Wo der Kuchen sich zu einem Baum dreht

200 Jahre Cottbuser Baumkuchen-Geschichte im Stadtmuseum vorgestellt

Die Cottbuserin und Baumkuchenspezialistin Joana Tschirlich präsentiert die historische Baumkuchenbäckerin Maria Groch aus Cottbus. Fotos: Bernd Marx

Das Modell der Figurengruppe auf dem Altstadtbrunnen in Cottbus. Dargestellt werden die Baumkuchenbäckerin Maria Groch, ein Fischer und eine Marktfrau aus Cottbus.

Cottbus. Mit seinen erfolgreichen Sportlern, Wissenschaftlern, Technikern, Schauspielern, Schriftstellern, Musikern und Künstlern ist die Stadt Cottbus in der ganzen Welt bekannt. Und mit dem Baumkuchen, der vor 200 Jahren in der Stadt an der Spree von Maria Groch gebacken wurde.  Am 27. November eröffnete Museumsdirektor Steffen Krestin im Beisein von über 80 Kuchenspezialisten eine „köstliche“ Ausstellung über das besondere Gebäck.

Der Duft von frisch aufgebrühtem Kaffee umhüllte den Versammlungsraum im Cottbuser Stadtmuseum, als Museumsdirektor Steffen Krestin das dazu gehörende Gebäck nicht nur in einem kurzen historischen Exkurs vorstellte, sondern auch den Anwesenden servierte.
„Die im Jahre 1801 in Cottbus geborene Maria Groch stellte 1819 erstmals den Baumkuchen der Einwohnerschaft vor“, so der Leiter der Stadtgeschichtlichen Sammlungen.
Es geht die Postille um, dass eine geschmähte und betrogene Geliebte eines Räuberhauptmanns, eines Tages aus Wut angerührten Teig über ein Lagerfeuer mit einem darüber befestigten Drehspieß schleuderte. Nach dem Abkühlen des Drehspießes, soll das so entstandene neuartige Gebäck dem verblüfften Räuberhauptmann sehr gut gemundet haben.  
Die Nachricht über diese Aktion muss bis nach Cottbus gelangt sein, denn bis zum heutigen Tag ist Cottbus für die Herstellung des  köstlichen Baumkuchens auf allen sechs Kontinenten bekannt.
Über das originale Baumkuchenrezept gab und gibt es keine eindeutige Aussage. Bekannt ist die Überlieferung des Backrezeptes von Maria Groch. Doch zu Zeiten der DDR musste auf Grund von fehlenden Zutaten oft in den Backstuben improvisiert werden. Soll aber nicht bedeuten, dass dieser Baumkuchen keine Genießer fand. 

Um die Neugier der Bevölkerung aus der Stadt Cottbus und der Umgebung zum Thema Baumkuchen zu wecken, bauten die engagierte Museumsmitarbeiterin Dagmar Pfeifer sowie ihre Kollegen Robert Büschel und Michael Kasper eine detaillierte historische Baumkuchen-Ausstellung auf.
So ist eine Baumkuchenmaschine von der Cottbuser Bäckerei Heinrich ausgestellt. Es wurde fach- und sachkundig erklärt, wie der Baumkuchen über die damals vorhandenen Gasflammen entsteht. Hilfestellung gab dabei die anwesende „ Maria Groch“, alias Joana Tschirlich, dem Publikum.
Einst wurde mit einer Handkelle die Teigmasse aus Mehl, Butter, Zucker, Eiern, geriebener Zitronenschale und Zitronensaft, Vanille, geschälte und geriebene süße Mandeln, bittere Mandeln, Salz und Eierschnee über der sich drehenden Baumkuchenwalze aufgetragen. Bei modernen Anlagen wird heute die Baumkuchenwalze nach einigen Umläufen in die Teigmasse getaucht. 

Maria Groch landete mit ihren Baumkuchen einen großen Erfolg. Bereits Jahre später präsentierten allein 15 Bäckereien, Konditoreien und Cafe’s  in der Stadt Cottbus ihren selbstgebackenen Baumkuchen. So manchem Anwesenden waren die Namen der Bäckereien oder Konditoreien, wie  Paul Hoffmann, Marie Nicius, Julius Schneider, Adolf Unterlauft, Hermann Engemann, Karl Tinius, Oskar Goebel Georg Prinz und viele weitere Baumkuchenhersteller noch in guter Erinnerung.
Anwesend war auch der 87-jährige  Bäcker- und Konditormeister Roland Henyk aus Cottbus, der noch viele interessante Details zur Herstellung des köstlichen Backwerkes und seiner Produzenten dem interessierten und aufmerksamen Publikum vorstellte und fachkundig erklärte.
Die Stadt Cottbus hat ihre Baumkuchenkönigin Maria Groch nicht vergessen. In einer Figurengruppe auf dem Altmarktbrunnen ist sie neben dem Fischer und der Marktfrau in Sandstein verewigt.  
Dem Fürsten Pückler wird nachgesagt, dass er das leckere Gebäck in viele Königs- und Fürstenhäuser brachte. Vielleicht sogar in die Länder in Übersee, die er bereiste. Jedenfalls kennt man in England und Afrika auch den Baumkuchen. Heute wird der Baumkuchen mit heller und dunkler Schokolade sowie mit Fondant überzogen, angeboten. Es gibt ihn auch ohne Glasur sowie als Baumkuchentörtchen, Baumkuchenspitzen und Baumkuchenpralinen. In der Adventszeit und zum Weihnachtsfest werden wohl die Stücke des Cottbuser Baumkuchens bei vielen Familien auf dem Teller zur Kaffeezeit liegen.    Bernd Marx, Boblitz

Zeitraum der Ausstellung: 28. November 2019 bis zum 19. April 2020.
Öffnungszeiten (Winter)

Dienstag-Freitag     10 bis 17 Uhr

Wochenende /Feiertag 13 bis 17 Uhr

Rezept nach Maria Groch:

4 Pfund Butter, 4 Pfund Zucker, 3 Pfund Kraftmehl, 50 Stück Eier, abgeriebene Schale und der Saft von vier Zitronen, 3 Stangen Vanille, dreiviertel Pfund geschälte und geriebene süße Mandeln, ein Viertel Pfund bittere Mandeln und etwas Salz.

Die Butte zu Sahne gerührt, nach und nach das Eigelb dazu und die übrigen Zutaten, und zuletzt den Eischnee von den 50 Stück Eiern. Guten Appetit!

Das  „geheime“ Rezept    soll vermutlich um das Jahr 1970 Konditor Hermann Engemann einem Journalisten übermittelt haben.

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