Neue Rastanlage an der A10: BI sieht Gefahr für die Natur

Bürgerinitiative aus Uetz-Paaren stellt sich gegen Pläne für Lkw-Raststätte Havelseen

Potsdam. Für Potsdam ist es es schon "janz weit draußen", das Gebiet zwischen der A10 und Ketzin. Die beiden Ortsteile Uetz und Paaren, hart an der Grenze zum Landkreis Havelland und in idyllische Natur eingebettet, sind zwar hervorragend angebunden, aber auch ein wenig von der Landeshauptstadt abgehängt, was die Bewohner durchaus zu schätzen wissen. Doch quasi parallel zur Entwicklung des Friedrichsparks, gerade noch im Innenbereich des Berliner Rings, soll auf der westlichen Seite der Autobahn in den nächsten Jahren eine etwa 35 Hektar große Autobahnraststätte mit Stellplätzen für rund 100 Lkw errichtet werden.

Dafür würde Ackerland zubetoniert, das zurzeit noch landwirtschaftlich genutzt wird - kein Wunder bei einer Güte von über 50 Bodenpunkten, die es in der Märkischen Sandbüchse nur selten gibt. Ebenso selten sind die Vogelarten, die aus der geschützten Döberitzer Heide herüber fliegen. Die Biologin Silke Beckedorf hat in den angrenzenden Streuobstwiesen schon Wiedehopf und Pirol sowie Nester von Fischadlern und Kiebitzen entdeckt. Deshalb hat sie sich mit anderen Paarenern entschlossen, eine Bürgerinitiative gegen den Bau der Raststätte ins Leben zu rufen und mit einer an den Landesbetrieb Straßenwesen und den Landtag gerichteten Online-Petition Unterschriften zu sammeln.

Am 19. November ab 17 Uhr wollen die Mitstreiter vor dem Potsdamer Umweltausschuss im Treffpunkt Freizeit demonstrieren. Die Initiative schlägt statt eines Neubaus bei Paaren die Erweiterung der beiden weiter nördlich gelegenen Rastanlagen in Wolfslake vor. Sie sind von Wald und Äckern gesäumt, der Boden sei deutlich weniger wertvoll. Vonseiten des Landesbetriebs Straßenwesen heißt es, Wolfslake könne nicht weiter ausgebaut werden, weil die Standorte weder an ein öffentliches Trinkwassernetz, noch an eine Kanalisation angeschlossen seien. Zudem seien die Planungen noch nicht weit genug fortgeschritten, um eine Beteiligung der Öffentlichkeit möglich zu machen.

Tatsache ist aber, dass in Wolfslake bereits jetzt jeweils 40 Lkw-Stellplätze vorhanden sind, nur 20 weniger als auf der neuen Rastanlage Havelseen insgesamt geplant sind. Unbestritten ist auch der Bedarf an Übernachtungsplätzen für Lkw-Fahrer. Warum jedoch eine relativ geringe Erweiterung einer vorhandenen Rastanlage nicht möglich sein soll, leuchtet den Mitgliedern der Bürgerinitiative nicht ein, zumal vom Neubau nicht nur Paaren, sondern auf der östlichen Seite der A10 auch Kartzow besonders stark betroffen wäre.

Silke Beckedorf befürchtet vor allem eine starke Belastung durch die aus Sicherheitsgründen nötige ständige Ausleuchtung des Geländes, die den Biorhythmus von Mensch und Tier ins Ungleichgewicht bringen kann. Ob die Initiative, die in kurzer Zeit stark gewachsen ist und bereits 160 Unterstützer aus zehn Orten zählt, mit ihrer Petition etwas erreichen kann, hängt nun vor allem vom Bund ab. Der übernimmt mit seiner neuen Autobahn GmbH ab Januar sämtliche Aufgaben des Autobahnbaus, die bislang beim Landesbetrieb lagen. Damit ändern sich nicht nur die Ansprechpartner, sondern eventuell auch die Ziele der Baumaßnahme. sg


Mehr zur Bürgerinitiative und der von ihr gestarteten Online-Petition gibt es auf www.potsdamer-norden.de.