Mit leichtem Wellenschlag

83-jähriger aus Boblitz denkt noch lange nicht ans Aufhören

Kurt Jurischka aus Boblitz beendet seine 67. Saison als Kahnfährmann. Foto: Bernd Marx

Boblitz. Wer im Spreewald aufwächst, der hat bereits mit jungen Jahren Kontakt zum beliebtesten Wasserfahrzeug in der wald- und wasserreichen Region - dem Kahn. Und so war es auch für Kurt Jurischka, der im Jahre 1936 das Licht der Welt in Boblitz / niedersorbisch Bobolce erblickte.
Schon als Kind fuhr er mit seinen Eltern in den „Pusch“, um Gras und Heu für das hauseigene Vieh zu holen oder beim Legen der Heuschober zu helfen.  Im Jahre 1953, damals 17 Jahre alt, fuhr er das erste Mal Touristen für ein kleines Taschengeld mit dem traditionellen Spreewaldkahn nach Leipe. Es war die Geburtsstunde des Kahnfährmannes Kurt Jurischka. Was er selbst wohl kaum damals ahnen konnte, im Jahre 2019 beendet er vorerst seine 67. Saison als Kahnfährmann.

Zwischen dem Einstand als Kahnfährmann im Jahre 1953 und der letzten Kahnfahrt im Jahre 2019 lagen schöne und erfolgreiche, aber auch dramatische und tragische Jahre.  Nach dem Besuch der Dorfschule in Boblitz erlernte er im VEB Lokomotiven-und Waggonbau Vetschau (LOWA) Anfang der 1950-er Jahre den Beruf eines Maschinenschlossers.  Später war er beim Kraftverkehr Luckau als Kraftfahrer, Dispatcher, Einsatzleiter und Meister tätig. Bereits als Jugendlicher trat er der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr, dem Männergesangsverein, der örtlichen Theatergruppe  und dem Fußballverein bei. Seine Pässe beim Fußballspiel waren beim Gegner gefürchtet, sodass er bald den Spitznamen „Schote“ bekam. 1960 wurde seine Mannschaft aus Boblitz sogar Kreismeister. Beim traditionellen Stollenreiten gewann der „Jugendälteste“, den Titel führte er über viele Jahre in Boblitz, auch so manchen Siegerkranz.

Mit dem Bau des „Boblitzer Naturhafens“ Mitte der 1990-erJahre, auf dem Gelände einer ehemaligen Müllkippe, errichtete Kurt Jurischka sich und der gesamten Gemeinde ein touristisches Denkmal in Boblitz. Seit dieser Zeit ist er auch der Vorsitzende des Fördervereins Boblitz, der sich für die Pflege und Wahrung der niedersorbischen/wendischen Traditionen und der Heimatgeschichte sowie den Landschaftsschutz einsetzt. Im Jahre 2007 erhielt er für sein langjähriges Wirken das „Goldene Ehrenruder“ des Fördervereins, die höchste Auszeichnung des Vereins. Seit Mitte der 1990-er Jahre organisiert er auch die monatlichen Verkehrsteilnehmerschulungen, setzt sich für den Natur- und Umweltschutz in Boblitz ein.

Er ist seit über 20 Jahren Mitglied im Seniorenbeirat der Stadt Lübbenau. Im Jahre 2011 konnte Kurt Jurischka mit seiner Frau Elli noch die „Goldene Hochzeit“ feiern. Ein Jahr später wurde er Witwer. Noch immer ist der rüstige Rentner auch bei der Pflege historischer landwirtschaftlicher Traditionen aktiv. So legt er seit Jahren beim Lübbenauer Spreewald- und Schützenfest einen traditionellen Heuschober im Lübbenauer Schlosspark, so auch im Jahre 2019. Gegenwärtig trifft man ihn täglich am „Naturhafen“ in Boblitz an, bei den letzten Herbstarbeiten und bei der Vorbereitung auf den Winter. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht.
Und viele Urlauber und Touristen freuen sich, vom ältesten Kahnfährmann durch den Spreewald kutschiert zu werden. Bernd Marx, Boblitz

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