So eine Eierei

Potsdam. Sind Sie dieser Tage auch so „mütend“? Die Mischung aus „wütend“ und „müde“ beschreibt gerade ein allgemeines Gefühl angesichts von Ja-Nein-Jein-Lockdowns, Verlängerungsverlängerungen und Dochnichtruhetagen. Aber reichen Wortschöpfungen noch aus für all die pandemiesen Gefühle? Man ist übermüpfig und unausgerastet. Also blickt man sehnsuchend und müderfordert Corostern entgegen und hofft, bald aus seiner Coronarkose zu erwachen.
Etwa 1000 Wörter, die in der Pandemie entstanden sind oder eine neue Bedeutung bekommen haben, hat das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in seinem Neologismenwörterbuch bereits dokumentiert. So war an Coronachten keine Reise ins Warme angesagt, sondern Staycation - Urlaub zu Hause. Den Quarantini (Cocktail in der Quarantäne) konnte man zu Hause auf dem Sofa trinken. Modebewusste Menschen hatten längst ein Mask-Have (eine trendige Mund-Nase-Bedeckung) neben dem langweiligen FFP2-Modell. Von der Virusfront über den Anti-Corona-Schutzwall und die Quarantänefestung wird Handlungsfähigkeit und Kampfeswille von Hygiene-Rittern und Seuchen-Sheriffs signalisiert.
Dieses Osterfest ist wie das letzte Ostern – oder doch nicht? In diesem Sinne wünscht der BlickPunkt ein gesundes Corostern ganz ohne Rumgeeiere und mit dem notwendigen Abstand. Oder hat jemand eine bessere Covidee? ela