Keine Attestpflicht

Kita und Schule: Kassenärztliche Vereinigung informiert

Potsdam. Bei einem leichten Schnupfen oder Husten ohne Fieber ist kein Besuch einer Arztpraxis notwendig. Darauf weist die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg hin. Deren stellvertretender Vorsitzender, Dipl.-Med. Andreas Schwark, erläutert: „Vor allem Kinderärzte berichten uns, dass Kitas und Schulen von Kindern und Jugendlichen schon bei leichten Erkältungssymptomen ein ärztliches Attest oder einen Corona-Test fordern. Das ist vollkommen unbegründet. In diesen Fällen kann das Kind die Kita bzw. die Schule besuchen und am Unterricht teilnehmen. Das Gesundheits- und das Bildungsministerium haben für die Einrichtungen ergänzend zu den Kita- und Schul-Hygieneplänen klare Hinweise erarbeitet. Gerade in der Herbst- und Wintersaison ist es wichtig, dass die Praxen nicht mit Patienten verstopft werden, die eigentlich keine ärztliche Behandlung benötigen.“ Steven Rohbeck, niedergelassener Kinderarzt aus Potsdam, informiert dazu im Interview.

Wie begegnen Ihnen die Patienten in der Praxis?
Steven Rohbeck: Der überwiegende Teil der Patienten ist sehr dankbar und verhält sich dem gesamten Praxisteam gegenüber sehr wertschätzend. Mir begegnen auch Patienten, die sehr sorgenbehaftet und verunsichert im Umgang mit Corona sind. Manche werden fordernder, teilweise sogar aggressiv und halten sich nur wenig an unsere Regeln.

Der Herbst beginnt und damit auch die Erkältungssaison. Was raten Sie Eltern in diesem Jahr?
Steven Rohbeck: Drei Punkte sind wichtig: Erstens, nehmen Sie die Prävention, die Vorsorgen und Impfungen, wahr. Zweitens, gehen Sie im Falle einer akuten Erkrankung zu Ihrem Kinderarzt. Der kennt Ihr Kind am besten. Vertrauen Sie ihm in seinen klinischen Entscheidungen. Und drittens, wägen Sie mit gesundem Menschenverstand und elterlichem Bauchgefühl gut ab, ob eine Vorstellung sowohl in der Akutsprechstunde oder auch im kinderärztlichen Bereitschaftsdient notwendig ist. Warzen, Hautauffälligkeiten, Schnupfen, Halskratzen, leichter Husten, lang andauernde Beschwerden gehören sicher nicht in den Bereitschaftsdienst – ebenso wenig wie Bescheinigungen oder Zweitmeinungen. Den gleichen Appell richte ich auch an Kitas, Horte und Schulen: Gesunde Kinder gehören nicht in die Kinderarztpraxis, vor allem nicht in der Infektsaison, und können die Einrichtungen besuchen. Das war früher schon so und ist auch in diesem Jahr so. 

Erwarten Sie in den kommenden Herbst- und Wintermonaten einen noch größeren Ansturm in der Praxis?
Steven Rohbeck: Das bleibt abzuwarten. Wir Ärzte in Praxen und Kliniken, aber auch das Ministerium und die Gesundheitsämter müssen Kitas und Schulen sowie auch die Eltern glaubhaft davon überzeugen, dass Corona nach dem aktuellen Kenntnisstand in der Kinderheilkunde nur eine Differenzialdiagnose ist und nicht die wahrscheinlichste Diagnose. Gelingt das nicht, könnte die eine oder andere Praxis von verängstigten Patienten überrannt werden.

Wie kommen Sie zu der Einschätzung?
Steven Rohbeck: Mittlerweile haben viele Studien bewiesen, dass Kinder nicht so häufig betroffen und vor allem keine Superspreader sind, wie es anfangs befürchtet wurde. Wir haben in unserer Praxis in den vergangenen sieben Monaten zigtausende Kinder behandelt und getestet. Keine zehn Tests waren positiv und glücklicherweise war auch kein Kind schwer krank oder ist gar verstorben. Ausnahmen bestätigen aber leider auch in der Kinderheilkunde die Regel.

Wie organisieren Sie sich in der Praxis?
Steven Rohbeck: Das Tagesgeschäft mit den Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen und Akuterkrankungen muss weiterlaufen. Hygienemaßnahmen müssen eingehalten werden, und wir müssen indizierte Abstriche machen können. Das geht nur, wenn wir gesunde und kranke Kinder strikt voneinander trennen. Das klappt mit einer Terminsprechstunde für vermeintlich gesunde Kinder und einer anschließenden Akutsprechstunde. Für Patienten mit Corona-Verdacht haben wir außerdem einen separaten Praxiszugang und ein eigenes Behandlungszimmer. Logistisch war das anfangs ein großer Aufwand, aber mittlerweile haben wir uns sehr gut eingespielt. Vor allem unsere Mitarbeiterinnen leisten da Großes in der Praxisorganisation und in der Kommunikation mit den Eltern.  red

Kommentare

  1. User
    Lebowski Potsdam , Mi, 07.10.2020 07:48

    Gute Einstellung. Top Praxis mit sehr freundlichen Personal und netten Ärzten. Danke für dieses Interview und der Einstellung der Ärzte. Hoffe das sich die Eltern auch dran halten und nicht die Praxen überrennen.