Stadtnatur: Potsdamer Schulen sollen ein "Wiesentagebuch" führen

Projekt zur Wertschätzung von Grünflächen nimmt an Bundeswettbewerb teil

Potsdam.  Die Bewerbung für das "Potsdamer Wiesentagebuch" im Bundeswettbewerb "Naturstadt - Kommunen schaffen Vielfalt" des Bündnisses "Kommunen für biologische Vielfalt e. V." wurde fristgemäß eingereicht. Damit hat die Landeshauptstadt einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 3. Juni umgesetzt.

"Stadtnatur ist wichtig - sie fördert die Gesundheit und erhöht die Lebensqualität. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel, sorgt für frische Luft und sauberes Wasser und bietet attraktive Räume für Erholung, Naturerfahrung und sozialen Austausch. Zudem ist sie Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Das eingereichte Projekt 'Potsdamer Wiesentagebuch' kann einen positiven Beitrag für eine vielfältige und intakte Stadtnatur in und für Potsdam leisten", sagt Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos).

Kooperationspartner für das Projekt sind der Verein "StadtrandELFen e.V.", das Kinder- und Jugendbüro des Stadtjugendrings, die Priesterweg-Grundschule in Drewitz und der Hort "Schulplatz" der Karl-Foerster-Grundschule in Potsdam Bornstedt. Schülerinnen und Schüler sollen in dem Projekt "Potsdamer Wiesentagebuch" über einen längeren Zeitraum abgesteckte Flächen beobachten und die Veränderungen dokumentieren. Schwerpunkt der Beobachtung sollen Insekten und Blühpflanzen sein.

Zum Projekt gehören auch Facheinführungen in Fauna und Flora des Gebietes und praktische Bestimmungsübungen. Die Art der Dokumentation soll in einem partizipativen Verfahren zusammen mit den Schülern erprobt werden. Möglich wären beispielsweise Tagebücher, Filme, Apps, Shared Documents, Fotos, Zeichnungen und Tonaufnahmen. In einem zweiten Schritt sollen die Kinder die Unterschiede der Flächen diskutieren, auswerten und Hypothesen dazu bilden. Da das Projekt für mindestens zwei Schulen und Horte geplant ist, ist auch ein Austausch zwischen den Schülergruppen in den verschiedenen Stadtteilen denkbar.

Die Kinder sollen selbst forschen und entdecken, erste Kenntnisse und Fähigkeiten zum Erkennen und Dokumentieren von Arten bekommen, selbst Theorien entwickeln und Ergebnisse erzielen. Die Wertschätzung von Grünflächen verschiedenster Art und die Wahrnehmung von Grünflächen im öffentlichen und städtischen Raum als wichtiger Faktor für die Artenvielfalt, gerade für Insekten, wird so gefördert. Gemeinschaftsgeist und gute Nachbarschaft werden entwickelt und gestärkt. Die Kinder und Jugendlichen tragen als Multiplikatoren und Botschafter ihre Kenntnisse, ihr Bewusstsein und ihr Engagement für die Natur in die Familien und in die Öffentlichkeit.

Darüber hinaus können auch Anreize, Anstöße und Ideen von den Kindern an Erwachsene entstehen, das Projekt entwickelt also eine generationsübergreifende Wirkung. Perspektivisch kann auch das Interesse für wissenschafts- und naturnahe Berufe geweckt werden und erste Erfahrungen in der wissenschaftlichen Methodik werden erlangt. Die 40 besten Projektideen werden durch eine Expertenjury bewertet, im November als Zukunftsprojekte ausgezeichnet und mit jeweils 25.000 Euro prämiert.  red/sg