Landrat fordert Öffnungsperspektive von Bund und Land

Foto Kai Hüttner: Landrat Christian Heinrich-Jaschinski

Herzberg.

Für die zahlreich geforderten Öffnungsperspektiven für die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben nach dem Corona-Lockdown zeigt Landrat Christian Heinrich-Jaschinski Verständnis. Auf seinem Schreibtisch liegt eine Aktenmappe zum Thema Corona. Darin befinden sich auch Briefe und Mails mit „bewegenden“ Schreiben zur persönlichen Situation von Bürgern.

„Die Menschen warten erfahrungsgemäß lange, ehe sie sich äußern“, so der Landrat. Aber dann sei es ein Zeichen dafür, dass die Geduld schwinde und Grenzen der Belastbarkeit erreicht seien. Aus all den Informationen und Meinungen aus dem Landkreis Elbe-Elster, die in der Kreisverwaltung zusammenlaufen, habe sich für ihn eine Gewissheit herausgebildet: „Wir brauchen jetzt dringend Öffnungen und Lockerungen. Und wir sollten dabei mit Vorsicht mutig sein.“

Schon seit Monaten treibe ihn die Frage um, wie die Gratwanderung geschafft werden könne: einerseits der notwendige Kampf gegen Corona. Andererseits dürften die stillen Leiden, denen durch Schließungen und Kontaktbeschränkungen Vorschub geleistet werde, nicht vergessen werden. Und es gebe schließlich auch noch Grundrechte, die nicht ohne Not auf Dauer eingeschränkt werden dürften. Zwar sei die Sieben-Tages-Inzidenz – die Zahl der Corona-Neuinfektionen innerhalb einer Woche, umgerechnet auf 100. 000 Einwohner – im Landkreis noch vergleichsweise hoch. Aber ein realistischer Stufenplan der Landesregierung könne dabei helfen, den Menschen wieder Hoffnung zu geben.

Deshalb sei es an der Zeit, die Gewichte zu verschieben. „Ich will Corona nicht kleinreden. Das ist eine sehr gefährliche und hochansteckende Krankheit“, so Christian Heinrich-Jaschinski. Aber es müsse mit Hygienekonzepten, Abstandsregeln und Maskenpflicht möglich sein, das öffentliche und wirtschaftliche Leben schrittweise wieder zu ermöglichen – mit einem „Stufenplan“, kalkuliertem Risiko und Nachsteuerungen, falls dies die aktuelle Lage erforderlich mache.

Auch private Kontakte sollten wieder vermehrt möglich sein. „Sicher keine großen Feten. Aber nur Kontakt zu einer Person haben zu dürfen, ist auf Dauer schon unglaublich wenig“, so der Landrat. Am Ende, noch „deutlich vor Ostern“, sollten dann Restaurants, Hotels und der Einzelhandel wieder öffnen dürfen. „Masken und Hygieneregeln sind dabei das A und O“, so Heinrich-Jaschinski, „aber funktionierende Konzepte mit begrenzter Personenzahl pro Quadratmeter Fläche sollten völlig problemlos machbar sein.“

Der Kampf gegen eine Pandemie könne auf Dauer nicht einziges Staatsziel sein. „Wir können nicht nur zwei Zahlen hinterher rennen“, sagt der Landrat. Teile der Wirtschaft stünden vor dem Ruin. Die Aussicht auf eine Wiedereröffnung von Gastronomie zu Ostern sei zu wenig. „Das Osterfest ist im April. Die Betriebe sind ja seit dem 1. November zu. Das wären bis dahin fünf Monate. Das muss man sich mal vor Augen führen.“

Rückschläge könne es natürlich geben. „Das sind dann sicher singuläre Ereignisse mit sehr vielen Fällen auf einmal“, so der Landrat. „Aber das ist in den Griff zu bekommen. Und ich bin sicher, das werden wir gemeinsam in den Griff bekommen.“ Jetzt seien Bund und Land am Zug, eine Abwägung zwischen gesundheitlichen Gefahren und wirtschaftlichen Folgen für eine Perspektive Richtung Frühjahr und Sommer für die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben zu treffen.

 

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