Werders Inselbus: Kein Einkauf ohne Wartezeit

Der Weg zum Werderpark ist für die Inselbewohner beschwerlich geworden

Werder (Havel). Seit einem Monat bedient die neue Elektrobuslinie E30 der mittelmärkischen Verkehrsgesellschaft Regiobus Werders Inselstadt. Der Mercedes Vito-Transporter ist mit sechs Sitzplätzen in zwei Reihen hintereinander ausgestattet plus einem neben dem Fahrer, auf dem Kunden eigentlich nicht sitzen dürfen.

Fahrer Maik Schmidt, selbst Werderaner, kennt inzwischen seine Fahrgäste und deren Bedürfnisse. Als ausgesprochen hilfsbereit wird der Familienvater geschildert - und ohne diese Bereitschaft, den vornehmlich älteren Kunden zur Seite zu stehen, wäre sein Job auch nicht zu machen. Denn der Transporter hat zwar auf jeder Seite eine Schiebetür. Die öffnet sich aber nur für die erste der beiden Sitzreihen. Das bedeutet, Maik Schmidt muss seine Fahrgäste bei jedem Zustieg quasi "neu sortieren".

Vor allem ältere, weniger bewegliche Mitfahrer haben Probleme mit dem Ein- und Ausstieg in den so gar nicht barrierefreien Van, manche schaffen es nicht allein. Dann hilft der Fahrer, stützt sie oder klappt auch mal den einen oder anderen Rollator zusammen und verstaut ihn im Kofferraum des Gefährts. Dort hinein müssen bei voller Besetzung auch prall gefüllte Einkaufstrolleys. Denn obwohl die Verbindung zum Werderpark seit der Einführung der Linie E30 mit längeren Wartezeiten und einem mehr als 500 Meter langen Fußweg verbunden ist, wollen die Inselbewohner ihren Einkauf in den gewohnten Geschäften nicht missen.


Schmidts Fazit: Der Vito ist zu klein

Maik Schmidt hat inzwischen viele Anmerkungen und Vorschläge der Fahrgäste gesammelt und ist selbst zu dem Schluss gekommen, dass ein größerer Minibus, wie beispielsweise der Mercedes Sprinter, für die Strecke besser geeignet wäre. Dort könnten die Sitzreihen mit Mittelgang angelegt werden und einen barrierefreien Einstieg gäbe es für dieses Modell auch. Einziges Problem: Der Sprinter ist als Bus mit Elektroantrieb nach Angaben von Mercedes-Benz noch gar nicht auf dem Markt und soll auch 2021 nicht zur Verfügung stehen.

Eine andere Idee hat Schmidt selbst entwickelt. Die gewünschte Verbindung zum Werderpark könnte er auch einmal stündlich mit dem Vito anbieten. Denn zwischen den Touren gibt es immer Wartezeiten am Plantagenplatz. Auch die Batterie, die bei der jetzigen Nutzung mit einer Ladung zwei Tage hält, wäre damit keineswegs überfordert, sagt Schmidt, der vor seiner jetzigen Tätigkeit als Busfahrer viele Jahre in der Behindertenpflege gearbeitet hat.


Direkte Verbindung zum Werderpark

Ein Aufruf unter den Inselbewohnern hat unterdessen 75 Unterschriften für die Verlängerung der Linie bis zum Werderpark zusammengebracht, die Initiatorin Ulrike Ristau nun an den Landkreis und die Stadt weiterleitet. Von der Kreisverwaltung heißt es jedoch, die Verlängerung der Linie 630, mit der jahrelang die Insel bedient wurde, wäre ohnehin eingestellt worden, weil die Fahrgastzahl die Strecke nicht mehr gerechtfertigt hätte. An entsprechende Erhebungen erinnern sich die Inselbewohner nicht. Anhand der Fahrscheinverkäufe hätten nur die Abfahrten von der Insel gezählt werden können.

Maik Schmidt hingegen könnte gezwungen sein, bei hohem Touristenaufkommen in der Ferienzeit eine Art "Reise nach Jerusalem" mit seinen Fahrgästen zu spielen. Denn sobald größere Gruppen mitfahren wollen, werden die Plätze im Vito knapp. Dann müssen einige zu Fuß gehen.  sg