Konjunkturreport Lausitz

Cottbus.

Die Ergebnisse der 9. gemeinsamen Konjunkturumfrage der IHKs Cottbus und Dresden für die Lausitz im Herbst 2019 belegen, dass die konjunkturelle Stimmung im Jahresverlauf  deutlich nachgegeben hat, im Besonderen in der Industrie. Die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate sind von Skepsis geprägt.  Jedes vierte Unternehmen geht binnen Jahresfrist von einer Verschlechterung der Geschäfte aus. Größtes Geschäftsrisiko bleibt der Fachkräftemangel, wenn auch mit leicht abnehmendem Trend. Zur Verunsicherung tragen  auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die rückläufige Entwicklung der Inlandsnachfrage bei.


 
Die Hauptgeschäftsführer der IHKs Cottbus und Dresden, Marcus Tolle und Dr. Detlef Hamann, stellten am 5. Dezember in Görlitz die Ergebnisse der neunten gemeinsamen Konjunkturumfrage für die Lausitz vor. Der Wirtschaftsraum Lausitz verbindet beide Kammerbezirke über die Grenzen Brandenburgs und Sachsens hinweg. An der Umfrage beteiligten sich 704 Unternehmen aus Industrie, Bauwirtschaft, Groß- und Einzelhandel, Verkehr und dem Dienstleistungsgewerbe aus den Landkreisen Bautzen, Görlitz, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und der Stadt Cottbus.
 


„Nachdem wir im Frühjahr 2018 ein Allzeit-Stimmungshoch verzeichnen konnten, sinkt die Einschätzung der Geschäftslage bei den Lausitzer Unternehmen jetzt seit fast zwei Jahren ab“, analysiert Dr. Detlef Hamann, Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden. „Insbesondere die langjährige Konjunkturlokomotive Industrie hat trotz leichter Umsatzzuwächse zu dieser Entwicklung beigetragen. Umso entscheidender wird es sein, wie die Weichenstellungen für künftige Wirtschaftsstrukturen in der Lausitz für diese wichtige Branche ausfallen“, hebt Hamann hervor.


 
„Es ist aufschlussreich für uns zu sehen, dass fast die Hälfte der Lausitzer Betriebe Interesse an ausländischen Fachkräften hat, besonders an beruflich Qualifizierten“, sagt Marcus Tolle, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus. „Mit dem am 1. März 2020 in Kraft tretenden Fachkräfteeinwanderungsgesetz werden die Hürden zur Einstellung  ausländischer Fachkräfte geringer. Dennoch werden unsere Unternehmen beim Abstimmungsprozess mit den Behörden weiterhin Unterstützung benötigen. Hierfür bleiben die Kammern zentrale Ansprechpartner. Zudem  ist es wichtig, dass die Einrichtung der zentralen Ausländerbehörde in Brandenburg zum Frühjahr soweit fortgeschritten ist, dass sie ihre Arbeit aufnehmen kann.“


 
Konjunktur:
 
Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage bescheinigen der Lausitzer Wirtschaft eine nachlassende Stimmung. So bewerteten im Herbst 2019 insgesamt 47 % der befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage mit „gut“ (Vorjahr: 56 %). 42 % „befriedigende“ und 11 % „schlechte“ Lageeinschätzungen runden das Bild ab (Vorjahr: 38 % und 6 %). Der sich daraus ergebende Lagesaldo ist der niedrigste seit Frühjahr 2016.
 


Obwohl rund zwei Drittel (65 %) der Unternehmen für die kommenden 12 Monate von gleich bleibenden Geschäften ausgeht, rechnet rund ein Viertel (24 %) mit einer Verschlechterung (Vorjahr: 15 %). Der Prognosesaldo fällt auf minus 14 Punkte und damit auf den niedrigsten Wert aller bisherigen Erhebungen. Der Fachkräftemangel bleibt das größte Geschäftsrisiko, wenn auch mit abnehmender Tendenz. Es folgen die Energie-, Rohstoff- und Arbeitskosten. Besonders sorgen sich die Unternehmen um die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und eine sinkende Binnennachfrage.


 
Die Investitionspläne werden leicht nach unten korrigiert. So planen 29 % der Unternehmen steigende Investitionen (Vorjahr: 28 %), 20 % wollen ihr Investitionsengagement reduzieren (Vorjahr: 16 %). Wichtigste Investitionsmotive bleiben die Ersatzbeschaffung und Effizienzsteigerung im Unternehmen, weniger eine Kapazitätserweiterung.
 



Branchenbewertung:
 
Weniger als jeder zweite Industriebetrieb berichtet mittlerweile über gute Geschäfte (44 %). Vor einem Jahr waren es noch 53 %. Geringe Zuwachsraten bei Umsätzen im In- und Ausland sowie außenwirtschaftliche Spannungen und der Strukturwandel hinterlassen ihre Spuren. Entsprechend pessimistisch blickt die Industrie in die Zukunft. Es werden sinkende Umsätze, Investitionen und Beschäftigungszahlen erwartet. 11 % rechnen mit besseren Geschäften binnen Jahresfrist (Vorjahr: 16 %), 30 % hingegen mit Verschlechterungen (Vorjahr: 16 %).  



 
Die Stimmung im Baugewerbe ist nach wie vor gut. 65 % der Firmen (Vorjahr: 77 %) im Baugewerbe berichten über eine gute Geschäftslage. Die Betriebe profitieren von einer anhaltenden Nachfrage nach Bauleistungen. Bis August 2019 stiegen die Umsätze gegenüber dem Vorjahr um weitere 8 %. Die Prognosen fallen jedoch verhaltener aus als bisher. Nur noch 2 % der Betriebe (Vorjahr: 9 %) rechnen in den kommenden Monaten mit besseren, 21 % hingegen mit schlechteren Geschäften (Vorjahr: 8 %). Trotz Arbeit nahe an der Kapazitätsgrenze kündigt sich ein moderater Rückgang der Beschäftigtenzahl an.


 
Im Handel zeichnet sich eine Seitwärtsbewegung ab. Ein stabiler Binnenmarkt mit verbrauchergestütztem Konsum kommt der Branche zugute. 41 % schätzen die Geschäftslage mit „gut“ ein (Vorjahr: 48 %), 10 % eher „schlecht“ (Vorjahr: 11 %). Trotz des bevorstehenden Jahresendgeschäfts gehen die Prognosen nach unten. Mehr als ein Viertel (28 %) der Händler rechnet mit schlechteren Geschäften (Vorjahr: 18 %). Es werden sinkende Umsätze und Beschäftigungszahlen erwartet.
 


Die Stimmung im Dienstleistungsgewerbe bleibt stabil und fällt im Branchenvergleich eher positiv aus. Besonders die verbrauchernahen Dienstleistungen und die Immobilienwirtschaft stützen die Konjunktur. Mit 47 % schätzt fast die Hälfte der Befragten ihre Lage als „gut“ ein (Vorjahr: 57 %), jeder zehnte als „schlecht“ (Vorjahr: 6 %). Die Prognosen sind zwar zurückhaltend, aber besser als in anderen Wirtschaftsbereichen. 12 % erwarten in den kommenden Monaten bessere Geschäfte (Vorjahr: 11 %), 20 % eher schlechtere (Vorjahr: 16 %). Vor allem der Fachkräftemangel und steigende Arbeitskosten werden kritisch gesehen.


 
Beschäftigung internationaler Mitarbeiter in der Lausitz:
 
Der Fachkräftemangel behindert seit längerem die Geschäftstätigkeit der Lausitzer Wirtschaft und stellt das am häufigsten  genannte Geschäftsrisiko (59 %) dar. In Anbetracht des demografischen Wandels und des im März 2020 in Kraft tretenden Fachkräfteeinwanderungsgesetzes wurden die Unternehmen zu Beschäftigungslage und –absichten bezüglich internationaler Arbeitskräfte befragt:

29 % der Lausitzer Betriebe beschäftigen bereits internationale Mitarbeiter, mehrheitlich aus dem EU-Ausland (23 %). Fast die Hälfte der Unternehmen (42 %) hat Interesse erstmals bzw. weitere ausländische Mitarbeiter einzustellen. Mit Abstand am meisten werden Facharbeiter und beruflich Qualifzierte (80 %) gesucht. Ein Viertel benötigt Hilfskräfte und je ein Fünftel würde Akademiker oder Azubis aus dem Ausland einstellen. In der Regel reicht es aus, wenn eine klare Standardsprache verstanden und gesprochen wird (B1 Sprachniveau). Ein  Drittel der Betriebe verlangt jedoch eine komplexe Kommunikation mit B2-Sprachniveau. Hauptgründe, die gegen eine Beschäftigung sprechen, sind vor allem mangelhafte Sprachkenntnisse (56 %) und unzureichende fachliche Qualifikationen (36 %). Immerhin jedes fünfte Unternehmen gab in diesem Zusammenhang auch mögliche Vorbehalte bei Kunden und Team-Integrationsprobleme an. Am meisten Unterstützung wünschen sich die Befragten bei der Anerkennung der Qualifkationen (36 %), bei Weiterbildungsmaßnahmen (31 %) und beim Angebot von Sprachkursen (30 %).


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