U-Boot „725“ im Hafenbecken

Über 5.000 Besucher feierten „725 Jahre Raddusch“

Am vergangenen Wochenende feierte die Spreewaldgemeinde Raddusch ihr 725 jähriges Jubiläum mit einem abwechslungsreichen Programm und einem Kahnkorso mit 40 geschmückten Kähnen. Foto: Detlef Grabitz

Ortschronist und Moderator Manfred Kliche traute seinen Aufzeichnungen nicht. Das U-Boot „725“ stand nicht auf seiner Liste und wurde so zur großen Überraschung zur Jubiläumsfete. Foto: Bernd Marx

Raddusch. Wer in den Vetschauer Ortsteil zum Feiern fährt und kommt, der sollte eine gute, sichere und stabile Kondition haben. Wenn das Dorf nämlich feiert, dann geht die „Kahn-Post“ ab.
So auch am Wochenende, als heiter, fröhlich und ausgelassen die urkundliche Ersterwähnung vor 725 Jahren gefeiert wurde. Das erste nachweisbare Schriftstück stammt vom 30. April 1294, als der Ort noch als „Raddets“ und „Raddiß“ in den Annalen geschrieben steht. Vermutlich geht die Namensbezeichnung auf einen Personen- oder Stammesnamen der slawischen Erstsiedler zurück.
 Der Ort ist bereits über tausend Jahre alt, wie wissenschaftliche Untersuchungen an der nahen, und aus dem 9. Jahrhundert stammenden Slawenburg ergeben haben.

Bereits am Freitagabend begann das Festwochenende mit einer grusligen, spannenden und erkenntnisreichen Geistertour. Viele Einwohner und Besucher dachten am Samstagvormittag an eine Fortsetzung, als sie im Hafenbecken das U-Boot „725“ sahen. Es war kein Trugschluss, tatsächlich wurde der Kahnkorso mit den 37 ausgeschmückten Kähnen vom grauen U-Boot mit der Jubiläumsnummer „725“ und dem Wappen von Raddusch angeführt.  Dass die niedersorbischen/wendischen Traditionen, Sitten und Bräuche im Dorf noch großgeschrieben werden, zeigten die vielen Mädchen und Frauen durch das Präsentieren der farbigen Festtags- und der blau-weißen Arbeitstrachten an.

Es gab kaum einen festlich ausstaffierten Kahn, wo nicht die niedersorbische/wendische Kultur, Handwerk, Gewerbe oder Geschichte ihre historischen Wurzeln hat. Das zeigten die Dorfjugend, Kulturgruppen, Musikanten, Schützen, Feuerwehrmänner, Müller, Fischer, Flachsbrecher, Landwirte, Gurkeneinleger, Gemüsebauern, Imker, Zimmerleute, Töpfer und Vertreter zahlreicher Gasthäuser mit ihrem Inventar und den Arbeitsgeräten in den Kähnen an.
Mit besonderem Beifall der vielen tausend Zuschauer am Hafenrund wurden die 40 Mädchen und Jungen, die örtlichen Lutken, der Kita „Marjana Domaskojc“ unter Führung von Leiterin Michaela Murrer empfangen.

„Unsere Kinder lernen mit großer Freude und Stolz bereits seit vielen Jahren die niedersorbische /wendische Sprache in der Kita“, erklärte Erzieherin Sandy Weber, die gemeinsam mit der Erzieherin Uta Körner den Kindern die einstige Heimat- und Muttersprache in der Spreewaldregion lehrt. Sprachforscher Arnost Muka zählte im Jahre 1884 noch 854 Sorben/Wenden sowie „ nur“ 15 Deutsche in Raddusch. „Die Einwohnerschaft und die zahlreichen Heimat- und Kulturvereine, die Ortschronisten, die Freiwillige Feuerwehr  und der Kahnfährverein führen die niedersorbische /wendische Traditionen mit großer Freude und in hoher Qualität fort“, so Ortsvorsteher Ulrich Lagemann.
Und so war es nicht verwunderlich, dass die neue Initiative vom Baumpflanzen in Raddusch sehr schnell die Gesprächsrunde machte.

In den nächsten Monaten und Jahren sollen 725 junge Bäumchen, hauptsächlich Apfel- und Birnenbäumchen, in und um Raddusch unter der Regie der Spreewald-Akademie, der Kita, der Einwohnerschaft, der Vereine und der Gemeindevertretung  gepflanzt werden.  Die Lutken der Kita wollen zusätzlich noch Insektenhotels für die neuen Bäume basteln. Schon jetzt ein Beitrag für die nächste Fete, die 750- Jahrfeier von Raddusch im Jahre 2044.  Bernd Marx, Boblitz

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