Dachdeckermeister erhält Kulturgut im Spreewald

Daniel Girke pflegt, repariert und deckt Dächer aus Reet

Ein Team für das Reetdach: Dachdeckermeister Daniel Girke (re) mit seinen beiden Mitarbeitern Enrico Diedemann und Daniel Schultchen (li). Foto: HWK Cottbus

Reeternte in Ungarn. Foto: Daniel Girke

Altdöbern. Noch rund 1.000 Holzblockbauten existieren heute im UNESCO- Biosphärenreservat Spreewald. Damit besitzt die Region in Südbrandenburg den bedeutendsten mitteleuropäischen Blockhausbestand nördlich der Alpen.  Ein solches kulturelles Erbe will gepflegt sein und dafür sorgt unter anderem Daniel Girke. Der Dachdeckermeister aus Altdöbern hat sich mit seinem Unternehmen auf die Reetdachtechnik spezialisiert. Die meisten Dächer der alten Blockbohlenhäuser sind mit dem Naturstoff gedeckt.

Mit seinen beiden Mitarbeitern ist Daniel Girke derzeit auf einem dieser Häuser in Burg im Spreewald, Streusiedlung und architektonisches Kleinod sorbischer Holzblockbauweise, tätig. Der Besitzer baut das Objekt aus und da auf einem Teil des Daches bereits Reet aus der Türkei eingesetzt wurde, wird nun auch die andere Hälfte damit gedeckt. „Es gibt sehr unterschiedliche Reetsorten“, erklärt der Dachdeckermeister. „Das einheimische Schilfrohr ist jedoch rar, sodass man auf andere Länder ausweicht, in denen das kontinentale Klima die Härte, den geraden Wuchs und den Durchmesser der Halme beeinflusst.“

Das Decken von Reetdächern ist nicht ohne Grund eine eigene Spezialisierung des Dachdeckerhandwerks. Für die Verarbeitung ist ein umfangreiches Wissen über den Naturstoff notwendig. So müssen die Halme besonders lang, stabil und widerstandsfähig sein, damit sie beim Biegen nicht sofort brechen. Zudem sollten sie einen goldgelben Farbton aufweisen. „Ich bevorzuge Reet aus der ungarischen Puszta. Die Ernte im Winter schaue ich mir gern persönlich vor Ort an, um die Qualität zu prüfen. Die Bunde müssen im Inneren trocken sein, sonst kann sich Schimmel entwickeln“, erklärt Daniel Girke.

Ein Grund, warum immer mehr Hausbesitzer auf Reet zurückgreifen, sind dessen hervorragende Klimaeigenschaften. Schilfrohr dämmt sehr gut, denn der hohe Luftanteil zwischen den Halmen hält den Wärmeverlust gering und gleicht Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht aus. Im Sommer funktioniert das Prinzip umgekehrt, dann bleiben die Räume angenehm kühl.

Reetdächer sollten regelmäßig gewartet werden, um Schimmel oder anderen Schäden vorzubeugen. „Die eingedeckten Reetdächer halten im Schnitt 15 bis 20 Jahre. Dann müssen eventuell Schadstellen durch Tiere ausgebessert oder Moos entfernt werden, damit der Regen weiter gut abläuft. Bei guter Pflege schafft es ein Reetdach auf 30 bis 50 Jahre“, weiß der Dachdeckermeister. red


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