Als es in den Norden von Australien ging

Zehn mutige Männer der Leichhardt-Expedition starteten vor 175 Jahren ins Ungewisse

Der Gedenkstein mit Erinnerungsplatte für den Australienreisenden Ludwig Leichhardt in Sabrodt, seinem Geburtsort. Der Gedenkstein wurde am 22. Oktober 1988, am Vorabend seines 175. Geburtstages, feierlich eingeweiht. Fotos: Bernd Marx

Die von der Kunstgussgießerei Lauchhammer im Jahre 1987 geschaffene Büste "Ludwig Leichhardt". Sie steht heute im Kulturzentrum "Ludwig Leichhardt" in Trebatsch (Foto). Eine weitere Büste "Ludwig Leichhardt" übergab die DDR am 26. Januar 1988 an die Regierung Australiens anlässlich des 200. Jahrestages der Besiedlung Australiens. Die Büste steht heute im Parlamentsgebäude in der australischen Hauptstadt Canberra.

Boblitz. Zahlreiche Forscher, Wissenschaftler, Geschäftsleute und Handelsmänner haben an der Entdeckung, Kartographierung, Bewirtschaftung und Entwicklung von Australien mitgewirkt. Einer von ihnen war Friedrich Wilhelm Ludwig Leichhardt (1813 bis 1850) aus dem Dorf Sabrodt am Schwielochsee.  Vor 175 Jahren, am 1. Oktober 1844, startete der gebürtige Niederlausitzer mit neun Wegbegleitern das größte Entdeckerunternehmen der australischen Entdeckungsgeschichte.

Vermutlich waren am 1. Oktober 1844 Angst und Neugier, Zweifel und Hoffnung, Spannung und Entdeckergeist bei den zehn Wagemutigen miteinander gepaart, als sie das Herrenhaus der Familie Bell in Jimbour Station verließen.

Ihr Ziel, die Militärstation Victoria, an der Bucht von Port Essington auf der Halbinsel Cobourg anzusteuern, hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Expedition gewagt.
Mit 15 Pferden, 16 Ochsen, 600 Kilogramm Mehl, 100 Kilogramm Zucker, 40 Kilogramm Tee, einige Kilogramm Schokolade, Schießpulver sowie  mit Waffen, Munition, Zelten, Decken, Kompass und Fernrohr ausgerüstet, begann das Unterfangen.

Das Unternehmen hätte gleich nach ein paar Tagen zu Ende sein können, denn Leichhardt suchte bereits kurz nach der Abreise das dringend benötigte Trinkwasser für Mensch und Tier. Er zog daraus die Lehre, nie die Wasserläufe verlassen!

Geplant hatte der Forschermann mit niedersorbischen /wendischen Wurzeln seiner Mutter Charlotte Sophie Strehlow (1776 bis 1854)aus Hermersdorf bei Müncheberg für die etwa 5000 Kilometer lange Reise ungefähr sechs Monate.
Es kam schlimmer als gedacht. Bereits nach zwei Monaten der Überlandreise gingen die Lebensmittel zur Neige, so dass er zwei Reisebegleiter in die Zivilisation zurückschicken musste. Im Mai 1845 waren dann Mehl, Zucker und Fett restlos verbraucht, aber nur die halbe Wegstrecke geschafft.
Am 28. Juni 1845 kam es zu einer Tragödie. Es wurde mitten in der Nacht, bei einem Überfall der angreifenden Aborigines, der mitreisende Ornithologe John Gilbert (1813 bis 1845)getötet. Vermutlich wurde er durch einen tragischen Unglücksfall von den eigenen Leuten erschossen, wie jetzt Auswertungen der Reisberichte ergaben.

Hauptsächlich war es den beiden an der Expedition teilnehmenden Aborigines zu verdanken, dass die Gruppe die Reise erfolgreich beendete. Die Ureinwohner waren bestens mit dem Land und der Natur vertraut, hatten große Jagderfolge und waren ausgezeichnete Spurenleser. Leichhardt hingegen wurde von Rheuma, Nierensteinen und Sehschwäche (Kurzsichtigkeit) geplagt, so dass er täglich auf sein Pferd gehoben werden musste.

Am 17. Dezember 1845 erreichte Ludwig Leichhardt mit noch sechs verbliebenen Weggefährten die Militärsiedlung Victoria. Die Reise von Jimbour Station nach Port Essington gehört zu den längsten Forschungsreisen der australischen Entdeckungsgeschichte.

Zu den nennenswerten Erfolgen der Überlandreise zählt unzweifelhaft die Entdeckung von Steinkohle bei den heutigen Siedlungen Brigalow (Condamine River)und Comet (Comet River).  
Für die spätere Besiedlung war die Entdeckung von Flüssen, Creeks, Seen und Teichen sehr wichtig.
Da Leichhardt bei seiner Reise die Wasserwege nie verließ, konnte so auch ein umfangreiches System der Fließgewässer und Creeks für den Norden und Nord-Westen von Australien erstellt werden.  Nutznießer waren und sind Siedler, Farmer und Unternehmer sowie die Bevölkerung in den Siedlungen und Städten.

Die Überlandreise von Ludwig Leichhardt in den Jahren 1844/45 war die einzig erfolgreiche Expedition, die dem jungen Preußen gelang. Die beiden folgenden Entdeckungsreisen von 1846/47 und von 1848 waren Misserfolge. Von der 1846/47-er Reise kehrte er noch lebend zurück. Von der Reise von 1848 nicht mehr.  Nach Recherchen des Autors ist die Gruppe um Ludwig Leichhardt im Herbst 1850 am Wantata-Wasserloch von Aborigines getötet worden. Diese Aussagen machten die Aborigines im Jahre 1871 selbst. Es wurden am Wantata-Wasserloch tatsächlich zahlreiche Überreste einer Expedition von Weißen gefunden.                      Bernd Marx, Boblitz


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