Verdacht auf Afrikanische Schweinepest in Potsdams nördlichstem Ortsteil vermutet

Fund aus Groß Glienicke wird am Friedrich-Löffler-Institut untersucht

Potsdam. Bei einem Kadaverfund in Groß Glienicke hat das Landeslabor Berlin-Brandenburg am Donnerstagabend den Verdacht auf Afrikanische Schweinepest (ASP) festgestellt. Der Tier-Kadaver wurde am Freitag in das Nationale Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) auf der Insel Riems in Mecklenburg-Vorpommern zur weiteren Abklärung transportiert.

"Seit September kämpfen wir gegen eine weitere Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest von der polnischen Grenze Richtung Westen. Gleichzeitig ist es jedoch jederzeit möglich, dass der Erreger auch über lange Strecken durch den Menschen weitergetragen wird. Über den Verdachtsfall in Potsdam sind wir in enger Abstimmung mit Berlin, die betroffenen Landkreise und Behörden sind informiert. Sollte sich der Verdacht bestätigen, werden wir unverzüglich alle erforderlichen Maßnahmen einleiten", so Brandenburgs Verbraucherstaatssekretärin Anna Heyer-Stuffer (B'90/Grüne), Leiterin des ASP-Krisenstabs.

Der erste ASP-Ausbruch beim Schwarzwild ist im Land Brandenburg am 10. September amtlich festgestellt worden. Die Afrikanische Schweinepest ist eine ansteckende Allgemeinerkrankung der Haus- und Wildschweine, die fast immer tödlich verläuft und unheilbar ist. Es gibt keine Möglichkeit, die Tiere durch eine vorbeugende Impfung zu schützen. Die Erkrankung kann direkt von Tier zu Tier oder indirekt über kontaminierte Gegenstände wie Kleidung, Schuhe oder Fahrzeuge und Futter in andere Gebiete durch den Menschen übertragen werden. Für den Menschen und andere Tierarten ist die ASP nicht ansteckend oder gefährlich.


Bundesministerin Julia Klöckner appelliert an Landwirte, ihre Schweinebestände zu schützen

Seit dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest im Wildschweinbestand der Bundesländer Brandenburg und Sachsen sind neben den Mitarbeitern der zuständigen Behörden, auch viele weitere Helfer unermüdlich im Einsatz - auch über die Feiertage. Darunter das Technische Hilfswerk und die Bundeswehr. Sie unterstützen bei der Suche nach erkrankten oder toten Tieren in den betroffenen Restriktionsgebieten. Es gelte, dadurch die ASP zu bekämpfen, den Tieren die Leiden der Erkrankung zu ersparen, und um zu verhindern, dass die Hausschweine in den landwirtschaftlichen Betrieben durch Wildschweine angesteckt werden, heißt es vom Bundeslandwirtschaftsministerium.

Bisher sind die Hausschweinebestände in Deutschland ASP-frei. Hier seien jedoch auch die Landwirte gefordert, sicherzustellen, dass ihre Hausschweine nicht in Kontakt mit Wildschweinen und Hausschweinen anderer Betriebe kommen und dass sie Futter und Einstreu sicher vor Wildschweinen geschützt lagern. Nach wie vor sind sie in Deutschland frei von ASP. Die Lage bei den Wildschweinen in den betroffenen Gebieten von Brandenburg und Sachsen bleibt dynamisch. Insgesamt wurden bisher 480 viruspositve Kadaver gefunden, davon mit 463 der weitaus größte Teil in Brandenburg und 17 in Sachsen.

Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) hat angesichts dieser Situation appelliert, über die Maßnahmen gegenüber Wildschweinen hinaus, in den Anstrengungen, Hausschweinebestände mit wirksamen Maßnahmen nach Außen abzuschotten, nicht nachzulassen. Neben der Suche nach Fallwild werden in eingezäunten Arealen Fallen und Abschüsse eingesetzt, um durch ein wildschweinfreies Gebiet den Kontakt mit noch gesunden Tieren zu unterbrechen und so die Verbreitung zu stoppen.


Zerstörung von Zäunen kein Kavaliersdelikt

Das Errichten von Wildschutzzäunen sowohl um Kerngebiete herum als auch entlang der deutsch-polnischen Grenze ist eine wichtige Maßnahme. Entlang der Grenze wurden in Mecklenburg-Vorpommern 63 Kilometer, in Brandenburg 127 Kilometer und in Sachsen 56 Kilometer aufgestellt. Vorläufige mobile Elektrozäune werden sukzessive durch feste Zäune ersetzt. Immer wieder berichten die Behörden aber darüber, dass Zaunanlagen mutwillig zerstört werden. Zudem würden Gittertore oder Gatter, die etwa auf Feldwegen stehen, nach dem Durchfahren nicht wieder geschlossen.

Bundesministerin Julia Klöckner äußerte sich verärgert dazu: "Vandalismus an den Zäunen gefährdet in hohen Maße den Erfolg der Seuchenbekämpfung. Das ist erschreckend und kann weitreichende Konsequenzen haben. Weder ist das Zerstören dieser Schutzmaßnahmen eine Mutprobe noch ein Kavaliersdelikt. Um eine Ausbreitung zu verhindern, müssen sich alle zwingend an die geltenden Vorschriften halten."

Nach dem ersten Auftreten der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen in Deutschland im September haben zahlreiche Drittländer, darunter auch die Volksrepublik China, Deutschland für den Export von Schweinefleisch gesperrt. Die Bundesregierung verhandelt seit Jahren intensiv über eine Regionalisierung mit allen relevanten Handelspartnern, insbesondere mit der Volksrepublik China. Im Rahmen dieser Verhandlungen hat das BMEL im vergangenen Jahr einen umfassenden chinesischen Fragenkatalog an das dortige Landwirtschaftsministerium übermittelt. Darin geht es unter anderem um die ergriffenen Maßnahmen, damit sich die Afrikanische Schweinepest nicht weiterverbreitet, die Verhinderung von Neueinträgen nach Deutschland sowie die Früherkennung von ASP-Ausbrüchen in der Wild- und Hausschweinepopulation Deutschlands. Eine Rückmeldung Chinas auf den Fragenkatalog steht noch aus.

Das Prinzip der Regionalisierung ist international anerkannt, um bei einem Ausbruch einer Tierseuche, wie der ASP den Handel mit sicheren Produkten aus von der Tierseuche freien Gebieten fortsetzen zu können. Bisher ist es weder der EU noch einem anderen Mitgliedstaat gelungen, bei der Volksrepublik China eine Akzeptanz der Regionalisierung im Hinblick auf ASP zu erreichen.


Freie Bauern halten Maßnahmen für überzogen

Nachdem der Potsdamer Fund bekannt wurde, haben sich die Freien Bauern Brandenburg mit deutlichen Worten an die beiden zuständigen Landesministerien gewandt. Die strikten Maßnahmen, von denen Landwirte entland der Grenze nach Polen betroffen sind, halten sie für übertrieben und geschäftsschädigend. "Wir appellieren an die zuständigen Minister Axel Vogel und Ursula Nonnenmacher, Vernunft walten zu lassen. Wir können nicht wegen ein paar toter Wildschweine unsere ganze Landwirtschaft stilllegen und damit die regionale Lebensmittelversorgung gefährden. Zumal unsere Hausschweinebestände sich fast ausschließlich in Ställen befinden, die gut gegen Krankheitserreger aller Art geschützt sind", so Sprecher Reinhard Jung am Freitag.

Sollte sich der Verdacht bestätigen, müsse spätestens jetzt eine Kurskorrektur erfolgen. Die Bewirtschaftungsverbote in Spree-Neiße und Märkisch Oderland hätten sich als größtenteils unsinnig, jedenfalls unverhältnismäßig herausgestellt. "Im Märzen muss der Bauer wieder Landwirtschaft machen, und zwar flächendeckend", so Jung weiter.  red/sg