Per Wasserkraft zu Mehl, Kleie und Schrot

Familie Paulick hält in Müschen bei Vetschau 171-jährige Mühlengeschichte aufrecht

Müllermeister Dirk Paulick (links) erklärt den Besuchern und Gästen die Verarbeutungsstufen des Getreides vom Korn zum Mehl. Foto: Bernd Marx

Müschen. Tausende Technikfreaks und Interessierte besuchten anlässlich des 26. Deutschen Mühlentages zu Pfingsten 2019 historische und aktive Wind- und Wassermühlen in Deutschland.
Die geschichtlichen und wirtschaftlichen Veränderung werden deutlich, dass es im Jahre 1950 noch über 10. 000 Mühlen in Deutschland gab, gegenwärtig sind es noch etwa 200 Mühlen.
Auch die Paulick Wassermühle in der Nähe von Müschen bei Vetschau hieß die Freunde der Mühlentechnik herzlich willkommen.  Sie ist die einzige Wassermühle im Land Brandenburg, die noch täglich Getreide zu Mehl, Kleie und Schrot verarbeitet. 

Im Jahre 1848 vergab die gräfliche Familie zu Lynar aus Lübbenau die wichtigen Wasser-, Stau und Mühlenrechte an den damaligen Müller Kerstan. Viel Wasser ist seit dieser Zeit durch das Greifenhainer Fließ, niedersorbisch/wendisch „Kzschischoka“, geflossen.
In dieser Zeit hat die Wassermühle so manche Veränderung erlebt. Im Guten, wie im Bösen, denn auch Feuersbrunst, Neubau und Einbau von moderner Technik erlebte der  Gebäudekomplex.
Kurzum, seit rund 30 Jahren ist Dirk Paulick (Jahrgang 1965) der jetzige Müllermeister und studierte Fachmann für Getreideverarbeitung auf der historischen Mühle zwischen Müschen und Vetschau.
Es ist ein Familienbetrieb, wo Sohn Stephan (Jahrgang 1989) als Müllermeister und weitere Mitglieder der Familie bei der Produktion von hochwertigen Mehlen aus Weizen, Roggen, Hafer, Mais, Gerste und Dinkel mitwirken. 

Verarbeitet wird hauptsächlich Getreide aus ökologischem Landbau der Region. Und die produzierten Mehle bleiben auch in den Bäckereien der Region. Die Bevölkerung schätzt die hohe Qualität der Mehle bei der späteren Verarbeitung.

Bei den Führungen, an denen mehrere Hundert Mühlenfreunde teilnahmen, wurde deutlich, dass der Arbeitsprozess vom Getreidekorn zum Mehl sehr aufwendig ist. Die heutige Mühlentechnik hat nichts mehr mit der Mühlentechnik des Mittelalters zu tun. Heute ist modernste, mehrstufige und leistungsfähige Verarbeitungstechnik im Einsatz.
Anfangs wird das angelieferte Getreide bis zu 10 Mal sorgfältig von Staub, Schmutz, Grassamen und eventuellen Steinchen gereinigt. 

Dann werden die Getreidekörner bis zu 16 Mal (Weizen)zerkleinert und gemahlen. Roggen wird bis zu 12 Mal dem Mahlprozess zugeführt. Im Walzenboden standen einige Walzenstühle mit einer Masse von über drei Tonnen. Dazu kamen meterlange Rohrleitungen, wo die Mehle zur weiteren Qualitätsverbesserung geleitet wurden. Auch verschiedene Siebe kommen zu Anwendung, um die entsprechende Qualität der Mehle zu erreichen.
Bei den Führungen waren die Maschinen zum Schutz der Besucher, Sicherheit vor beweglichen Teilen und Geräuschpegel, abgestellt.

Heute reicht die Energie der im Jahre 1949 eingebauten Francis-Turbine nicht mehr aus, um alle Maschinen mittels Transmission anzutreiben. Leistungsstarke Elektromotoren in der Verarbeitungskette garantieren, dass dem Kunden 20 verschiedene Mehle zur Verfügung stehen.
Die tägliche Leistungskapazität der Paulick Wassermühle liegt bei durchschnittlich drei Tonnen Mehl, Kleie und Schrot.

Die Führung war ein wichtiger und hochinteressanter Exkurs vom Getreidekorn zum Mehl.
Damit wurde auch an den einstigen Müllermeister Friedrich Wilhelm Paulick erinnert, der im Jahre 1890 die erste Seite der Familiengeschichte „Wassermühle Paulick“ aufschlug und dazu wichtige Notizen für die Produktion von den Mehlsorten anfertigte.
Wer wollte konnte auch die produzierten Mehle gleich in Qualität und Geschmack probieren.
Tüten mit Mehl, Gries, Flocken, Vollkorn und Kleie standen in den Regalen.
Gelegenheiten zum Kauf der verschiedenen Mehle hatten Besucher und Gäste im hauseigenen „Mühlenladen“.  Und an den Verkaufsständen wurden frische Brote, Semmeln und Kuchen angeboten. Natürlich Mehle von der Wassermühle Paulick in Müschen bei Vetschau.  Bernd Marx, Boblitz

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