliegenden Seen ausweichen müssen.


Luxustherme auf Kosten der öffentlichen Daseinsvorsorge?


Bei der Infoveranstaltung am Donnerstagabend betonte auch Bürgermeisterin Manuela Saß immer wieder, wie wichtig der Stadt die Familienfreundlichkeit und die Nutzungsmöglichkeit für Schulen sind. Im Vorfeld der europaweiten Neuausschreibung zur Fertigstellung der Therme, nachdem sich Werder von dem mittlerweile verstorbenen "Bäderkönig" Heinz Steinhart und seiner Kristall Bäder AG getrennt hatte, war die Hamburger Consultingfirma Profund Consult, die sich seit ihrer Gründung vor sieben Jahren mit dem Bäderbau beschäftigt, hinzugezogen worden. Deren Geschäftsführer, Paul Oppermann, stellt sich ebenfalls den kritischen Fragen aus dem Publikum.

Denn die erforderlichen fast 30 Millionen Euro aus der Stadtkasse sollten in den Augen vieler Werderaner zunächst für die öffentliche Daseinsvorsorge in der wachsenden Stadt zur Verfügung stehen. Da erstaunt es wenig, dass ein Diskussionsteilnehmer gleich mit Erfolg das Internet nach eventuellen Zusammenhängen zwischen der Profund Consult und dem Bäderbetreiber vom Bodensee durchsuchte. Oppermann betonte hingegen, dass auf diesem Gebiet nur wenige Unternehmen so erfolgreich tätig seien und dass es sich bei dem angestrebten Vertrag zwischen Werder und der Schauer & Co. um eine echte öffentlich-private Partnerschaft handele, von der nicht nur die Werderaner in ihrer Freizeit profitieren, sondern auch zahlreiche direkte und indirekte Arbeitsplätze entstehen können. Alexander Schauer sprach von rund 120 Mitarbeitern mit etwa 85 bis 90 Vollzeitstellen, die in erster Linie denen zugute kommen sollen, die ohnehin schon in der Nähe wohnen. Zudem werden Zulieferer und Handwerker benötigt, im indirekten Bereich sollen sich auch damit weitere Arbeitsplätze entwickeln.

Werders Therme kann die erfolgreichte der Region werden


Alexander Schauer rechnet mit durchschnittlich 285.000 Besuchern pro Jahr. Es können aber durchaus mehr werden, denn das Einzugsgebiet geht immerhin bis nach Berlin und ist sehr dicht besiedelt. Eine echte Traumlage für einen Bäderbetreiber und ein wirtschaftliches Pfund für die Stadt, denn Badbesucher werden auch andere Angebote wie Restaurants oder Übernachtungsmöglichkeiten nutzen. Letztlich ist auch das ursprünglich geplante, an das Bad angrenzende Hotel am Ufer der Marina noch nicht vom Tisch, man wolle es nun aber langsam angehen.

Die wohl prägnanteste Frage des Abends kam von der elfjährigen Tine aus Werder: Auch sie hat zwar nach Brandenburg an der Havel ausweichen müssen, um schwimmen zu lernen. Im Zusammenhang mit dem erwarteten wirtschaftlichen Erfolg nach der Eröffnung der "Havel Theme" fragt sie sich aber, ob dann nicht Mitarbeiter anderer Bäder im Umfeld arbeitslos werden und ob Werder eigentlich nur an sich selbst denkt. Bei soviel Verständnis für andere Menschen musste selbst Paul Oppermann erst einmal schlucken und konnte keine klare Antwort geben. Werder jedenfalls werde durch die Therme nach vorne gebracht, da sei er sich sicher.

Nachdem die zusätzlichen Kosten von fast 30 Millionen Euro - ursprünglich hatte die Stadt 18 Millionen veranschlagt und dann 21 Millionen für einen mittlerweile sanierungsbedürftigen Rohbau ausgegeben - in den vergangenen Wochen bereits mehrfach für Unmut in der Bevölkerung gesorgt haben, hat die Bürgerinitiative "Stadt Mitgestalter" kürzlich sogar ein Bürgerbegehren zum Thema "Transparenz und Beteiligung im Projekt Blütentherme" initiiert und die Einbindung der Bevölkerung in Entscheidungsprozesse gefordert. Auch die SPD fordert längst mehr Klarheit im Zusammenhang mit dem Bauprojekt und weist auf die beschlossene, aber noch nicht beendete Aufarbeitung des Verfahrens mit der Kristall Bäder AG hin.  

Sabine Gottschalk


Auftaktveranstaltung zum Bürgerbegehren der Initiative "Stadt Mitgestalter" am Donnerstag, 14. Juni um 19 Uhr im Scala Kulturpalast, Eisenbahnstraße 182, 14542 Werder (Havel). www.stadtmitgestalterwerder.de

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