Lehre zur Schornsteinfegerin statt Polizeiausbildung

Marisa Schiffer hat sich für die Ausbildung zur Schornsteinfegerin entschieden. - Foto: HWK Cottbus/Veronika Martin

Spremberg.

Dezente schwarze Arbeitsbekleidung und keine Spur von Ruß: Marisa Schiffer wirkt auf den ersten Blick nicht wie eine Schornsteinfegerin.

Doch für genau diesen Berufsweg hat sich die 21-Jährige entschieden und absolviert die Ausbildung mittlerweile im 3. Lehrjahr bei Schornsteinfegermeister Lars Tschendel.

"Eigentlich wollte ich zur Polizei gehen. Meine Familie war jedoch sehr erleichtert, als meine Wahl dann doch auf die Lehre zur Schornsteinfegerin fiel", berichtet Marisa Schiffer. "Auf der Ausbildungsmesse vor drei Jahren stellten sich die Schornsteinfeger sehr überzeugend vor und haben mir diesen Beruf schmackhaft gemacht", gibt die junge Sprembergerin strahlend zu. Der Ausbildungsberuf ist in den vergangenen Jahren deutlich frauenfreundlicher geworden, doch Marisa Schiffer ist neben 16 jungen Männern die einzige Frau in der landesweiten Berufsschulklasse.

 

Schornsteinfegermeister Lars Tschendel staunte nicht schlecht, als Marisa Schiffers Anfrage kam. "Sie stand eines Tages vor meiner Tür und bat darum, die Ausbildung absolvieren zu können. Seit diesem Tag gab es keine einzige Beschwerde – im Gegenteil: Die Kunden fragen sogar, wo denn der Lehrling ist, wenn sie mal nicht dabei sein kann." Das Berufsbild des Schornsteinfegers hat sich durch die Modernisierung der Feuerungsanlagen drastisch verändert.

"Es gibt weniger Feuerstätten mit Festbrennstoffen, dafür aber mehr kleine Kaminöfen als Zusatz. Mit unserer sauberen Messtechnik nutzen wir modernste Technologien, sind energetische Berater und tragen zum Umweltschutz und zur Luftreinhaltung bei", beschreibt Lars Tschendel die täglichen Aufgaben.

 

Auch Marisa Schiffer geht souverän mit der Messtechnik um. An einem atmosphärischen Gaskessel für ein Mehrfamilienhaus der Bergarbeiter- Wohnungsgenossenschaft in Welzow stellt sie fest, ob die gesetzlichen Bestimmungen zum Schadstoffausstoß eingehalten werden. Gleichzeitig kontrolliert sie den Schornstein, damit nichts die Abluft behindert, und dokumentiert diese Prüfergebnisse für den Eigentümer sowie die eigene Nachweisführung. Marisa Schiffer weiß, dass sie sich nach der Ausbildung bei einem anderen Betrieb bewerben muss, denn meist gibt es nur einen Gesellen. "Bei den Leistungen und ihrem sympathischen Auftreten wird sich noch vor Ablauf der Ausbildung ein Kehrbezirk finden, der dieser Junggesellin sehr gern ein Angebot zur Beschäftigung unterbreitet", ist sich Lars Tschendel sicher.

Hintergrund:

1.600 Jugendliche erlernen deutschlandweit den Beruf des Schornsteinfegers.

Im Bundesland Brandenburg sind es insgesamt 40 Jugendliche, aus dem Kammerbezirk Cottbus 13 Lehrlinge, darunter zwei Frauen.

 

Im Kammerbezirk der HWK Cottbus gibt es derzeit eine freie Lehrstelle zum Schornsteinfeger. Alle Informationen dazu liefert die

Online-Lehrstellenbörse: www.hwk-cottbus.de/lehrstellen

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