Geheimnisvolle Schätze unter dem Fußboden

Sorbisch /wendische archäologische Bodenfunde sind bisher selten aufgespürt worden

Referent Dr. Markus Agthe vom Landesamt für Denkmalpflege in Land Brandenburg im Gespräch. Foto: Bernd Marx

Neu Zauche. Immer wieder werden archäologische Funde bei Ausgrabungen in den Kirchen der Niederlausitz aufgefunden. Meist liegen sie unter dem Fußboden oder den darunter liegenden historischen Sand- und Gesteinsschichten. Die Ergebnisse der Untersuchungen spiegeln das religiöse, soziale und kulturelle Leben der damaligen Menschengruppen wider.  

Für die anwesenden zwölf Regionalforscher, Ortschronisten und Heimatkundler aus Cottbus, Lübben, Briesensee, Straupitz, Alt Zauche, Byhleguhre, Caminchen, Peitz, Boblitz und Neu Zauche im Kulturraum der „Alten Schule“ war es kein Wunder, dass der Referent Dr. Markus Agthe vom Landesamt für Denkmalpflege in Land Brandenburg, bei seinen zahlreichen und umfangreichen Ausgrabungen in den Kirchen der Niederlausitz etwas finden werden würde.  

Die Anwesenden hatten selbst schon beim Kirchenbesuch erfahren müssen, dass so manche „Kleinigkeit“ nicht den Weg ins Himmelreich sucht, sondern die physikalische Erdanziehung zu spüren bekam.
So war es nur verständlich, dass Dr. Markus Agthe, seine Ausgrabungen nahmen und nehmen den Raum von Königs Wusterhausen im Norden bis Ruhland im Süden, von Mühlberg an der Elbe im Westen bis Forst an der Neiße im Osten des Landes Brandenburg ein, sehr viele Funde registrieren konnte. Überwiegend waren es Tonscherben, Tabakpfeifen, Knöpfe, Ringe (auch Goldringe mit Initialen), Münzen, Broschen, Gesangbuchbeschläge,  kleine Schnapsfläschchen (leider leer), Nägel und viele, viele  Stecknadeln.
Gerade die letzten Fundstücke belegen, dass die Mädchen und Frauen mit ihren niedersorbischen/wendischen Konfirmations-, Kirchgangs- oder Trauertrachten zum Gottesdienst erschienen.

Während unter dem Fußboden in der Dorfkirche von Madlow bei  Cottbus  insgesamt 70 Stück Stecknadeln gefunden wurden, waren es in der dem Tagebau Welzow weichenden Kirche in Wolkenberg bei Spremberg etwa 700 Stück Stecknadeln.
Bei den Münzfunden konnte der Experte sogar den Verlust der Münzen, überwiegend waren es Hohlpfennige, Heller und Kupfermünzen, in den entsprechenden Zeitraum ihres „Verschwindens“ eingrenzen.

Von 1200 bis 1519 waren es Münzen aus Österreich, Schweden und Böhmen. Von 1520 bis 1628 fand der Archäologe hauptsächlich Münzen aus dem Rheinland. Die Verluste der Münzen entsprachen nach den Aufzeichnungen zur damaligen  Kirchen-Kollekte etwa 0,05 Prozent bis 0,1 Prozent. Auch DDR-Münzen wurden gefunden.

Manchmal wurden auch Grabstellen, Gräber oder Grüfte unter dem Fußboden der Kirchen gefunden.
So konnten die Archäologen bei der Sanierung des Fundaments in der Schinkel-Kirche in Straupitz Anfang der 1990-er Jahre sieben Zinksärge für die Nachwelt registrieren.
Auch in der Oberkirche in Cottbus wurden Grabstellen und Grüfte von reichen Bürgern der Stadt aufgespürt.  Der damalige Handwerker Hannes Seefeld hatte sogar geahnt, dass Dr. Markus Agthe 300 Jahre später seine Zeichnung im Kirchenuntergrund freilegen wird. Sie zeigt einen trinkenden Handwerker mit dem Spruch: Prost!

Auf die Frage von Pfarrer Thomas Jaeger aus Neu Zauche, ob auch niedersorbische/wendische Funde zutage gefördert werden konnten, gab es eine abschlägige Antwort vom Archäologen Markus Agthe.
Viele der aufgespürten Funde werden auch die Sorben/Wenden zur damaligen Zeit besessen und dann verloren haben.

Aber dass es ganz konkret den Sorben/Wenden zugeordnete Dinge waren, konnte bisher nicht belegt werden. Bis auf die zahlreichen Nadeln an den Fundorten.
Ute Henschel, Leiterin der Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur, meinte zur Fragestellung: „Diese besonderen Trachten wurden nur von der niedersorbischen/wendischen Bevölkerung getragen. Das ist ein eindeutiger Beleg für sorbische /wendische Kultur“.      Bernd Marx, Boblitz  

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