Hilfsbereitschaft darf nicht leiden

Wiederbelebungsmaßnahmen auch in Corona-Zeiten

Lübben/Königs Wusterhausen. Der World Restart a Heart Day findet jährlich am 16. Oktober statt. Wegen der Corona-Pandemie wird in diesem Jahr fast überall auf Aktionen verzichtet.
Erste Hilfe leisten ist unter „Normalbedingungen“ scheinbar schon schwer, in Corona-Zeiten mutet sie noch schwieriger an. Nach wie vor Corona gilt der Grundsatz „Prüfen – Rufen – Drücken“. Obwohl die Angst vor einer möglichen Ansteckung groß ist, gibt es doch Möglichkeiten zu helfen, ohne sich dabei selbst zu gefährden. „Um das Infektionsrisiko zu minimieren, kann die Wieder-belebung modifiziert werden“, beruhigt Dr. Benno Bretag, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Notfallambulanzen am Klinikum Dahme-Spreewald.

Leider beobachten die Notfallmediziner derzeit einen Anstieg der Herz-Kreislauf-Stillstände, da oft viel zu spät medizinische Hilfe in Anspruch genommen wird und gleichzeitig die Hilfsbereitschaft sinkt. „Bitte keine falschen Hemmungen“, appelliert Dr. Bretag. Er betont, dass es am gefährlichsten ist, nichts zu tun. Viele Ersthelfer befürchten, sich bei den Wiederbelebungsmaßnahmen mit Covid-19 anzustecken. Um diese Angst zu nehmen, wurden die Handlungsanweisungen geringfügig, aber wirkungsvoll modifiziert.

„Die übliche Reihenfolge ‚Prüfen – Rufen – Drücken‘ bleibt zwar gleich, ist in ihrem Ablauf allerdings sinnvoll ergänzt“, erklärt Dr. Bretag. Das bedeutet: „Im begründeten Verdachtsfall vorsichtig prüfen – bereits im geringsten Zweifelsfall Hilfe rufen –, sich selbst mit einer Maske für Mund und Nase schützen und dann drücken“. Wer sich zur Überprüfung der Atmung vorher nah zum Gesicht gebeugt hat, sollte sich auf die Beobachtung des Brustkorbes nach Überstrecken des Nackens konzentrieren. Hebt und senkt sich dieser, ist eine Atmung vorhanden. Ist dies nicht der Fall, folgt der nächste Schritt.
„Ist keine Brustkorbbewegung erkennbar, sofort den Notruf 112 wählen – auch im Zweifelsfall“, informiert Dr. Bretag weiter, „dann beginnen Sie mit der Herzdruckmas-sage, am besten mit Mundschutz“. Eine Atemspende ist nicht mehr zwingend erforderlich; die konsequent und ohne Unterbrechung durchgeführte Herzdruckmas-sage ist entscheidend. „In Corona-Zeiten darf die allgemeine Hilfeleistung nicht sinken, deshalb heißt das Mantra auch weiterhin prüfen – rufen – drücken, nur eben mit Eigenschutz.“  red

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