30. Mahn- und Gedenktreffen in Neuburxdorf/Mühlberg

Der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde Liebenwerda, Thomas Richter und Pfarrer Matthias Taatz, pflanzten im Anschluss an die Kranzniederlegung auf dem Soldatenfriedhof in Neuburxdorf und am Hochkreuz einen Baum der „Initiativgruppe Lager Mühlberg“ e. V.. als Erinnerung an das Kriegsende vor 75 Jahren. Unterstützt wurden sie vom neunjährigen Richard Noscherlein aus Arzberg. Foto: LKEE

Mühlberg.

Vor 30 Jahren fand auf dem Gelände des Soldatenfriedhofes Neuburxdorf sowie im ehemaligen Kriegsgefangenenlager und späteren Speziallagers Nr. 1 des sowjetischen NKWD bei Mühlberg das erste Mahn- und Gedenktreffen für die Opfer statt, die hier interniert wurden und auch tausendfach zu Tode kamen.

Auch nach diesen 30 bewegten Jahren wurde es still, als am 5. September gegen 10.00 Uhr die kleine Glocke auf dem Friedhof Neuburxdorf erklang, die zum Jubiläumstreffen und der anschließenden Kranzniederlegung einlud. Initiator dieses XXX. Mahn- und Gedenktreffens war wiederum die „Initiativgruppe Lager Mühlberg“ e. V.. Zahlreiche Menschen aus ganz Deutschland waren der Einladung vom Vorsitzenden und Pfarrer Matthias Taatz sowie der Stadt Bad Liebenwerda gefolgt, um der Opfer zu gedenken, die in diese Gegend vertrieben wurden und die im Kriegsverlauf sowie als Internierte ihr Leben ließen. Mühlbergs Pfarrerin Sabrina Pieper bedankte sich auf dem Soldatenfriedhof Neuburxdorf, das man sich trotz Corona hier in Frieden treffe und eine gemeinsame Andacht feiern kann. Sie sagte: „Wieder ein stilles Gedenken, denn es kann uns heute noch die Sprache verschlagen vor dem, was bereits vor Kriegsbeginn am 1. September 1939 an Verfolgung und Rassenwahn begann.

All die Grausamkeiten sollten mit dem Krieg bis 1945 noch zunehmen und danach wie hier in Mühlberg durch die Speziallager des sowjetischen NKWD weiter gehen. Der Staat, die Menschen und auch die beiden großen Kirchen hätten bei all dem geschehenen Unrecht versagt.“ Die kleinen Widerstandsgruppen haben nicht verhindert, dass es im Verlauf zu 60 Millionen Toten kam. Trotz Corona sei es wichtig Rückblick zu halten, aus der Geschichte zu lernen und sich an fast vergessene Sprüche wie „Wehret den Anfängen“ zu erinnern und spielte dabei an Aufmärsche an, die öffentlich gegen bestimmte Menschengruppen und demokratische Grundregeln aufbegehren. Für Pfarrerin Sabrina Pieper gibt es keinen gerechten Krieg. „Deshalb darf sich niemand auf Gott berufen. Konflikte muss man ohne Mittel von Gewalt lösen.“

Pfarrer Matthias Taatz sagte, er habe die Hoffnung, dass die Menschen wegen Corona zusammenwachsen. Jedem dürfte klar sein das heute alles über Grenzen hinweg passieren kann. Er erinnerte aber auch an die fast 30-jährige Tätigkeit der Initiativgruppe Lager Mühlberg. „30 Jahre lang hören wir schlimme Lagererlebnisse und Einzelschicksale. Manche konnten sich deshalb bei dem Unrecht und Grausamkeiten beider Lager in all den Jahren nicht anfreunden mit dem Wort Versöhnung. Manche sind dann auch gegangen.“ Doch darum geht es der Initiativgruppe. „Uns Menschen ist es gegeben Versöhnung zu üben und nicht durch Rache neues Unrecht zu schaffen.“ Von 1939-1945 befand sich in der Nähe eines der größten deutschen Kriegsgefangenenlager, das Stalag IVB. Ungefähr 300.000 Kriegsgefangene aus über 40 Nationen durchliefen das Lager. Etwa 3.000 von ihnen, überwiegend sowjetische Soldaten, kamen hier ums Leben. Von 1945-1948 inhaftierte das sowjetische Volkskomissariat für Innere Angelegenheiten (NKWD) in Zusammenarbeit mit der deutschen Verwaltung in der sowjetischen Besatzungszone etwa 21.800 Personen im sogenannten Speziallager 1 bei Mühlberg. Mindestens 6.700 von ihnen starben im Lager Mühlberg. „Vor 30 Jahren konnten wir endlich sagen, das Schweigen hat ein Ende. Wir haben die Erinnerung wach gerufen, auch wenn diese für viele Familien sehr schmerzlich war und ist“, so Pfarrer Taatz.

„Seit 30 Jahren findet eine nicht immer einfache Aufarbeitung der Geschichte statt, die zwischen dem ehemaligen Kriegsgefangenenlager der Deutschen Wehrmacht und dem späteren Speziallager steht.“ Nicht nur die vielen Toten, auch das ganze Ausmaß des Elends wurde in den 30 Jahren Aufarbeitung sichtbar. „Manchmal muss Zeit vergehen, müssen Dinge ruhen, so dass daraus neue Kraft für Versöhnung wächst.“ Pfarrer Taatz schaute aber auch über Grenzen hinweg. „Europa ist ein wahr gewordener Traum verschiedene Völker zu vereinen. Doch uns muss klar sein, Europa ist auf Gräbern gebaut. Diese Gräber schufen erst diese Union und leiten uns bis zum heutigen Tag in der Hoffnung, dass diese Gräber nicht wieder aufgetan werden. Deshalb muss man aufpassen. Es gibt zwar ein menschliches Ende, jedoch keinen Schlussstrich unter die menschliche Entwicklung. Die Geschichte geht weiter, auch wenn es bei manchen Entwicklungen ab und zu eine Linie geben muss die sagt, bis hier hin und nicht weiter. (hf)

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