Spreewaldkleinbahn - wie in einem Spinnennetz gelegen

Verbindungen zu wichtigen Eisenbahnstrecken im In- und Ausland waren gewährleistet

Die Beschilderung des Bahnhofes in Jamlitz führte oft zu Verärgerungen bei den Reisenden. Am Bahnhofsgebäude der Bahnstrecke Cottbus-Grunow (Ostseite) war die Beschilderung "Lieberose". Fotos: Bernd Marx

An der westlichen Gebäudeseite des Bahnhofes stand richtigerweise "Jamlitz", denn der Reisende befand sich noch im Dorf Jamlitz . Um nach Lieberose-Stadt zu gelangen, Entfernung etwa 6 Kilometer, musste der Reisende etwa 80 Meter in westlicher Richtung zum Bahnhof der Spreewald-Kleinbahn zurücklegen.

Boblitz. Als in den Jahren 1898/99 das rund 85 Kilometer lange Streckennetz der Spreewald-Kleinbahn fertiggestellt war, es gab allerdings noch einige Arbeiten an den Spreewaldbahnhöfen, Haltepunkten und Bedarfshaltestellen zu realisieren, hatte das Bahnsystem der 1000-Millimeter-Schmalspurbahn wichtige Verbindungen zu bedeutenden Bahnstrecken im Deutschen Reich geschaffen. Die Bevölkerung des Spreewaldes hatte den Anschluss an die weite Welt erhalten. Die Menschen konnten nun über den „Tellerrand“ schauen und die Welt mit anderen Augen sehen.

Für die Bevölkerung der Spreewaldregion hatte der Anschluss an das umfangreiche Schienennetz im Deutschen Reich und in Europa die gleiche Bedeutung, wie die Landung auf dem Mond vor 50 Jahren.
Wer wollte, konnte nun die Städte, Länder und Regionen erreichen, die er nur vom Schulatlas oder Zeitungsberichten her kannte.

Es musste nun kein Traum mehr bleiben, mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok an den Pazifik zu reisen, da die 9288 Kilometer lange Eisenbahnlinie, die längste der Welt, im Jahre 1900 vollständig fertiggestellt worden war.  Es musste ja nicht gleich so weit gehen.
Auch die Städte im Deutschen Reich waren ein beliebtes Reiseziel.
In Lübben hatten die Passagiere, wie auch die Güter, Anschluss an der im Jahre 1866 errichteten Bahnstrecke Berlin - Görlitz.  Und nicht nur das.

Von Berlin aus gelang man nach Hamburg. Die Berlin-Hamburger Eisenbahngesellschaft nahm am 15. Dezember 1846 bereits den Dienst auf. Und tausende Sorben/Wenden und Deutsche aus der Spreewaldregion nutzten den Bahnanschluss zur Auswanderung nach Amerika und Kanada, Südamerika, Südafrika und Australien.

Am 1. April 1898 wurde die Strecke von Lübben –Hauptbahnhof nach Falkenberg /Elster über Luckau und Uckrow –Süd der Niederlausitzer Eisenbahn Aktiengesellschaft (NLE AG)in Betrieb genommen.
In Uckrow gab es die Anbindung zur Bahnstrecke Berlin-Dresden.

Im Jahre 1911 wurde die Bahnstrecke von Luckau nach Finsterwalde fertiggestellt.
Am 30. Dezember 2018 fuhr nochmals ein historischer Museumszug mit 500 begeisterten Eisenbahnfreunden und Technikfreaks von Kleinbahren nach Crinitz im Norden und nach Birkwalde, Breitenau und nach Finsterwalde/ Frankenauer Weg/ Westring im Süden.
Der Blickpunkt informierte bereits am  3. Januar 2019 ausführlich darüber.
Von Finsterwalde aus gelang der Reisende entweder nach Cottbus im Osten, Calau im Norden oder nach Leipzig und Halle im Westen.

Seit 1887 gab es bereits die Bahnlinie von Finsterwalde nach Schipkau.
Die Weiterführung von Lübben nach Beeskow-West über Hartmannsdorf, Börnichen-Schlepzig, Krugau, Groß Leuthen-Gröditsch, Bückchen, Wittmannsdorf, Briescht, Tauche und Kohlsdorf erfolgte erst am 24. November 1901. In Beeskow gab es für den Zugreisenden die Möglichkeit, nach Grunow zu gelangen.
In Grunow wiederum hatte der Reisende die Möglichkeit, nach Jamlitz (Lieberose-Anschlussbahnhof), und damit zur Anbindung der Spreewald-Kleinbahn zu gelangen. Die anderen Bahnziele von Grunow aus waren Frankfurt /Oder im Norden und Cottbus im Süden. Von Cottbus aus gab es die Möglichkeit nach Breslau zu gelangen und von Frankfurt / Oder konnte Stettin erreicht werden.
Es gab sogar Überlegungen, die Spreewald-Kleinbahn von Lieberose-Stadt über die Gemeinden Mochlitz, Trebitz, Karras und Friedland zur Stadt Beeskow weiter zu bauen.

Von Siegadel plante man eine Bahnstrecke über Dollgen nach Gröditsch sowie von Goyatz über Ressen, Sawall, Trebatsch und Rocher nach Briescht. Welche eine Chance für den Tourismus. Doch leider blieb der Traum der vielen tausend Eisenbahnfreunde in den Zeichnungsunterlagen stecken.
Vor rund hundert Jahren konnte man das Eisenbahnnetz in der Niederlausitz und in der Spreewaldregion wahrlich mit einem „Spinnennetz“ vergleichen. Doch dann begannen die Fäden langsam zu zerreißen.     (Fortsetzung folgt)                    Bernd Marx, Boblitz

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