Zuhörer und Gesprächspartner für Inhaftierte

Frank Fechner ist neuer evangelischer Seelsorger in der JVA Luckau-Duben

Frank Fechner (rechts) ist neuer Gefängnisseelorger in der JVA-Duben. Bei einem festlichen Gottesdienst am 15. Dezember ist er in sein Amt eingeführt worden. Foto: Franziska Dorn

Duben. Frank Fechner ist seit September der neue evangelische Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Luckau-Duben. Am 15. Dezember ist er in seinen Dienst eingeführt worden. Zum feierlichen Gottesdienst waren Vertreter des Justizministeriums, der Landeskirche, des Beirats für evangelische Gefängnisseelsorge, der Anstaltsleitung, Vertreter aus dem Kirchenkreis Niederlausitz, katholische Kollegen, Freunde, Familie und Häftlinge gekommen. 

Ein gemütlicher Raum in freundlichen Farben, ein schlichtes Holzkreuz an der Wand. Davor ein Alter mit Kerzen, ein Klavier, der Weihnachtsstern. Vorn steht Pfarrer Uwe Breithor und begrüßt die Gemeinde. Ein normaler Gottesdienst, wie er überall stattfindet. Und doch nicht ganz. Wenn man durch die bodentiefen Fenster schaut, ist zu erkennen, wo man ist. Es sind Gitter und Zäune zu sehen.  

So ist Uwe Breithor nicht nur ein evangelischer Pfarrer, sondern zugleich der Landespfarrer für die evangelische Gefängnisseelsorge. Er führt heute Frank Fechner in sein Amt als Gefängnisseelsorger ein. Die Urkunde dazu überreichte Personalreferentin Dorothea Braeuer von der Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Ekbo). Frank Fechner tritt die Nachfolge von Ernst-Günter Heyde an in der JVA Luckau-Duben an. Hier sind vorrangig Frauen und Männer inhaftiert, die lange Haftstrafen verbüßen müssen. 300 Haftplätze gibt es. Frank Fechner kommt aus der Region. Er ist in der Nähe von Golßen aufgewachsen. Einen Teil seiner Ausbildung zum evangelischen Theologen hat er in der Justizvollzugsanstalt Tegel absolviert, später eine diakonische Einrichtung geleitet. Nun führt es ihn wieder zurück zur Arbeit mit Menschen, die in einer Ausnahmesituation leben. „Seit September ist Herr Fechner unser Seelsorger und ich erlebe ihn sehr engagiert und mit großer Hingabe und Zuwendung“, begrüßt ihn der Anstaltsleiter Hanns-Christian Hoff sichtlich freudig. Beistand und Trost seien in einem Gefängnis besonders wichtig.

So kühl das Arbeitsumfeld, so freundlich und warmherzig wirkt der 56-jährige Fechner. Er lächelt viel. Für die Infhaftierten ist er zuallererst Zuhörer und Gesprächspartner. „Ein Gefängnis ist kein Wohlfühlort und erst recht kein kommunikativer Ort. Jeder Mensch aber hat das Bedürfnis, zu sprechen, sich auszutauschen. Die Häftlinge können sich zu einem Gespräch in meinem Büro anmelden. Alles, was besprochen wird, bleibt unter uns. Es gibt keine Notiz in der Akte, keine Folgen. Meine Angebote nehmen die Männer und Frauen unterschiedlich wahr. Ich spüre bei vielen aber ein großes Bedürfnis und positive Resonanz nach meinen ersten Monaten“, erklärt der Seelsorger. Einmal in der Woche lädt er die Inhaftierten zu einem Gottesdienst ein. Mit der Zahl der Gottesdienstbesucher sei er zufrieden.  
Heute, bei diesem Gottesdienst im Advent, beteiligen sich drei männliche Häftlinge an dem Fürbittengebet. Unter ihnen ist auch Michael P., der eine lange Haftstrafe verbüßen muss. „Mit meiner Großmutter bin ich in die Kirche gegangen. Als sie verstarb, war der Bezug zur Religiösität weg. Erst hier in der JVA habe ich den Glauben neu kennengelernt. Ich habe sogar einen Bibelkurs absolviert. Der Glaube ist mein Halt“, sagt der 48-Jährige. Darüberhinaus sei auf Michael W. Verlass. Wenn es etwas zu tun gebe, helfe er gern, bestätigt Fechner.

Die Lieder und Worte im Gottesdienst bekommen innerhalb der Gefängnismauern etwas seltsam Konkretes. Wenn etwa Frank Fechner betet: „Erleuchte die Dunkelheit und gebe Trost“ oder wenn die bekannten Adventslieder auf die nahende Erlösung hinweisen. „Die Advents- und Weihnachtsszeit ist eine der schwersten Zeiten für die Inhaftierten. Die Nähe, die Wärme, das familiäre Miteinder gibt es hier nicht. Da wird meine Arbeit noch einmal besonders wichtig“, erläutert Fechner. Unterstützt wird er von seiner katholischen Kollegin Monika Polanski und dem katholischer Pfarrer Bronislaw Marecik.
Seine Arbeit solle aber nicht nur hinter den Gefängnismauer wirken. „Brücken schlagen“ ist sein Motto, was zunächst stutzen lässt. Fechner möchte die Brücken zu den Kolleginnen und Kollegen im Pfarrdienst, aber auch zur Kommune und der Öffentlichkeit bauen. Dies wünscht sich auch Superintendent Thomas Köhler. Er hoffe, dass die Arbeit Fechners über die Gefägnismauern hinaus strahle. Dies könne auch den Häftlingen helfen, nach der Entlassung, den Anschluss an die Gesellschaft zu finden. Die evangelische Gefägnisseelsorge in der JVA Luckau-Duben wird durch die Ekbo gewährleistet. red



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