Herbert nahm den Eisenbahner-Staffelstab auf

Herbert Walter folgte seinem Vater Paul Walter in die Schmalspurlokomotive

Herbert Walter (1906 bis 1945) war sein gesamtes Arbeitsleben bei der Spreewaldbahn in Straupitz beschäftigt gewesen. Er verstarb in einem sowjetischen Kriegsgefangenenlager. Fotos: privat

Herbert Walter führte am 23.Februar 1928 seine Anna (geborene Werchosch aus Werben) vor den Altar der Straupitzer Kirche.

Straupitz. Wenn gleich vier Personen aus einer einzigen Familie bei der Spreewaldbahn tätig waren, dann füllen die dort gemachten Erinnerungen ganze Bände. Auf diese über 70-jährigen Erfahrungen kann die Familie Walter aus der Spreewaldgemeinde Straupitz schauen.  Vater und Lokführer Paul Walter (1876 bis 1928) hieß seinen Sohn Herbert (1906 bis 1945) bald auf der Lokomotive als Heizer willkommen.

 Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass das Thema Eisenbahn in der Familie Walter in der Spreewaldgemeinde fast tägliches Gesprächsthema war. Mit der Eröffnung der Schmalspurstrecke von Lübben nach Straupitz, Goyatz, Lieberose und Cottbus in den Jahren 1898/99 gehörte auch der im Jahre 1876 geborene Arthur Paul Walter zum Team der gestandenen, pflichtbewussten  und verantwortungsvollen Heizer und Lokführer auf den damaligen sieben Lokomotiven „Lübben“, „Straupitz“,  „Goyatz“, „Lieberose“, „Burg“, „Werben“ und „Cottbus“.
Kein Wunder, dass beim im Jahre 1906 geborenen Sohn Herbert Walter auch das „Eisenbahnblut“ in den Adern und Venen floss.

Mit Willen, Fleiß und Ehrgeiz absolvierte Herbert die Grundschule von 1912 bis 1920 in Straupitz mit besten Ergebnissen.
Es wird keine großen Überlegungen für den damals 14-Jährigen gegeben haben, als die Zeit der Lehrlingsaufnahme begann. Für den Jugendlichen stand fest: „Ich werde, wie mein Vater, ein guter Eisenbahner bei der Spreewaldbahn!“. Gesagt, getan.

Nach der Zeit der Lehre wurde Herbert Walter Heizer bei der Spreewaldbahn. Man kann durchaus vermuten, dass er oft auch mit seinem Vater Arthur Paul Walter, der Lokomotivführer war,  so manche gemeinsame Eisenbahntour durch die Spreewaldlandschaft durchführte.
Wenn wenig später der junge Herbert Walter durch das Spreewalddorf Werben fuhr, schlug sein Herz etwa schneller. Das war nicht der harten Arbeit am Heizungskessel geschuldet, sondern dem Blick nach seiner Braut Anna Werchosch (1906 bis 1960), die im Dorf wohnte.

Am 23. Februar 1928 führte Herbert Walter seine Anna vor den Altar in der Straupitzer Kirche.
Die junge Familie lebte fortan in der Straupitzer Bahnhofstraße, in einem über hundertjährigem kleinen Siedlungshaus. Neben der Tätigkeit bei der Spreewaldbahn führte die junge Familie noch eine kleine Landwirtschaft auf dem kleinen Grundstück.
Bald machten die Kinder Ellen (1929 bis 1996), Horst (Geburtsjahr 1938) und Dieter (Geburtsjahr 1943) das Glück der Familie perfekt. Doch dann verdunkelte sich der Himmel über das Deutsche Reich. Die Folgen des 2. Weltkrieges (1939 bis 1945) erreichte auch das Spreewalddorf Straupitz.

Im Jahre 1943 wurde Herbert Walter zur Arbeit nach Altlandsberg abkommandiert.
Wenig später erfolgte die Einberufung zur Deutschen Wehrmacht. Die letzten Briefe an seine Frau in Straupitz machten deutlich, dass Herbert Walter in den letzten Wochen des 2. Weltkrieges als Soldat in Oberschlesien im Fronteinsatz war. Dann setzte der Briefwechsel aus. Für immer.
Erst die Nachforschungen seiner Frau Anna über das Deutsche Rote Kreuz führten zur Nachricht, dass ihr Mann im Jahre 1945 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft verstorben sei. Keine weiteren Details, wo, wie und wann der Tod ihn in der Gefangenschaft ereilte. Damit teilte Herbert Walter das tragische Schicksal von so manchem Eisenbahner der Spreewaldbahn. Die Belegschaft der Schmalspurbahn hatte hohe Verluste in ihren Reihen zu registrieren.

Für Anna Walter begann eine schwere Zeit, fehlte doch der Haupternährer der Familie. Die beiden Jungen Horst und Dieter haben ihren Vater nicht bewusst in Erinnerungen, da sie damals noch zu klein waren. Doch die vergilbten Fotos erinnern bis heute die beiden Jungen, dass ihr Vater einst für den notwendigen Dampf in der Schmalspurlokomotive sorgte. Was keiner damals ahnte, der  Eisenbahn-Staffelstab der Familie wurde wenige Jahre später weitergegeben. Bernd Marx, Boblitz

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