Die Distel war seine Lieblingsblume

Maler Wylem Sybar verstarb vor 45 Jahren / Freunde erhalten Erinnerungen wach

Stadtpark in Vetschau. In der von Jürgen von Woyski geschaffenen Stele für den Spreewaldmaler Wilhelm Schieber / niedersorbisch/wendisch Wylem Sybar (1887 bis 1974), liegen immer frische Blumen. Fotos: Bernd Marx

Auf dem Friedhof in Vetschau befindet sich das Ehrengrab von Wilhelm Schieber /Wylem Sybar.

Vetschau. Die Spreewaldregion kennt zahlreiche Lokalpolitiker, Wissenschaftler, Schriftsteller, Dichter, Künstler und Schaffende, die das sorbische/wendische Leben prägten.
Einer von ihnen war der im heutigen Vetschauer Ortsteil Märkischheide geborene Friedrich Willy Schieber, niedersorbisch/ wendisch Wylem Sybar. Vor 45 Jahren, am 3. Dezember 1974, legte der Maler für immer die Staffelei und die Pinsel zur Seite.

Noch heute erinnern sich viele Bürgerinnen und Bürger aus der Stadt Vetschau und den umliegenden Gemeinden an den rastlosen Künstler. Bei Wind und Wetter sah man ihn mit dem quietschenden Fahrrad und der darauf fest verstauten Staffelei über die Feldwege fahren. Im Rucksack waren die Farben und die Pinsel verstaut. Auch die gesammelten Papierbögen, um seinen künstlerischen Arbeitsauftrag mit den farbigen Pinselstrichen zu erfüllen.
Sein Reiseziel über die matschigen, oft auch vereisten Feldwege, waren nicht Schlösser, Burgen oder repräsentative Bauten, sondern die Alltagswelten seiner Mitmenschen. Er machte Stopp, wenn sich über die Wiesenlandschaft der glitzernde Tau legte, die Heuernte im Gange war oder im Herbst die Vögel ihre Reise in ferne Länder antraten. Die Frostgrade nutzte er, um die Schlote mit den riesigen Qualm- und Dampfwolken der Kraftwerke Vetschau zu malen. Kaum hatte sich der Winter verabschiedet, so hielt er die eisfreien Gräben und Fließe in der Spreewaldlandschaft fest.
Und es begann für den ruhelosen Künstler die lange Zeit des Wartens. Doch dann sah er sie, seine stachlige Lieblingsblume, die Distel.

Und er malte sie hundertfach. Immer lila bunt und mit den vielen spitzen Dornen.  Sah der Künstler eine Parallele zu seinem schweren, und doch erfolgreichem Leben?

Dass Klein- Willy mal ein erfolgreicher Maler werden würde, ahnte bei seiner Geburt am 21. November 1887 in Weißagk, seit 1937 Märkischheide / Wusoka, wohl niemand.
Die Eltern, sein Vater Friedrich Wilhelm Schieber (1842 bis 1911) und seine Mutter Pauline (1854 bis 1936), geborene Kuttlow, scheinen ihm aber einige Verhaltensweisen und Impulse auf den langen Lebensweg mitgegeben zu haben. Ehrlichkeit, Disziplin, Sparsamkeit, Demut, Akribie, Heimat- und Naturliebe. Und die Verbundenheit, Liebe und Treue zu seinem Volk, den Sorben/Wenden.
Von 1902 bis 1908 besuchte der junge Weißagker das Lehrerseminar in Altdöbern bei Calau. Als Lehrer unterrichtete er in Heinersbrück, Neuzelle  und in Berlin. Hier entwickelte er die Liebe zur Malerei. Auf Grund einer Schwerhörigkeit wurde der damals 56-Jährige im Jahre 1943 vorzeitig in den Ruhestand versetzt.
Von nun an widmete er sich verstärkt der Malerei zu. Schwerpunkte waren die Menschen und die Natur. Er liebte es, die Landschaften mit all dem Dargebotenem zu malen.
Im Jahre 1948 wurde Wylem Sybar Mitglied des Sorbischen Künstlerbundes und im Jahre 1956 Mitglied des Verbandes Bildender Künstler der DDR.

Für sein künstlerisches Schaffen wurde er im Jahre 1956 durch den Rat des Bezirkes Cottbus mit dem Carl-Blechen-Preis ausgezeichnet.
1964 folgte der Kunstpreis der Domowina und im Jahre 1970 der renommierte Cisinski-Preis der Domowina. 

Über viele Jahre leitete Wylem Sybar einen Malzirkel in Burg /Spreewald. Viele seiner damaligen Schülerinnen und Schüler  führen die Arbeiten von ihrem Meister Wylem Sybar bis in die Gegenwart erfolgreich fort und sind in der Regional- und Heimatforschung sowie in der Kunstmalerei tätig.
Am 3. Dezember 1974 vollendete sich das Leben des „Spreewaldmalers“ Wylem Sybar im Alter von 87 Jahren. Er fand seine letzte Ruhe in einem Ehrengrab auf dem Vetschauer Friedhof.
Anlässlich seines 100. Geburtstages wurde eine vom Dresdner Künstler  Jürgen von Woyski (1919 bis 2000) als Bilderrahmen gestaltete Stele im Stadtpark von Vetschau feierlich eingeweiht.
Mit zahlreichen Ausstellungen, Publikationen  und Vorträgen wurde und wird an den einstigen rastlosen und erfolgreichen „Spreewaldmaler“ Wylem Sybar / Wilhelm Schieber erinnert.     
Bernd Marx, Boblitz

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