Nach Schweinefütterung folgt Eisenbahnfahrt

Geschichte der Spreewaldbahn rückte in das Interesse / Zahlreiche Rätsel gelöst

Eisenbahnexperte Harald Großstück, Jahrgang 1950, hat schon viele Publikationen und Artikel zur Spreewaldbahn veröffentlicht. Foto: Bernd Marx

Cottbus. Die Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur in Cottbus rückte am 15. November im Wendischen Haus mit einem Symposium  die Spreewaldbahn in den Vordergrund. Obwohl seit 50 Jahren die legendäre Schmalspurbahn nicht mehr fährt, ist das Interesse für den Bau, den Betrieb, die Lokomotiven, die Waggons, die technischen Anlagen und die Bahnhöfe sehr groß. Eisenbahnexperte Harald Großstück schilderte detailliert die Existenz der Bahn von 1898 bis 1970.  

Cottbus. Das Thema Spreewaldbahn, niedersorbisch /wendisch „Blosanskeje zeleznicy“, ruft noch heute ein reges Interesse bei der Bevölkerung in und rund um Cottbus hervor. Obwohl bereits vor 50 Jahren die Feuer in den Kesseln der „Bimmelguste“, wie sie noch heute liebevoll von der Spreewaldbevölkerung genannt  wird, gelöscht wurden, zeigen sich beim Interesse keine „Rost- oder Abnutzungserscheinungen“.

Ganz im Gegenteil, heutige Nachforschungen bringen immer wieder neue, bisher völlig unbekannte Details, zum Bau und zur Betriebsführung der 1000-Millimeter breiten Schmalspurbahn zutage.
„Die Stadt Cottbus stellte 400 000 Reichsmark und die notwendigen Flächen für die Eisenbahntrasse durch ihr Verwaltungsgebiet zur Verfügung“, so der Referent Harald Großstück (69)aus Frauendorf (SPN), der schon zahlreiche Publikationen und Artikel zur Spreewaldbahn veröffentlichte.  
Der andere Geschäftspartner war der Landkreis Lübben, sodass am 11. Dezember 1896 das Unternehmen, die „Lübben-Cottbuser-Kreisbahnen“ (LCK) gegründet werden konnte.
Mit dem Bau und der Betriebsführung der Schmalspurbahn wurde die Berliner Firma Becker & Co. beauftragt, die einst ihren Sitz in der Lübbener Bahnhofstraße/Ecke Straße des Friedens hatte.  
Am 15. März 1897 erfolgte mit der Grundsteinlegung für den Bahnhof in Straupitz der allgemeine Baubeginn der LCK. Bei der offiziellen Eröffnung der über 80 Kilometer langen Strecke am 29. Mai 1898, damals noch von Lübben-Ostbahnhof über Straupitz nach Byhlen, von Straupitz nach Goyatz und von Byhlen nach Jamlitz, zogen  die Lokomotiven „Lübben“, „Straupitz“, „Lieberose“, „Goyatz“ und „Burg“ die Ehrengäste in den festlich geschmückten Eisenbahnwagen über die Trasse.

Erst einen Monat später war die Strecke von Byhlen  über Byhleguhre und Schmogrow nach Burg-Spreewaldbahnhof  fertig. Wochen und Monate später kamen weitere Streckenabschnitte hinzu.
Am 7. Dezember 1899 war dann die komplette Strecke von Lübben bis Cottbus- Spreewaldbahnhof, Anschlussbahnhof zur Bahnlinie Berlin-Görlitz, fertig.

Später, am 22. September 1897 kam die Lokomotive „Cottbus“ und am 8. Oktober 1903 die Lokomotive „Werben“ hinzu.

„Kaum bekannt ist, dass die Eisenbahner sogar Schweine hielten“, erklärte der Eisenbahnexperte Harald Großstück, der dazu auch historische Lichtbilder zeigte. Um die Versorgung der Eisenbahner, und auch ihre tägliche Essenversorgung im Betrieb  zu sichern und zu verbessern, wurden in den Jahren von 1936 bis 1955 auf dem Eisenbahnareal in Straupitz Schweine gehalten und bei entsprechender Schlachtreife auch geschlachtet.  
Während die Schmalspurbahnstrecken von Goyatz nach Straupitz und von Straupitz nach Cottbus am 3./4. Januar 1970 stillgelegt wurden, blieb das Teilstück von Cottbus-Spreewaldbahnhof zum Cottbuser Flugplatz für die allgemeine Material- und Brennstoffversorgung erhalten. Das Teilstück wurde sogar am 14. Februar 1983 auf Normalspurbreite von 1435 Millimeter umgebaut, um den Transport der benötigten Materialmengen zu sichern. 

Nach der endgültigen Schließung des Flugplatzes am 11. Juni 2003 wurden dann auch die restlichen Gleiskörper bis zum 27. Juni 2008 entfernt.

Obwohl die Schienen der Schmalspurbahn entfernt wurden, gibt es hier und dort noch Spuren der Trasse. Zahlreiche Holzschwellen, Teile von Schienensträngen und Teile von Signalanlagen sind noch heute in der Landschaft zu entdecken. Die meisten Bahnhöfe der Spreewaldbahn haben in den letzten fünf Jahrzehnten  ihren Charme nicht verloren. Ganz im Gegenteil, sie präsentieren sich in voller Schönheit. Die neuen Besitzer der Gebäude pflegen nicht nur die Bausubstanz, sondern halten auch die Geschichte der Kleinbahn mit Ausstellungen und Präsentationen wach. Bernd Marx, Boblitz


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