Brandenburg vertrocknet: Neue Maßnahmen zum Niedrigwassermanagement sind dringend nötig

Umweltminister Axel Vogel legt erstes Strategiepapier vor

Potsdam.  Das Umwelt- und Klimaschutzministerium möchte effizient gegen die Niedrigwasserproblematik im Land vorgehen. Ein Maßnahmenplan zur Vorsorge und zum Management von extremen Niedrigwasserereignissen wurde am Montag in Potsdam vorgelegt. Das mit Beteiligung der Landkreise, kreisfreien Städte und der Gewässerunterhaltungsverbände erarbeitete Konzept setzt auf ein nachhaltiges Ressourcenmanagement. Eine neue Internetplattform wird mit einem pegelspezifischen Warnsystem Niedrigwassersituationen im ganzen Land abbilden.

"Obwohl Brandenburg reich an Gewässern ist, führen fehlende Niederschläge rasch zu Trockenheit und Niedrigwasser in den Flüssen. Der brandenburgische Wasserhaushalt reagiert sehr schnell auf Niederschlagsdefizite, weil die durchlässigen Sandböden Wasser nicht halten können und über ausgedehnten Wasserflächen eine hohe Verdunstung stattfindet", so Umweltminister Axel Vogel (B'90/Grüne). Brandenburg gehöre zudem zu den niederschlagsärmsten Regionen Deutschlands. Die Trockensommer 2018, 2019 und 2020 haben laut Vogel die Problematik verdeutlicht und gezeigt, dass Änderungen beim Umgang mit Wasser dringend nötig sind.

Schwindende Abflüsse in Flüssen und sinkende Pegelstände an Seen und Grundwasser haben in drei aufeinanderfolgenden Trockensommern gezeigt, dass Brandenburgs Wasserhaushalt sensibel ist. Mit 568 Millimetern im Jahresdurchschnitt leigen die Niederschläge deutlich unter dem deutschlandweiten Mittelwert von 772 Millimetern, der sich aus den jahren 1990 bis 2015 errechnet. Die Eiszeit hat in Brandenburg durchlässige Schwemmsande und Geschiebemergel, aber auch Auen- und Moorböden hinterlassen, so dass Niederschlag schnell in tiefere Schichten versickert oder über das weitverzweigte künstliche Gewässernetz oberirdisch abfließt. Das führt dazu, dass die brandenburgische Landschaft sehr schnell auf Niederschlagsdefizite mit trockenfallenden Fließgewässern und sinkenden Pegelständen der oberen Grundwasserleiter reagiert.

Spürbare Auswirkungen hat dies auf grundwasserabhängige Feuchtgebiete und Seen, die bei hohen Lufttemperaturen von hohen Verdunstungsraten betroffen sind. Mithilfe des Niedrigwasserkonzepts will das Umweltressort die für ein nachhaltiges flussgebietsbezogenes Niedrigwassermanagement erforderlichen Fachdaten für Behörden, Gewässernutzer, Flächenbewirtschafter und die Öffentlichkeit aufbereiten und zugänglich machen. Zum behördenübergreifenden Austausch soll zudem eine eigene Plattform eingerichtet werden. Im Frühjahr geht ein pegelspezifisches Niedrigwasserwarnsystem in Form einer Niedrigwasserampel für Fachleute online. Sie kann auch von der Öffentlichkeit genutzt werden.


Entnahmemöglichkeiten auf dem Prüfstand

Überprüft und angepasst werden auch die wasserrechtlichen Genehmigungen für Entnahmen von Grund- und Oberflächenwasser sowie für Stauanlagen. Dafür können die Wasserbehörden seit 2020 auf die ökohydrologischen Werte für die Mindestwasserführung der Gewässer zugreifen. Bis Ende 2021 erhalten die Wasserbehörden die Möglichkeit, mit einem WEBGIS-Instrument beispielsweise Anträge für Grundwasserentnahmen besser zu bewerten. Anhand von Prognosen zur Grundwasserneubildung können bei Wasserentnahmen Klimaabschläge erhoben werden. Die vergangenen Dürreperioden hätten gezeigt, dass die Wassernutzungspraxis dringend an die vorhandenen Mengen angepasst werden müsse, so der Minister.

Die künstlichen Speicher wie die Talsperre Spremberg oder der Dossespeicher sollen besser nutzbar gemacht werden, um Überschusswasser aus niederschlagsreichen Zeiten für Trockenperioden zurückzuhalten. Zusätzlich soll auch der natürliche Wasserrückhalt in der Landschaft verbessert werden, indem die natürlichen Speicher durch Schutz und Revitalisierung der Niederungen und Moorböden aufgefüllt werden. So könnten auch Grundwasserstände stabilisiert werden.

Das Umweltministerium will Aktivitäten zur Verbesserung des Wasserhaushalts begleiten und finanziell unterstützen. Zum Auftakt für diese regionalen Niedrigwasserkonzepte führt das Ministerium in diesem Jahr drei regionale Informationsveranstaltungen mit den jeweiligen wasserwirtschaftlichen Akteuren durch, wobei jeweils die Hauptflussregionen Ost, Süd und West mit den Flussgebietseinheiten berücksichtigt werden. Doch auch die Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei und der Naturschutz müssen sich an der Niedrigwasservorsorge beteiligen. In Workshops mit den jeweiligen Interessenvertretungen sollen geeignete Umsetzungsstrategien erarbeitet werden. "Das Landesniedrigwasserkonzept ist ein Baustein der Anpassungsstrategien der Brandenburger Wasserwirtschaft an die Auswirkungen des Klimawandels. Bis Ende 2021 werden wir dem Landtag eine Gesamtstrategie zu dieser Generationenaufgabe vorlegen", so Vogel. In dem Konzept soll es um angepasste Bewirtschaftungen in den Flussgebieten, umfangreiche Investitionen in den Wasserrückhalt und um die Anpassung der Wassernutzungen an ein klimatisch bedingtes verringertes Wasserangebot gehen.  sg 

Kommentare

  1. User
    Schulze Jüterbog , Mi, 17.02.2021 06:49

    Das abfließen von Klährwasser in unseren Flüssen ist für mich schon seit Jahren mit einer der größten Umweltsünden in unserem Land. MfG R.Schulze