Volksbundmitglieder bei den „Schicksalsklärern“ in Berlin

Die Zentralkartei der Deutschen Dienststelle (WASt) in Berlin umfasst aktuell rund 18 Millionen alphabetisch-phonetisch geordnete Karteikarten. Foto: LKEE

Berlin.

Dieser Tage (23. Oktober) besuchten rund zwei Dutzend Kreisverbandsmitglieder und Unterstützer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Deutsche Dienststelle (WASt) für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht in Berlin.

Landrat Christian Heinrich-Jaschinski, der zugleich Kreisvorsitzender des Volksbundes in Elbe-Elster ist, hatte dafür einen Bus organisiert, der die Volksbund-Aktivisten aus dem Landkreis von Bad Liebenwerda und Finsterwalde aus nach Berlin brachte. Die Einrichtung war 1939 vom damaligen Oberkommando der Wehrmacht zur Registrierung sämtlicher Personalverluste der Wehrmacht infolge Verwundung, Krankheiten, Tod, Vermisstsein und Kriegsgefangenschaft entstanden. Auch Personalien von Soldaten, die nach dem Krieg von ihren Angehörigen gesucht wurden, erhielten einen Eintrag in die dortige Zentralkartei, die aktuell rund 18 Millionen alphabetisch-phonetisch geordnete Karteikarten umfasst.

Bis in die heutige Zeit hat sich der Schwerpunkt der Aufgaben der Dienststelle immer wieder verlagert. In den ersten Nachkriegsjahren war man fast ausschließlich damit beschäftigt, Sterbefälle von ehemaligen Wehrmachtangehörigen zu bearbeiten. Auch aus den Kriegsgefangenenlagern und Lazaretten in Frankreich, Großbritannien oder den USA kamen Meldungen über verstorbene Soldaten. Sie wurden an die zuständigen Standesämter weitergeleitet, damit diese Sterbeurkunden erstellen konnten. Auch heute noch werden alle amtlichen Dokumente, die weiterhelfen, etwas über das Schicksal eines Soldaten zu erfahren, gesammelt, ausgewertet und bearbeitet.

Zusätzlich wird die WASt wegen ihres einmaligen Materials von Privatpersonen und Behörden in einer Vielzahl von Fällen in Anspruch genommen, die mit dem Dienst in der Wehrmacht und dessen Auswirkung auf unzählige Bereiche zusammenhängen, die dazu beitragen, Schicksale von Soldaten aufzuklären. Die Nutzung und Auswertung der Unterlagen ermöglicht auch anderen Institutionen wie zum Beispiel dem Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes oder dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ihre Aufgaben zu erfüllen.

Alle diese Hintergründe erfuhren die Gäste aus Elbe-Elster bei ihrem Besuch, der mit einer kurzen Einführung und der Filmvorführung „Die Schicksalsklärer“ begann. Mit Ausführungen zur Geschichte, den Aufgaben und zu den Unterlagen, sowie über mehrere Schautafeln konnten die Besucherinnen und Besucher einen Einblick in die Tätigkeit der Deutschen Dienststelle (WASt) nehmen. Einige Gäste nutzten die Gelegenheit und stellten einen Antrag zu ihren Angehörigen. Es wurden viele informative Gespräche geführt und Erklärungen, zum Beispiel zu den Recherchen für einen militärischen Werdegang, in der Dienststelle gegeben. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berichteten im Anschluss im Rahmen eines kleinen Rundgangs über ihre Arbeit und den Kontakt mit den Angehörigen. Sichtlich berührt verfolgten die Volksbund-Aktivisten aus Elbe-Elster die Schilderungen der Aufgaben, die auch Aufarbeitung und Versöhnung über Grenzen hinweg im Rahmen der Erinnerungskultur bedeuten.

„Die Fahrt war ein Dankeschön an die vielen aktiven Mitglieder bei uns im Kreisverband, die seit vielen Jahren engagiert die Volksbundarbeit unterstützen. So kamen allein 2017 Spenden in Höhe von rund 5.200 Euro für den guten Zweck zusammen“, sagte Christian Heinrich-Jaschinski. Um einen guten Zweck geht es auch bei der traditionellen Haus- und Straßensammlung für die Volksbundarbeit am 21. November in Elsterwerda. Dann wird Landrat Christian Heinrich-Jaschinski zusammen mit Elsterwerdas Bürgermeisterin Anja Heinrich von 10.30 bis 11.30 Uhr auf der Suppenmeile, Markt Elsterwerda, um Spenden werben.

Das Besucherbüro der Deutschen Dienststelle (WASt) für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht in 13403 Berlin (Reinickendorf), Eichborndamm 179, ist

Montag bis Mittwoch: 09:00 Uhr – 14:00 Uhr,

Donnerstag: 10:00 Uhr – 18:00 Uhr,

und Freitag: 09:00 Uhr – 13:00 Uhr geöffnet.

Darüber hinaus ist die Behörde telefonisch unter 030 41904-0 (Zentrale) oder per E-Mail unter dd-info@dd-wast.de sowie im Internet unter www.dd-wast.de erreichbar.

 

Kommentar schreiben

comment

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Pflichtfelder sind markiert mit*

Weitere Nachrichten aus Elbe-Elster

Potsdam

Landesärztekammer Brandenburg fordert Impfpflicht

Die Brandenburger Ärzteschaft fordert eine bundesweite Masern-Impfflicht. Aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht gebe es keine gleichwertige Alternative zu einer Impfflicht nach den...

„Elbe-Elster-Rundreise“ mit Barbara Hackenschmidt
Finsterwalde

„Elbe-Elster-Rundreise“ mit Barbara Hackenschmidt

Jedes Jahr organisiert SPD-Landtagsabgeordnete Barbara Hackenschmidt neben den Busfahrten  in die Landeshauptstadt, auch Fahrten anlässlich des Internationalen Frauentages. In diesem Jahr...

Stabiles Wachstum der Südbrandenburger Industrie in 2018
Cottbus

Stabiles Wachstum der Südbrandenburger Industrie in 2018

Die Südbrandenburger Industrie hat 2018 vor allem auf dem Binnenmarkt ein Wachstum verzeichnen können. Auch die Exporte sind trotz der schwierigen Weltmarktsituation leicht gestiegen. Dies geht aus...

Gründerkurs als Starthilfe in die Selbständigkeit
Bad Liebenwerda

Gründerkurs als Starthilfe in die Selbständigkeit

Ob Betriebsübernahme, Unternehmensgründung, Generationswechsel - für die individuelle Existenzgründung gibt es Starthilfen, die diesen Schritt vorbereiten, begleiten und unterstützen. Die...

Unternehmensnachfolge erfolgreich gestalten
Bad Liebenwerda

Unternehmensnachfolge erfolgreich gestalten

Unternehmensübergabe ist ein Prozess, der einer guten Vorbereitung, einer guten Durchführung und eines guten Abschlusses bedarf. Diesen Grundsatz greift die Regionale...

Kreistagsvorsitzender und Landrat zogen erfolgreiche Bilanz
Falkenberg

Kreistagsvorsitzender und Landrat zogen erfolgreiche Bilanz

Auf der letzten regulären Sitzung des Kreistages am 8. April 2019 haben sich der Kreistagsvorsitzende Thomas Lehmann und Landrat Christian Heinrich-Jaschinski bei allen Kreistagsmitgliedern für die...

Konjunkturbericht: Hohe Auslastung im Handwerk
Cottbus

Konjunkturbericht: Hohe Auslastung im Handwerk

Der Frühjahrsbericht der Handwerkskammer Cottbus (HWK) macht deutlich, dass das konjunkturelle Hoch den Betrieben des regionalen Handwerks erhalten bleibt. Damit schließt sich die Auswertung an...

Digitale Hilfe für die Ersteinschätzung
Potsdam

Digitale Hilfe für die Ersteinschätzung

Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) testet seit 1. April die neue Software SmED zur medizinischen Erstein­schätzung in ihrer Koordinierungsstelle 116117 sowie in der ärztlichen...

Kreis Elbe-Elster: 7,1 Mio. Euro gegen Dauer-Arbeitslosigkeit
Cottbus

Kreis Elbe-Elster: 7,1 Mio. Euro gegen Dauer-Arbeitslosigkeit

Endlich wieder ein richtiger Job: Im Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit bekommtder Landkreis Elbe-Elster zusätzliche 7,1 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt.Damit werden bis zum Jahr 2022...

Herzberg spielt Tennis
Herzberg

Herzberg spielt Tennis

Der Herzberger Tennisclub „Grün-Weiß“ e.V. feiert mit der Unterstützung des BMW-Autohauses Berger den Start in die Sommersaison mit seinem bekannten Schleifchenturnier und lädt alle...

Vorstellung des Klimaschutzkonzeptes Doberlug-Kirchhain
Doberlug-Kirchhain

Vorstellung des Klimaschutzkonzeptes Doberlug-Kirchhain

Klimaschutz und die Senkung der Treibhausgas-Emissionen sind eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Deshalb hat die Stadt Doberlug-Kirchhain mit ihren 11 Ortsteilen in den vergangenen Monaten...