Afrikanische Schweinepest: Dahme-Spreewald leitet Tierseuchenabwehr ein

Kreis verfügt Gefährdetes Gebiet / Veterinär- und Jagdbehörde bereiten Beschilderung vor

Der Landkreis hat gemäß der Schweinepest-Verordnung in einer heute veröffentlichten Allgemeinverfügung (Amtsblatt Nr. 27 – 2020) das Gefährdete Gebiet in Dahme-Spreewald amtlich festgelegt. Dieses Gebiet ist Teil der Restriktionszone, welche mit einem Radius von mindestens 15 Kilometern um den Fundort zu bilden ist. Betroffen sind in Dahme-Spreewald die Stadt Lieberose mit den Ortsteilen Goschen, Blasdorf, Trebitz sowie die Gemeinde Jamlitz mit den Ortsteilen Ullersdorf und Leeskow. Grafik: Landkreis Dahme-Spreewald

Lübben. Die Auswirkungen des ersten Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland haben nun auch das Gebiet des Landkreises Dahme-Spreewald erreicht. Ein infizierter Wildschweinkadaver war am Mittwoch nahe der deutsch-polnischen Grenze in der Gemeinde Schenkendöbern (Spree-Neiße) gefunden worden − das Friedrich-Loeffler-Institut bestätigte den amtlichen Verdacht gestern. Das beim brandenburgischen Verbraucherschutzministerium aktivierte Landeskrisenzentrum Tierseuchenbekämpfung hat mit den drei betroffenen Landkreisen Spree-Neiße, Oder-Spree und Dahme-Spreewald heute die erste einzurichtende Restriktionszone, ein sogenanntes „Gefährdetes Gebiet“, festgelegt. Dahme-Spreewalds Amt für Veterinärwesen, Verbraucherschutz und Landwirtschaft hat nun in Abstimmung mit der unteren Jagdbehörde die ersten Maßnahmen zur Feststellung der Verbreitung und Verhinderung der weiteren Ausbreitung angeordnet. Die Afrikanische Schweinepest ist eine ansteckende Erkrankung der Haus- und Wildschweine. Für den Menschen ist die anzeigepflichtige Tierseuche ungefährlich.

Der Landkreis hat gemäß der Schweinepest-Verordnung in einer heute veröffentlichten Allgemeinverfügung (Amtsblatt Nr. 27 – 2020) das Gefährdete Gebiet in Dahme-Spreewald amtlich festgelegt. Dieses Gebiet ist Teil der Restriktionszone, welche mit einem Radius von mindestens 15 Kilometern um den Fundort zu bilden ist. Betroffen sind in Dahme-Spreewald die Stadt Lieberose mit den Ortsteilen Goschen, Blasdorf, Trebitz sowie die Gemeinde Jamlitz mit den Ortsteilen Ullersdorf und Leeskow. Für das nun festgelegte Gefährdete Gebiet hat die Amtstierärztin Dr. Jana Guth unter anderem folgende Maßnahmen verfügt:

•    Jagdverbot für alle Tierarten, um möglicherweise infiziertes Schwarzwild nicht unnötig aufzuschrecken

•    Verstärkte Fallwildsuche und Anzeigepflicht von gefundenem Fallwild

•    Kennzeichnung, Probenahme, Bergung und unschädliche Beseitigung aller Wildschweinkadaver erfolgt nur unter hygienischen Bedingungen durch geschultes Personal

•    Anzeige-, Hygiene- und Verbringungsauflagen der schweinehaltenden Personen

•    Ausfuhrbeschränkung von frischem Schweinefleischprodukten

•    Untersagung von Veranstaltungen mit Schweinen

•    Nutzungsuntersagung für land- und forstwirtschaftliche Flächen (z.B. Ernteverbot für Maisfelder)

•    Leinenzwang für Hunde

Um den Fundort im Ortsteil Sembten in der Gemeinde Schenkendöbern wird eine Kernzone mit einem Radius von mindestens drei Kilometern mit elektrischen Wildschutzzäunen gesichert, bestätigt das Verbraucherschutzministerium. Mit dem durch den Landesforstbetrieb unterstützten Aufbau der Zäune wurde bereits am heutigen Freitagnachmittag begonnen. Außerdem wird das Gefährdete Gebiet mit Schildern und Hinweistafeln markiert − die Vorbereitungen hierfür laufen in Dahme-Spreewald-Kreis auf Hochtouren. In dem auszuschildernden Seuchengebiet sind neben Maßnahmen zur Bekämpfung der Tierseuche im Wildbestand auch Maßnahmen im Bereich Hausschweine umzusetzen.

Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher sagte heute in Potsdam: „Alle Landwirte, Schweinehalter und Jäger in den betroffenen Gebieten sind umfassend über die aktuelle Lage informiert. Jetzt muss schnellstmöglich das Kerngebiet um den Fundort eingezäunt werden. Die aktive Fallwildsuche im Gefährdeten Gebiet läuft an. Schon heute kam eine Drohne zum Einsatz. Ich bitte alle Brandenburgerinnen und Brandenburger, die Restriktionszone nicht unnötig zu betreten.“

Dahme-Spreewalds Landrat Stephan Loge: „Der Ernstfall war für uns seit Längerem zu erwarten. Wir werden nun in Zusammenarbeit mit unseren Landwirten und Jägern alle notwendigen Seuchenabwehrmaßnahmen ergreifen, um die Afrikanische Schweinepest im Griff zu behalten und die Ausbreitung des Virus zu unterbinden. Unsere zuständigen Fachämter können dabei auf jahrelange Erfahrungen bei der Bekämpfung anderer Tierseuchen sowie regelmäßig Tierseuchenübungen, Schulungs- und Infoveranstaltungen für Jäger und Schweinehalter sowie für die ASP eigens angeschafftes Schutzmaterial zurückgreifen“. In Abhängigkeit der Entwicklungen am Wochenende werde am Montag abschließend über die Einberufung eines ASP-Krisenstabs in Dahme-Spreewald entschieden.

Vorbereitung auf den ASP-Ernstfall

Seit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Westpolen im November 2019 wurden die Bemühungen der Gefahrenabwehr besonders in den grenznahen Landkreisen Brandenburgs nochmals deutlich intensiviert. Zu den Schutzmaßnahmen, zu der ein rund 120 Kilometer langer Zaun entlang der deutsch-polnischen Grenze von Frankfurt/Oder bis nach Sachsen zählt, gehören auch die Anschaffung von mobilen Wildzäunen und speziellen Sammel- oder Annahmestellen. Letztere sind flächendeckend vorzuhalten, um im nun eingetretenen Seuchenfall auf kurzen Wegen potentiell infizierte, aufgefundene oder erlegte Wildtiere so schnell und hygienisch wie möglich zwischenzulagern, beproben und anschließend entsorgen zu können. Zu diesem Zweck hat der Dahme-Spreewald-Kreis erst Anfang September ein erstes Kühlhaus auf dem Gelände der Oberförsterei Lieberose in Betrieb genommen. Drei weitere Kühlhäuser, bestehend aus je zwei sterilen Kammern, werden noch bis Monatsende an den Standorten der Landeswaldoberförsterei Hammer, Försterei Wüstemark in Zeuthen und am Gewerbegebiet Luckau installiert. 

Das Veterinäramt, Ordnungsamt und die untere Jagdbehörde bereiten sich seit vielen Monaten intensiv auf den stetig herangenahten Ausbruch der Tierseuche vor. Neben etlichen Schulungen, Übungsszenarien und rekordverdächtigen Wildbeprobungszahlen - auch infolge diverser Prämienanreize - sind vielfältige Anschaffungen auf Kreisebene getätigt worden. Dazu zählen neben den Kühlsammelstellen, Bergungsgerätschaften und kilometerlange Schutzzaunsysteme. „Der Schutz von Hausschweinhaltungen sowie des gesunden Schwarzwilds hat oberste Priorität“, sagte Veterinärmedizinerin Dr. Guth. Im Landkreis halten derzeit etwa 250 Tierbesitzer insgesamt rund 20.000 Hausschweine.

Epidemiologischer Hintergrund


Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine für Haus-und Wildschweine gefährliche anzeigepflichtige Tierseuche, die fast immer tödlich verläuft und unheilbar ist. Die Früherkennung ist entscheidend für die Abgrenzung des Seuchengebietes und die anzuordnenden Maßnahmen. Alle verendet aufgefundenen Wildschweine, egal ob als Fallwild oder als Unfallwild, sind daher unverzüglich zu beproben. Der ASP-Erreger der ist äußerst widerstandsfähig und kann in infizierten Tierkadavern noch viele Monate nachgewiesen werden. Um die Ansteckung von gesunden Tieren zu verhindern und somit das Risiko für die Haus-und Wildschweinebestände zu minimieren, werden die Tierkadaver oder die Reste davon anschließend unschädlich beseitigt und der Fundort desinfiziert. ASP ist keine zwischen Tier und Mensch übertragbare Infektionskrankheit (Zoonose) und daher für den Menschen ungefährlich. 

In den afrikanischen Ursprungsländern übertragen Lederzecken das Virus der ASP. Diese spielen in Mitteleuropa keine Rolle, informiert das Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit). Hierzulande erfolgt eine Übertragung durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, die Aufnahme von Speiseabfällen oder Schweinefleischerzeugnissen sowie andere indirekte Übertragungswege. Da das Virus außerordentlich lange ansteckungsfähig bleibt, kann es auch durch Gegenstände wie z. B. Werkzeuge, Schuhwerk, Kleidung oder Transportfahrzeuge weiterverbreitet werden. Deshalb sollten Reisende, Spaziergänger, Pilzsammler und Wanderer sowie Transporteure sich besonders vorsichtig und verantwortungsvoll verhalten und Hygienemaßregeln beachten.

Nach einer Infektion entwickeln die Tiere sehr schwere, aber unspezifische Allgemeinsymptome. Die Erkrankungssymptome der klassischen und der Afrikanischen Schweinepest ähneln sich sehr, so dass eine klinische Unterscheidung schwer möglich ist. Bei Wildschweinen sind die Symptome, die bei Hausschweinen beispielshalber in Form von Blauverfärbungen auf der Haut sichtbar sind, durch das Fell nicht oder nur sehr schwer erkennbar.

Informationsangebot im Netz

Weiterführende Informationen zur Afrikanischen Schweinepest, wie beispielsweise ein Frage-Antwort-Katalog des Veterinäramtes, gibt es im Internetauftritt des Landkreises Dahme-Spreewald unter www.dahme-spreewald.info/de/asp . red

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