Mit Eisenbahnblut in den Adern

Drei Generationen der Familie Walter aus Straupitz lebten für die Spreewaldbahn

Ingrid und Horst Walter auf ihrem Grundstück in Straupitz. Kein Tag vergeht, ohne dass sie an ihre erfolgreiche Tätigkeit bei der Spreewaldbahn denken. Foto: Bernd Marx

Ingrig Walter im Jahre 1956 als 15-jähriger Lehrling im Wintermantel der Deutschen Reichsbahn. Foto: privat

Straupitz. Vom Jahre 1898 bis zum Jahre 1970 schlängelte sich die legendäre Spreewaldbahn auf den 1000-Millimeter breiten Schienen durch die Landschaft zwischen Lübben, Straupitz, Byhlen, Lieberose, Jamlitz, Goyatz, Byhleguhre, Schmogrow, Burg, Werben, Briesen, Sielow und Cottbus. In all den rund 73 Jahren Betriebszeit war immer wenigstens ein Mitglied der Familie Walter aus Straupitz an dieser Bahnstrecke anzutreffen. Bis heute halten Horst und Ingrid Walter der vor 50 Jahren stillgelegten Schmalspurbahn mit dem Berichten von historischen Episoden die Treue.

Mit dem Erzählen von interessanten und spektakulären Fahrten mit der Spreewaldbahn ist der im Jahre 1938 im Spreewalddorf Straupitz geborene Horst Walter in der frühen Kinder- und Jugendzeit großgeworden.  Kein Wunder, waren doch bereits sein Großvater Paul Walter (1876 bis 1928) und sein Vater Herbert Walter (1906 bis 1945) als Heizer und als Lokomotivführer bei der Spreewaldbahn beschäftigt.
Was lag da näher, im Jahre 1952 auch bei der Schmalspurbahn im Ausbildungsbetrieb in Lübben als Lehrling für Betriebs- und Verkehrseisenbahner die Tätigkeit aufzunehmen.
Die Technische Berufsschule war damals in der Lübbenauer Karl-Marx-Straße und der technische Ausbildungsstätte in der Vetschauer Straße in Cottbus.
Bereits mit 17 Jahren ausgelernt, übernahm Horst Walter im September 1955 im Straupitzer Bahnhof die Fahrkartenausgabe im verantwortlichen Verkehrsdienst.
Ein Jahr später legte er die Prüfung als Fahrdienstleiter erfolgreich ab. Nun war er an den Bahnhöfen in Straupitz, in Lübben und in Burg wechselseitig im Einsatz.
Glück für Horst Walter, denn so lernte er seine spätere Ehefrau Ingrid in Lübben kennen.
Im Jahre 1961 wurde geheiratet und 1963 machte die Tochter Ines das junge Familienglück perfekt.
Ihren gemeinsamen Wohnsitz hatte das Paar nun, bis zum heutigen Tag, in der Spreewaldgemeinde Staupitz, wie schon ihre Eltern und Großeltern.
Im Jahre 1969 übernahm Horst Walter auf dem Bahnhof in Straupitz die Funktion des Fahrdienstleiters, die er bis zur letzten Fahrt der Spreewaldbahn am 3./4. Januar 1970 inne hatte. Auch war er Brigadeleiter für etwa 15 Beschäftigte, darunter die Rangierer, Schrankenwärter, Weichenwärter und die Aufsicht.

Bis zum Eintritt in den Vorruhestand im Jahre 1996 übernahm er verantwortungsvolle Aufgaben am Bahnhof in Lübben. Während seiner 46-jährigen Dienstzeit bei der Deutschen Reichsbahn, seit dem 1. April 1949 gehörte die Spreewaldbahn zur Deutschen Reichsbahn, wurde Horst Walter mit der Verdienstmedaille der Deutschen Reichsbahn Stufe I, mit zahlreichen Treuemedaillen und mehrfach als Aktivist ausgezeichnet.
Ingrid Walter, Geburtsjahr 1941, begann am 1. September 1955 ihre Ausbildung  als Betriebs- und Verkehrseisenbahner am Lübbener Bahnhof. Nach der erfolgreichen Ausbildung war sie von 1961 bis 1963 in der Lohnbuchhaltung bei der Spreewaldbahn in Straupitz, und bis 1968 in Cottbus tätig.
Da Ende der 1960-er Jahre mit der teilweisen Stilllegung der Spreewaldbahn begonnen wurde, wechselte sie den Arbeitsplatz und war in der Verwaltung eines Betrieb in Neu Zauche beschäftigt.

Obwohl bereits seit 50 Jahren kein Pfeifen und Fauchen der Spreewaldbahn mehr zu hören ist, vergessen ist die Geschichte der „Spreewaldguste“ bei der Familie Walter in Straupitz nicht.
Ganz im Gegenteil. In einem Familienarchiv werden die Unterlagen, Dokumente und Fotos zur Familiengeschichte, und diese Geschichte ist immer mit der Spreewaldbahn eng verbunden, sorgsam gehegt und gepflegt. Bereitwillig und interessiert geben die beiden „Alt-Eisenbahner“ der Interessengemeinschaft Spreewaldbahn e.V. Straupitz Auskunft über die zahlreichen Details zur Spreewaldbahn und zum Bahnhof Straupitz, der über 40 Jahre das „Zuhause“ von Horst Walter war.

Kein Wunder, dass er auf jede Frage zur legendären Schmalspurbahn eine konkrete Antwort weiß und kennt. Mit großer Freude nehmen die Walters zur Kenntnis, dass die Geschichte der Spreewaldbahn nicht vergessen ist und die „Fortsetzung“ der Bahngeschichte bei fleißigen Mitgliedern und in jungen Händen ruht.                     Bernd Marx, Boblitz
 


 


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