Bauern gehen Roten Gebieten auf den Grund

Schwerpunkt einer Winterschulung des Bauernverbandes Südbrandenburg

Der Umgang der Landwirtschaft mit Roten Gebieten war Schwerpunkt einer Winterschulung des Bauernverbandes Südbrandenburg. Rund vierzig Landwirte aus betroffenen Regionen waren gekommen, um sich zu informieren und ihre künftige Bewirtschaftung auf die neuen Erfordernisse abzustellen. Foto: Bauernverband Südbrandenburg

Luckau. In Brandenburg besteht laut Nitratkulisse auf 2,3 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche Handlungsbedarf. Doch nicht immer sind die Eintragsquellen klar. Landwirte fordern deshalb eine Ausweitung der Messstellen und eine stärkere Ursachenforschung. Der Umgang der Landwirtschaft mit Roten Gebieten war Schwerpunkt einer Winterschulung des Bauernverbandes Südbrandenburg. Rund vierzig Landwirte aus betroffenen Regionen waren gekommen, um sich zu informieren und ihre künftige Bewirtschaftung auf die neuen Erfordernisse abzustellen. Neben dem ab nächstem Jahr geplanten Düngeabschlag von 20% zählen auch längere Düngesperrfristen, eine mindestens jährliche Untersuchung der Ackerböden sowie strikte Untersuchungspflichten für eingesetzte Düngemittel auf Stickstoff und Phosphat zu den höheren Auflagen. Erleichterungen gibt es lediglich für Betriebe, die im betrieblichen Nährstoffvergleich nachweislich nur geringe Stickstoffmengen ausbringen.

Schwachpunkt Messstellennetz        
                                                                             
Gerade einmal 57 Messstellen hat Brandenburg im Zuge des Nitratberichts 2016 nach Brüssel gemeldet. Zu wenige, kritisieren Landwirte. „Bei der Anzahl der Messstellen und Untersuchungstiefe gibt es noch reichlich Luft nach oben“, sagt auch Thorsten Mohr, Referent für Pflanzenbau beim Landesbauernverband. „Auffällige Messstellen müssen noch genauer unter die Lupe genommen werden, damit wir wirksam gegensteuern können.“ Hauptproblem sind allerdings die hohen Kosten. „Exaktere Untersuchungsmethoden sind aufwendig und teuer, doch Gründlichkeit lohnt sich“, fordert Mohr.  Mit entsprechenden Messverfahren ließe sich z.B. ermitteln, ob Nährstoffeinträge auf defekte Kanalisationen zurückzuführen sind. „Die Landwirte haben selbst ein hohes Interesse an einer konsequenten Ursachenforschung. Landwirtschaft ist ein Faktor, aber längst  nicht an allem Schuld“, so Mohr. „Brandenburg profitiert beim Thema Nitrat vom vergleichsweise geringen Tierbestand und dem verantwortungsvollen Wirtschaften seiner Bauern.“

Differenzierung macht Sinn                         
                                                                                   
Einen ersten wichtigen Schritt zur Ursachensuche hat  Brandenburg bereits unternommen. „Mit seinem bundesweit einmaligen Nitratprojekt hat das Land das Thema bisher vorbildlich angepackt“, erklärt Mohr. Zudem wurden brandenburgweit nicht etwa pauschal ganze Grundwasserkörper als Rote Gebiete ausgewiesen, sondern auf Grundlage wissenschaftlicher Fakten differenziert.  Eine Länderöffnungsklausel in der Düngeverordnung mache ein individuelles Vorgehen der Bundesländer möglich. „Längst nicht alle Bundesländer haben sich für die aus fachlicher Sicht dringend gebotene Binnendifferenzierung entschieden. Zum Teil wurden Rote Gebiete sehr großzügig mit hohen Auflagen ausgewiesen.“ Es sei lobenswert, dass man zumindest in Brandenburg den Ursachen auf den Grund gehen wolle, statt pauschale Schuldzuweisungen an die Adresse der Landwirtschaft zu richten.
Im Wettlauf mit der Zeit         
                                                                                                       
Doch neben Geld spielt auch der Faktor Zeit eine gewichtige Rolle. „Was wir heute messen, ist das Ergebnis von dem, was vor Jahren im Boden passiert ist“, sagt Antje Oelze vom Landesamt für Umwelt. „Berücksichtigt man eine Sickerungszeit von etwa ein bis zwei Metern jährlich, dann bildet eine fünfzehn Meter tiefe Messstelle den Zustand von vor acht Jahren ab“, so Oelze. Bei der Betrachtung der landwirtschaftlichen Nutzung in betroffenen Gebieten seien laut Oelze vor allem beim Rapsanbau und bei Mais in Selbstfolge Häufungen bei Nitrat zu beobachten. Positiv hingegen wirkten sich in Teilen Südbrandenburgs naturräumliche Gegebenheiten aus. Oberflächennahes Grundwasser, das frei von gelöstem  Sauerstoff sei, wie z.B. im Spreewald üblich, entfalte eine Art Pufferwirkung. Statt sich im Grundwasser niederzuschlagen, werde Nitrat auf natürliche Weise wieder umgewandelt und als elementarer Stickstoff einfach ausgegast. „Fachleute sprechen von Denitrifikation. Doch diese natürliche Pufferwirkung ist endlich“, warnt die Expertin. Man dürfe sich nicht auf diesen naturgegebenen Vorteilen ausruhen.  red

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