Sansibar: Eine Aufgabe fürs Leben

Zum siebten Mal eilt Gabriele Fischer Potsdams Partnerstadt zu Hilfe - Corona zum Trotz

Potsdam. Sansibar - für die meisten Menschen klingt das, gerade in Corona-Zeiten, wie ein unerreichbares Paradies. Nicht so für Gabriele Fischer. Die ehemalige Bildungsbeigeordnete engagiert sich seit 2018 als Mitglied des Freundeskreises Potsdam-Sansibar für Verbesserungen vor Ort. Unermüdlich organisiert sie Bildungsangebote für Kinder und hilft, die dürftige medizinische Versorgung mit Spenden aus Deutschland zu verbessern. Gemeinsam mit der Schauspielerin Gerit Kling hat sie schon einiges auf die Beine stellen können.

Nun soll ein neues Projekt unter der Leitung der deutschen Ärztin Jenny Bouraima in der Urban Care Clinic in Zanzibar Town starten, das von Rotary Clubs in Potsdam und Sansibar unterstützt wird. Gabriele Fischer will ein modernes Mammographiegerät anschaffen, das vor Ort zur Brustkrebsfrüherkennung eingesetzt wird. Mit Unterstützung von Gerit Kling hat sie Schwimmkurse für Kinder organisiert. Ein Hotel stellt für wenig Geld seinen Pool zur Verfügung, aber der professionelle Schwimmlehrer muss bezahlt werden.

Denn obwohl Sansibar von Wasser umgeben ist, kann dort kaum jemand schwimmen. Wie wenig verbreitet das Schwimmen auf der Insel ist, musste Gabriele Fischer schon feststellen, als sie das erste Mal versuchte, Badekleidung für die Kinder zu kaufen. Hosen für Jungen gab es zwar, aber in dem muslimisch geprägten Land war es äußerst schwierig, passende Badeanzüge für Mädchen zu bekommen.


Auf andere Gedanken kommen

Gabriele Fischer hat in der Hilfe für Sansibar nach dem Tod ihres Mannes eine neue Lebensaufgabe gefunden. Fast alle Bereiche, die ihr Amt als Beigeordnete in Potsdam abdeckte, benötigen in Sansibar dringend Unterstützung. So hilft sie Schulen, wo immer sie kann, und fördert Schulpartnerschaften wie die zwischen dem Humboldt-Gymnasium und der Mwembeladu Secondary School. Auch eine privat geführte Montessorischule unterstützt sie. Im gesamten Schulbereich wird dringend Hilfe benötigt, denn die Klassenräume platzen aus allen Nähten. Der Altersdurchschnitt auf der Insel liegt bei nur 25 Jahren, das erklärt auch die hohe Schülerzahl.

Doch Bildung und medizinische Versorgung sind noch längst nicht alles, was Gabriele Fischer auf ihrer To-Do-List hat: Für das örtliche Naturkundemuseum hat sie bereits eine Kühltruhe besorgt, in der die stark von Parasiten befallenen Exponate nach und nach einem Kälteschock unterzogen werden. In Zukunft soll das Museum auch Unterstützung von Mitarbeitern des hiesigen Naturkundemuseums bekommen. Denn auf Dauer will Fischer sansibarische Einrichtungen mit ihren Potsdamer Pendants vernetzen, so auch den Märkischen Turnerbund, der Interesse an sportlichen Kontakten angemeldet hat.


Eine besondere Spende aus Potsdam

Am 18. September macht sich die unermüdliche Helferin Corona zum Trotz wieder auf den Weg ins Tropenparadies. Das ist dann schon das siebte Mal, zwei Monate wird sie diesmal bleiben. Angst vor Corona hat sie nicht. Da die Bevölkerung so jung sei, gebe es quasi keine Fälle, so der offizielle Tenor. Getestet wird zwar nicht, aber die Zahl der Patienten in den Krankenhäusern sei nicht höher als sonst. Fischer selbst will sich zwei Tage vor dem Abflug testen lassen, um "die Krankheit der Weißen", wie Corona auf Sansibar genannt wird, nicht einzuschleppen. Ihre Flüge und die Kosten vor Ort trägt sie übrigens immer selbst - darauf besteht sie, damit die Spenden auch tatsächlich dort ankommen, wo sie hingehören.

Mitte der Woche stellte sich heraus, dass Gabriele Fischer diesmal mit besonders schwerem Gepäck auf Reisen gehen wird: Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hat ihr zugesagt, dass das Klinikum Ernst-von-Bergmann ein Beatmungsgerät für das größte sansibarische Krankenhaus, das Mnazi Mmoja Hospital, spenden wird. Das 45 Kilo schwere Gerät will Fischer unbedingt persönlich durch den Zoll bringen, damit es unterwegs auf keinen Fall verloren geht.  sg


Weitere Infos und Spendenmöglichkeit beim Freundeskreis Potsdam-Sansibar, Schulstraße 8b, 14482 Potsdamoder per E-Mail an dombrowsky@bbag-ev.de.