Den Sorben/Wenden ein guter Freund und Helfer

Pfarrer, Botaniker und Astrologe Albin Moller aus Straupitz vor 400 Jahren verstorben

Im Jahre 2005 wurde in Straupitz die Albin-Moller-Gedenkstele errichtet. Fotos: Bernd Marx

Von Pfarrer Albin Moller wurde die Distel, Große Klette, in Niedersorbisch/Wendisch mit dem Wort "badack" sowie "roanowe lopjena" beschrieben.

Boblitz.

Zu den bedeutendsten, einflussreichsten und erfolgreichsten  Menschen in der Spreewaldregion gehört Albin Moller, der im Jahre 1541 in Straupitz, niedersorbisch/wendisch Tsupc, geboren wurde.
Seine latinisierte Namensform war als Albinus Mollerus Straupicensis bekannt. Im 16. Jahrhundert kamen zahlreiche Geistliche, Angestellte und Beamte in die Spreewaldregion, die Anhänger des Reformators Martin Luther (1483 bis 1546) waren. Erleichtert wurde der Entschluss, dass die Standesherrschaft von der Schulenburg auf Straupitz auch Anhänger des Protestantismus waren. Dazu gehörte auch die Familie Moller, die vermutlich eine Wind- oder Wassermühle in Straupitz oder der nahen Umgebung bewirtschafteten, wie der Namen Moller-Müller hinweist. Nach dem Schulbesuch in Calau, damals noch Kalau geschrieben, studierte er an der Universität in Frankfurt /Oder Theologie, Mathematik, Musik und Astrologie. In den Unterlagen der Universität ist der Name „Albinus Moller Kalowensis“ belegt. Später setzte er das Studium in Wittenberg fort. 1569 verließ er die Universität mit dem Grad eines Magisters.  
Anfangs lebte Albin Moller in Tornow bei Lübbenau, später in Großgrabe bei Bernsdorf in der Oberlausitz.

In dieser Zeit verfasste er bereits erste astronomisch-astrologische Abhandlungen und Kalender.
Im Jahre 1574 übernahm er die Pfarrstelle in Straupitz. Hier widmete er sich der Übersetzungen von niedersorbischen /wendischen Wörtern und Texten ins Deutsche und umgekehrt.
Im Jahre 1574 erschien sein Buch „Niedersorbisches Gesangbuch und Katechismus“ in Bautzen, welches 127 Choräle, darunter 29 Psalmlieder, enthält. Neun Psalmlieder hatte Albin Moller selbst verfasst. Bei all seiner Arbeit war Martin Luther sein Vorbild, der die Psalmliedtradition begründet hatte.
Auf Grund von Streitigkeiten bei der Auslegung des Heiligen Abendmahles im protestantischen Kirchendienst verlor Moller seine Pfarrstelle in Straupitz und zog nach Klein Döbbern.

Seine Lebenssituation verschlechterte sich. Er hielt sich mit dem Verfassen von astrologischen Kalendern mehr schlecht als recht über Wasser. Seine Liebe und Zuneigung galt aber seinem Volk, den Sorben/Wenden. Er erkannte die Situation, niedersorbische/wendische Bezeichnungen aus dem Alltag, der Umwelt oder der Natur zu erfassen, bevor sie mit der Zeit aus der Alltagssprache verschwinden.
So erfasste Albin Moller 240 wendische Pflanzennamen, die von großer Bedeutung für die heutigen Sprachwissenschaftler sind.

Albin Moller pflegte nachweislich auch einen regen Kontakt zum berühmten Astronomen Johannes Keppler (1571 bis 1630) in Prag, der die Nachfolge von Tycho de Brahe (1546 bis 1601) antrat. Es ist nicht bekannt, ob Albin Moller alle wissenschaftlichen und mathematischen Berechnungen auch im Detail verstand. Belegt ist aber, dass er am 11.September 1609 seinen Brief an Keppler mit den Worten „Dein dich verehrender und treuer Freund M. Albinus Mollerus von Straupitz, Theologe und Astronom im Markgrafth um Lausitz“ beendete.

Vor 400 Jahren, am 26. Dezember 1618, verstarb Albin Moller in Klein Jauer bei Altdöbern. Sein Grab, wie auch der Ort, fiel in den Jahren 1985/86 dem Braunkohlenabbau zum Opfer.
Die Heimatforschung in der Spreewaldregion hält die Erinnerungen an den niedersorbischen/wendischen Pfarrer, Sprachkundler, Botaniker, Astrologen und  Humanisten wach.
Seit Jahren bemüht sich die heutige Bevölkerung, hauptsächlich die Ortschronisten sowie die Heimat-und Regionalforscher,  die Einwanderungsgeschichte, die Besiedlung und die wechselvolle Entwicklung der einst überwiegenden  niedersorbischen/wendischen Bevölkerung in der Niederlausitz zu erforschen und für die Nachwelt zu erhalten.         Bernd Marx, Boblitz



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