Lübben und Dahme-Spreewald rufen zur Reinigung von Stolpersteinen auf

Putzaktion zum Tag des Gedenkens an Novemberpogrome vom 9. November 1938

Lübben. An diesem Freitag jährt sich die Reichspogromnacht zum 80. Mal. In den Tagen um den 9. November 1938 wurden von den Nationalsozialisten hunderte Juden ermordet und tausende jüdische Geschäfte, Wohnungen und Einrichtungen zerstört. Im Gedenken an die verfolgten und ermordeten Menschen jüdischen Glaubens sollen in Lübben und dem gesamten Landkreis Dahme-Spreewald am Freitag die dort verlegten Stolpersteine in einer Gemeinschaftsaktion gereinigt werden. Dazu rufen Lübbens Bürgermeister Lars Kolan und Dahme-Spreewald-Landrat Stephan Loge zusammen mit weiteren Initiatoren, wie dem Kulturdezernenten des Landkreises Carsten Saß und dem Lübbener Jörg Asshoff auf. Die Stolpersteine sind ein in den 1990er-Jahren geartetes Kunstprojekt: Mit im Boden eingelassenen Messingplatten wird mittlerweile in ganz Deutschland an das Schicksal der Menschen erinnert, die in der NS-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. 

Treffpunkt für die Lübbener Putzaktion ist am Freitag, um 17 Uhr, vor dem Rathaus an der Poststraße. Von dort verteilen sich die Teilnehmenden auf die insgesamt fünf Lübbener Orte, an denen Stolpersteine liegen. Motorisierte Teilnehmer oder Fahrradfahrer suchen die etwas entfernteren Orte auf. Mitzubringen sind kleine Putzschwämme, Bürsten oder Stofflappen, Metall-Reinigungsmilch sowie Taschenlampen und Teelichter. „Im Anschluss an die Reinigung sollen die Lichten für eine Gedenkminute angezündet werden“, erklärt Lübbens Rathauschef Kolan. Landrat Stephan Loge ruft freiwillige Bürgerinnen und Bürger, Vereine oder Initiativen auf, sich am 9. November auch im übrigen Landkreis Dahme-Spreewald an der Reinigungsaktion für die Stolpersteine zu beteiligen. „Die Helferinnen und Helfer setzen mit der Pflege der in ihrem Ort verlegten Stolpersteine ein Zeichen gegen politische Willkür, rassistische Diskriminierungen und erinnern an diesem historischen Datum an die Opfer des NS-Regimes“, sagt Loge. Eine „Liste der Orte mit Stolpersteinen“ findet sich in der Online-Enzyklopädie Wikipedia (https://bit.ly/2PMd26b) und weist neben Lübben beispielsweise Luckau, Lieberose, Mittenwalde oder Königs Wusterhausen aus. 

Im vergangenen Jahr hatten in der Spreewaldstadt Lübben bereits die hiesige Künstlerin Karen Ascher sowie Beigeordneter Carsten Saß − davor Mitglieder des Lübbener Forums gegen Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus − die Steine gereinigt. Nun sind an diesem Freitag mehr Bürger aus Lübben und darüber hinaus dazu aufgerufen, sich daran zu beteiligen. Damit wollen die Initiatoren daran erinnern, dass jüdisches Leben einmal selbstverständlich zu Lübben gehörte. Sie rufen dazu auf, Vielfalt – egal ob bei Herkunft, Lebensform oder Glauben – als Bereicherung wahrzunehmen und anzuerkennen. 

Die Stolpersteine sind kleine Gedenktafeln, die in das Straßenpflaster eingelassen werden. Ihre Inschriften erinnern an die Vertreibung und Vernichtung von Juden und weiteren NS-Opfern, die an dem jeweiligen Ort gelebt haben, und beinhalten Geburts- und Todesjahr sowie -Ort. Der Berliner Künstler Gunter Demnig hatte das Projekt „Stolpersteine“ 1992 gestartet. Inzwischen gibt es fast 70.000 Stolpersteine in fast 2.000 Kommunen in ganz Europa. Die ersten Lübbener Stolpersteine wurden 2008 von Günter Demnig verlegt. red

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