Bildungsministerium legt Bericht zur Begabungsförderung im Land Brandenburg vor

Potsdam.

Im Bereich der Begabungs- und Begabtenförderung sind die Schulen des Landes Brandenburg auf einem guten Weg. Zugleich muss noch mehr getan werden für die Ausbildung und Schulung der Lehrkräfte, für Beratungsangebote und das Erkennen und Fördern von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Begabungen und Talenten. Das ist das Ergebnis des Berichts der Landesregierung zur Begabten- und Begabungsförderung. Das Kabinett hat den Bericht in dieser Woche verabschiedet. Nun wird er dem Landtag vorgelegt.

 

Ziel der Landesregierung ist ein sozial gerechtes und leistungsförderndes Schulsystem. Die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler ist dabei eine Kernaufgabe schulischer Arbeit. Das gilt auch und besonders für leistungsstarke, besonders begabte und hochbegabte Schülerinnen und Schüler. Mangelnde Förderung und andauernde Unterforderung kann ihre Entwicklungschancen nachhaltig negativ beeinflussen. Der Bericht nennt bestehende Maßnahmen zur Unterstützung begabter Schülerinnen und Schüler und zur Qualifizierung von Lehrkräften.

Neu ist die Beteiligung am Bundesprogramm „Leistung macht Schule“. Das Land Brandenburg nimmt mit neun Schulen an dieser KMK-Bund-Länder-Initiative zur Förderung leistungsstarker und potenziell leistungsstarker Schülerinnen und Schüler teil, die am 30. Januar 2018 gestartet ist. Bundesweit beteiligen sich 300 Schulen. Unter den neun brandenburgischen Schulen finden sich neben den Grundschulen alle Schulformen des weiterführenden Bereichs – Oberschule, Gesamtschule, Gymnasium. Die Schulen werden vom MBJS, den Schulämtern und dem LISUM fachlich unterstützt. Ziel ist es, bundesweit auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse die Begabungsförderung zu verbessern.

 

Im Land Brandenburg gibt es seit vielen Jahren vielfältige Maßnahmen zur Unterstützung von hochbegabten und besonders begabten Schülerinnen und Schülern.

Im Durchschnitt verfügen rund zwei Prozent der Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs über eine Hochbegabung. Das wären rechnerisch rund 4.800 im Land Brandenburg. Rund 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler, also 48.000 im Land Brandenburg, gelten als besonders begabt.

 

Zu den einzelnen Maßnahmen:

1. Die Lehrkräfte erhalten umfangreiche und qualitativ hochwertige Beratungs- und Fortbildungsangebote, um die begabten Schülerinnen und Schüler professionell begleiten und fördern zu können. Dazu wurde das Konzept der landesweiten Fachtagung „Begabung als Chance nutzen“ entwickelt. Diese Fachtagung fand bereits zweimal zu Beginn der Schuljahre 2017/2018 sowie 2018/2019 für alle Lehrkräfte sowie für weitere am Schulleben beteiligte Personengruppen statt und soll als Herbsttagung „Begabtenförderung im Land Brandenburg“ eine jährliche Fortführung unter verschiedenen Themenschwerpunkten finden.

In Kooperation mit der Beratungsstelle für Besondere Begabungen in Hamburg wurde von 2016 bis 2018 eine erste landeseigene Handreichung über die „Grundlagen der schulischen Begabtenförderung“ entwickelt, welche zum Schuljahresbeginn an alle Schulen versendet wurde. Parallel zu den oben aufgeführten Maßnahmen wurde in den Schuljahren 2016/2017 und 2017/2018 eine Qualifizierungsreihe für Schulleitungen im Land Brandenburg zum Thema „Begabung als Chance nutzen – Begabtenförderung im Land Brandenburg“ durchgeführt.

2. Begabte Schülerinnen und Schüler erhalten zusätzliche Lernangebote, die den regulären Unterricht ergänzen. So zum Beispiel:

·         Neigungs- und leistungsdifferenzierte Lerngruppen in klassen- und jahrgangsübergreifender Form (Grouping).

·         Schülerlabore zum Experimentieren in verschiedenen Themenbereichen der MINT-Fächer.

·         Schüler- und Schulwettbewerbe. Die KMK empfiehlt 33 Wettbewerbe auf sprachlich-literarisch-künstlerischem, gesellschaftswissenschaftlichem, mathematisch-naturwissenschaftlich-technischem und sportlichem Gebiet. Dazu kommen weitere bundesweite und internationale Wettbewerbe sowie die Schülerwettbewerbe des Landes Brandenburg. Es gibt weitere regional- und landesweit ausgetragene Wettbewerbe, bei denen das MBJS beratend tätig wird oder die vom Träger des jeweiligen Wettbewerbs selbstständig durchgeführt werden. Insgesamt können sich die Schülerinnen und Schüler an rund 120 Wettbewerben beteiligen.

·         Neben den Schülerakademien werden jährlich Landesseminare zur Vorbereitung von besonders begabten Schülerinnen und Schülern auf die Teilnahme an den bundesweiten Auswahlverfahren zu den Internationalen Olympiaden in Mathematik und den Naturwissenschaften durchgeführt.

·         Besonders förderungsfähige und leistungsstarke Schülerinnen und Schüler können während ihrer Schulzeit an Lehrveranstaltungen beispielsweise an der Universität Potsdam teilnehmen und in einzelnen Fächern wissenschaftliche Methoden und Arbeitsweisen kennenlernen. Im Rahmen des Juniorstudiums haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, parallel zur Schule an Lehrveranstaltungen teilzunehmen und Leistungspunkte zu erwerben, die auch in einem späteren Studium anerkannt werden können.

 

3. Die Schülerinnen und Schüler können durch Überspringen von einzelnen Jahrgangsstufen ihre Schulzeit verkürzen. Sie haben zudem die Möglichkeit am Unterricht in höheren Klassen teilzunehmen.

 

4. An 35 Schulstandorten gibt es seit dem Schuljahr 2007/08 Leistungs- und Begabungsklassen (LuBK). Darunter sind 30 Gymnasien und eine Gesamtschule in öffentlicher Trägerschaft sowie vier Gymnasien in freier Trägerschaft. Eine Evaluation erfolgte im Schuljahr 2012/13. Diese ergab, dass leistungsstarke Schülerinnen und Schüler von den LuBK profitieren. Positiv wurde hervorgehoben, dass Mädchen und Jungen gleichermaßen erreicht werden. Der Bericht empfiehlt unter anderem, die Lehrkräfte an allen Schulformen weiter zu professionalisieren. Sie sollen die leistungsstarken und begabten Schülerinnen und Schüler kompetent begleiten und die Eltern professionell beraten. Zudem sollen die Maßnahmen zur Förderung breiter kommuniziert werden.

 

Bildungsministerin Britta Ernst: „Die Begabungen der Kinder und Jugendlichen sind eine wichtige Ressource für die Zukunft unseres Landes. Nur wenn begabte Schülerinnen und Schüler individuell gefördert und ausgebildet werden, können sie später außergewöhnliche Leistungen vollbringen und die wissenschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben. Die Aufgabe der Schulen besteht aber nicht nur darin, die Besten zu unterstützen, sondern auch, verborgene Talente zu erkennen und voranzubringen. Der Bericht zeigt, dass wir in der Begabtenförderung gut aufgestellt sind. Aber wir haben unsere Ressourcen noch nicht ausgeschöpft. Wir müssen noch mehr investieren – an Ideen und an finanziellen Mitteln.“

 

Der Landtag hatte das Bildungsministerium aufgefordert, einen Bericht über die Entwicklung und die Perspektiven der Begabungs- und Begabtenförderung im Land Brandenburg vorzulegen. Das nun veröffentlichte Papier schreibt einen Bericht aus dem Jahr 2011 fort. Zudem haben die Kultusministerinnen und Kultusminister der Länder im Jahr 2015 eine Förderstrategie für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler verabschiedet, die einen länderübergreifendenden Orientierungsrahmen bietet. Ziel ist es unter anderem, den Anteil von Schülerinnen und Schülern auf den höchsten Kompetenzstufen in Pisa-Tests zu erhöhen, insbesondere in den Naturwissenschaften, Mathematik, Deutsch und Englisch.

 

Weitere Informationen:

Begabtenförderung – Schülerwettbewerbe (Karten: Schulen mit besonderer Prägung)

Leistungs- und Begabungsklassen

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