Dahme-Spreewald rüstet Jäger gegen Afrikanische Schweinepest

Schulungen von Veterinär- und Jagdbehörde zur herannahenden Tierseuche

Um die Kommunen und die Jagdberechtigten für den Tierseuchenfall zu rüsten, standen verschiedene Fachvorträge und praktische Tipps auf dem Veranstaltungsprogramm. Foto: PStLDS

Lübben. Ein möglicher Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im Landkreis Dahme-Spreewald ist in naher Zukunft wahrscheinlich und die nachhaltige Bekämpfung dieser dann grassierenden Tierseuche wird sich nur gemeinsam mit der Jägerschaft realisieren lassen. Das war die Kernbotschaft des Amtes für Veterinärwesen, Verbraucherschutz und Landwirtschaft und der unteren Jagdbehörde des Kreisordnungsamtes auf zwei gemeinsamen Schulungs- und Informationsveranstaltungen zur ASP. Rund 80 Jäger sind zu diesem Infoabend am gestrigen Donnerstag in den Lübbener Kreistagssaal gekommen.

Bereits am Mittwoch, den 12. Februar, war die Schulung für Mitarbeiter der kommunalen Ordnungsbehörden aus den Städten und Gemeinden des Kreises durchgeführt worden. Um die Kommunen und die Jagdberechtigten für den Tierseuchenfall zu rüsten, standen verschiedene Fachvorträge und praktische Tipps auf dem Veranstaltungsprogramm. Amtstierärztin Dr. Jana Guth informierte zur aktuellen Situation, dem Vorbereitungsstand im Landkreis und den Maßnahmen in den jeweils zu bildenden Restriktionszonen. Die Lage sei überaus ernst, da die Afrikanische Schweinepest mit dem jüngsten Fund eines positiv getesteten Wildschwein-Kadavers in Polen nordöstlich von Bad Muskau (Landkreis Görlitz) und der nun angepassten Hochrisikozone kaum mehr 30 Kilometer vom Dahme-Spreewald-Kreis entfernt sei. „Das gegenwärtige Einschleppungsrisiko der ASP ist außerordentlich hoch und wir sind sowohl bei der Früherkennung als auch bei einer drohenden Tierseuchenbekämpfung auf Ihre aktive Mithilfe als ortskundige Jäger angewiesen“, appellierte Guth.

Das Veterinäramt, Ordnungsamt und die untere Jagdbehörde bereiten sich seit Monaten intensiv auf einen herannahenden Ausbruch der Tierseuche vor. Neben etlichen Schulungen, Übungsszenarien und rekordverdächtigen Wildbeprobungszahlen auch infolge diverser Prämienanreize sind vielfältige Anschaffungen auf Kreisebene getätigt worden. Dazu zählen unter anderem Kühlsammelstellen, Bergungsgerätschaften und kilometerlange Schutzzaunsysteme. „Der Schutz von Hausschweinhaltungen sowie des gesunden Schwarzwilds hat oberste Priorität“, sagte Veterinärmedizinerin Guth. Im Landkreis halten derzeit etwa 250 Tierbesitzer insgesamt rund 20.000 Hausweine. Für die anwesenden Jäger gab es zudem konkrete Informationen über die Abläufe im Fall eines ASP-Ausbruchs. So würden drei verschiedene Restriktionszonen um den Fundort gebildet. Um einen bestmöglichen Überblick über das Ausmaß des Seuchengeschehens zu erhalten, müssen zunächst Fallwildsuchen organisiert werden, um weitere potentiell kontaminierte Kadaver zu finden. Die Wildschweinkadaver werden dann durch dafür speziell ausgebildete Bergetrupps unter entsprechenden Hygienevorschriften geborgen. Innerhalb der Infektionszone, die für die Wildschweine das ASP gefährdete Gebiet definiert, kann eine Hochrisikozone gebildet werden.

Besonders für dieses als Kerngebiet bezeichnete Areal, das drei oder mehr Kilometer im Radius um den Fundort eines ASP-positiven Wildschweines groß sein und eingezäunt werden kann, können drastische Maßnahmen angeordnet werden. Beispielsweise können Ernte-, Nutzungs- oder auch komplette Betretungsverbote monate- bis jahrelang dort gelten. Wie die Meldung von Tierkadavern mittels GPS-Daten per Smartphone an die Veterinärbehörde funktioniert sowie die Fallwildsuche, Bergung und Beprobung fachgerecht vonstattengeht, erläuterte die amtliche Tierärztin Vanessa Siemer den Anwesenden praxisnah. Sie kündigte auch an, dass das Veterinäramt den Jagdberechtigten entsprechende Berge-Sets mit Schutzkleidung und Beprobungsmaterial ab Ende Februar kostenfrei zu Verfügung stellt. Fachkollege Christian Schmidt von der unteren Jagdbehörde ging ergänzend auf die Strategien der Schwarzwildbejagung ein und betonte eine nach Ausbruch der sogenannten „Habitatsseuche“ noch langjährige Gefährdung des Wildbestandes. red/jr

Hintergrund: Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine für Haus-und Wildschweine gefährliche anzeigepflichtige Tierseuche. Die Früherkennung ist entscheidend für die Abgrenzung des Seuchengebietes und die anzuordnenden Maßnahmen. Alle verendet aufgefundenen Wildschweine, egal ob als Fallwild oder als Unfallwild, sind daher unverzüglich zu beproben. Der ASP-Erreger der ist äußerst widerstandsfähig und kann in infizierten Tierkadavern noch viele Monate nachgewiesen werden. Um die Ansteckung von gesunden Tieren zu verhindern und somit das Risiko für die Haus-und Wildschweinebestände zu minimieren, werden die Tierkadaver oder die Reste davon anschließend unschädlich beseitigt und der Fundort desinfiziert. ASP ist keine zwischen Tier und Mensch übertragbare Infektionskrankheit (Zoonose) und daher für den Menschen ungefährlich. In den afrikanischen Ursprungsländern übertragen Lederzecken das Virus der ASP. Diese spielen in Mitteleuropa keine Rolle, informiert das Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit). Hierzulande erfolgt eine Übertragung durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, die Aufnahme von Speiseabfällen oder Schweinefleischerzeugnissen sowie andere indirekte Übertragungswege (Fahrzeuge, kontaminierte Jagdausrüstung, landwirtschaftlich genutzte Geräte und Maschinen, Kleidung). Der Kontakt mit Blut ist der effizienteste Übertragungsweg. Nach einer Infektion entwickeln die Tiere sehr schwere, aber unspezifische Allgemeinsymptome. Die Erkrankungssymptome der klassischen und der Afrikanischen Schweinepest ähneln sich sehr, so dass eine klinische Unterscheidung schwer möglich ist. Bei Wildschweinen sind die Symptome, die bei Hausschweinen beispielshalber in Form von Blauverfärbungen auf der Haut sichtbar sind, durch das Fell nicht oder nur sehr schwer erkennbar. 

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